KXM: Circle Of Dolls

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 13.09.2019
Produktion: KXM
Albumlänge: 61.32 min
Genre: Hard Rock / Cross Over / Alternative Metal
Bewertung: 7.5 / 10


Hinter dem Kürzel KXM verbergen sich drei außergewöhnliche Musiker: dUg Pinnick, George Lynch und Ray Luzier (»Korn X Mob«). Im vergangenen September veröffentlichte das Projekt sein drittes Studioalbum – zweieinhalb Jahre nach dem Vorgänger »Scatterbrain«. Angesichts der dauernden Beschäftigung aller drei in anderen musikalischen Projekten folgte das neue Werk dem Vorgänger erstaunlich schnell. KXM ist gewissermaßen ein Ventil, das dieser Kombination aus drei außergewöhnlichen Musikern erlaubt, jene Träume auszuleben, die sie in ihren jeweiligen Stammbands nicht verwirklichen können.

KXM entstanden Anfang 2013 aus dem Jam heraus. Und so komponieren sie auch ihre Musik. Durch Jam. Die Tracks entwickeln sich bis zu einem albumtauglichen Format recht spontan, ausgehend von einer grundlegenden Gitarrenfigur. Sie wachsen um Lynchs Riff herum, dem Luzier und Pinnick mit ihren ganz eigenen Ansätzen eine vollkommen eigenständige Energie einhauchen. 

Keine Frage – die Chemie stimmt. Die Magie auch. Es funkt nach wie vor, und das auf besonders eindrucksvolle Weise. George Lynch liefert wieder einige ausgesprochen durchdringende Gitarrenphrasen ab, durch einen schwer fetten Gitarrensound, der den Phrasen einen eigentümlichen »tiefer klingenden« Glanz verleiht,  während Luzier und Pinnick mit den Charakteristiken zweier absoluter musikalischer Ausnahmetalente eine spezifische »Groove-Kinetik« und eine unglaublich dynamische Rhythmik in diese Phrasen einbringen, die die Tracks auf hohem atmosphärischem Niveau federnd antreibt. Lynch ist wieder einmal in herausragender Solistenlaune. Durchgehend aufregend, funkelnd – neugierig forschend!  Dabei erinnert er durchaus ein paarmal an seine außergewöhnliche Virtuosität, wenn er in supersonische Ausbrüche rasender Geschwindigkeit abdriftet – doch in den instrumentalen Passagen liebäugelt er auch gern mit Lösungen, die in Modulationen weit weg von den vorhersehbaren Sphären des Hard Rock wandern können, und spielt auch mit Jazzlinien. 

Die Musik trägt eine dunkle Vibration in sich. Pinnick ist ein außergewöhnlicher Vokalist, der für sein Alter nach wie vor eine enorm durchdringende Vokalspannung entwickelt, die natürlich auf dem ausgeprägten Einsatz von Soul-Akrobatik basiert – ähnlich wie es der unzerstörbare Glenn Hughes in einer anderen musikalischen Sphäre tut. Das Album ist überwiegend »auf Anhieb gespielt und aufgenommen«. Ohne besondere zusätzliche Studio-Politur und nachträgliche Verschönerung. Es hat einen ausgesprochen lebendigen Klang und wirkt »konzertnah«. Die Produktion ist ausgeprägt »fett« und »volltönend« ausgereizt, mit einem deutlichen Fokus auf massiv angeschärften tiefen Tönen.

Die Tracks wirken direkt so, als wären sie aus dem Jam entstanden. Darauf deuten auch die motivische Knappheit und die wiederholte Repetition der Leitmotive hin, die dUg Pinnick mit Soul-Einlagen in den Vokalmelodien zu beleben versucht. Ungeachtet der Tatsache, dass Lynch in erster Linie ein Hard-Rock-Gitarrist ist, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit aller drei Musiker eine geradezu unglaublich geglückte Mischung aus allen drei Stammbands, denen sie angehören. Die Musik kann auch für alle »ansteckend« sein, die auf Crossover-Bands à la Living Colour, Faith No More oder gar Red Hot Chili Peppers stehen. Doch »Circle Of Dolls« weckt nicht mehr dieselbe Neugier und Aufregung wie etwa der Vorgänger »Scatterbrain«. Es wirkt, als wären KXM an einen expressiven Zenit gestoßen, der die Evolution abschließt. Dieses Gefühl erweckt vielleicht schlicht die Tatsache, dass das Album zu viel Musik enthält und diese wirklich auf Anhieb erschaffen wurde – mit voreiligen Schlüssen allgemeiner Selbstzufriedenheit ihrer Schöpfer.

Was der ganzen Sache ein paar Probleme beschert, ist genau dieses festgelegte Schema im Dreiecksverhältnis der musikalischen Bausteine von KXM, das eben an eine expressive Decke gestoßen ist. Es ist schlicht zu viel Musik. Über eine Stunde. Die Tricks wiederholen sich, und das Album kann den Hörer zu ermüden beginnen. Auf gute 40 Minuten gekürzt, mit etwas mehr Feile und arrangementästhetischer Sorgfalt, hätte es ihm definitiv gutgetan.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
01. War of Words
02. Mind Swamp
03. Circle Of Dolls
04. Lightning
05. Time Flies
06. Twice
07. Big As The Sun
08. Vessel of Destruction
09. A Day Without Me
10. Wide Awake
11. Shadow Lover
12. Cold Sweats
13. The Border

Besetzung:
dUg Pinnick – Gesang, Bassgitarre
George Lynch – Gitarre
Ray Luzier – Schlagzeug


KXM – War Of Worlds (offizielles Video)
KXM – Lightning (offizielles Video)
KXM – Circle Of Dolls
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