Lumberjack : Brez nadzora, brez morale
Label: Nika Records
Erscheinungsdatum: 14.10.2018
Produktion: Drago Popovič
Albumlänge: 31.05
Bewertung: 6.5 / 10
Album kaufen
Lumberjack sind eine weitere junge Band, die es in kaum zwei Jahren geschafft hat, die slowenischen Bühnen ordentlich aufzumischen und auf sich aufmerksam zu machen. Fleißige und sehr engagierte Jungs. Hut ab. Die Band aus einer Gegend, in der kaum Regenwasser an der Oberfläche bleibt – ich spreche von Dobrepolje –, genauer gesagt ein Quintett aus fünf furchtlosen und ambitionierten jungen Hengsten, hat sich darauf geeinigt, einer musikalischen Richtung zu folgen, die in Slowenien über die Jahre zur typischen Rock-Realität geworden ist.
Man kann sagen, dass Lumberjack purer Rock’n’Roll sind, der den Schleier punkiger Schlichtheit trägt, einen bescheidenen Hauch von Anleihen beim Hard Rock (Kdo, Lažem) und natürlich eine mehr als spürbare Dosis Pop-Musikalität. Um noch weiter zu gehen: Die Jungs schreiben Songs auf eine sehr triviale, sprich schlichte und vorhersehbare Art. Anders geht es nicht, das ist Tatsache. Zwei Strophen, zwei Refrains, eine »Mid-Eight«-Passage und die Wiederholung des Refrains. Auch die grundlegenden Rhythmusmuster innerhalb der Songs liegen ziemlich nah beieinander, ohne nennenswerte Abweichungen. Lumberjack fahren also in einem einzigen Gang, der sich „direktes rockiges Preschen“ nennt.
Das kleinere Problem, das dabei auftaucht, ist die Erkenntnis, dass Lumberjack zu oft an Big Foot Mama erinnern (in deren Old-School-Ära) – vielleicht gerade wegen der Vokalfärbung und der gewählten Melodielinien, vor allem in den Refrains. Also nichts, was man noch nicht gehört hätte. Dass die Band am Anfang ihrer Karriere steht, zeigen auch die Gitarrensoli, die manchmal sehr naiv wirken und sich stark ähneln. Die heilige Schlichtheit im Rock’n’Roll ist zwar ein Axiom, das eine enorm starke Trumpfkarte im Stil deiner Musik sein kann – aber du darfst kein Gefühl von Generik wecken, und auch keine »Absicherungsmentalität«. Abwechslung und Dynamiksteigerungen, wie sie etwa die »Mid-Eight«-Passage in Čist vse bringt, sind Züge, die auf dem Album fehlen.
»Brez nadzora, brez morale« ist nämlich ein ziemlich auf Sicherheit getrimmtes Album, obwohl man nach dem Albumtitel etwas anderes erwarten könnte. Zumindest mehr Wagemut, aber auch mehr Biss in der Produktion und mehr Eier. Aber es ist etwas da. Die Band steckt noch am Anfang und ist jung. Was wir auf dem Studioerstling finden, ist keineswegs schlecht. Es hat Potenzial und ist das echte Werk, das authentische Ergebnis der großen Ambitionen der glühenden Rock’n’Roll-Herzen des Quintetts. Das muss man respektieren. Durch das Reifen und die gesammelten Kilometer wird auch die künstlerische Weiterentwicklung kommen und natürlich mehr greifbare ausdrucksvolle Substanz, die das gelegentliche Gefühl von Trockenheit und bis zu einem gewissen Grad sogar »Archaik« des Studioerstlings ersetzen wird. Der Abschlusssong des Albums liefert tatsächlich einen Moment des Experimentierens. Er heißt Štanz und gilt eigentlich als Bonus-Track des Albums. Deshalb sollte man nachsichtig damit sein – und dennoch. Billiges Arrangement, Keyboard-Sound und »tuc-tuc«-Rhythmus – weitere dreieinhalb Minuten dem Zuhörer gestohlen? Die Generationsgenossen der Band werden auf diese Nummern »hereinfallen«, aber auch so manch junger Teenager-Hörer. Tatsächlich diesmal ohne Kontrolle und Moral. Eigentlich hat die Band das getan, was sie wollte, und hat sich dabei nicht zurückgehalten. Ehrlich genug – aber zu welchem Preis?
Etwas mehr Abwechslung, vor allem bei den Riffs und Rhythmusmustern, wird bei maßvollem Ehrgeiz und mehr Geduld beim Feinschliff der Kompositionen künftig mehr als willkommen sein. Lumberjack pflegen einen Stil, der keine Keyboards braucht. Ein Abstand ist nötig. Eine Veränderung. Damit künftig das Gefühl verschwindet, dass sie manchmal wie ein Klon von Big Foot Mama wirken. Wirklich eine undankbare Beobachtung – und dennoch. Zumindest weißt du, dass das eine 100% reinblütige slowenische Punk-Rock’n’Roll-Platte ist. Doch das reicht nicht. Ein bisschen Schärfe in diesem Text ist nicht mit der Absicht geschrieben, der Band den Willen und den Schwung zu nehmen. Ganz im Gegenteil. Es soll sie anfeuern, ihren Träumen weiter nachzujagen. Die Evolution soll der Band also ein schrittweises künstlerisches Aufblühen bescheren.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Tist dan
2. Kdo
3. Sanje
4. Pleše
5. Soj
6. Lažem
7. Čas
8. Kralj
9. Čist vse
10. Štanz
Besetzung:
Rok Ahačevčič – Gesang, Gitarre
Robi Glač – Gitarre
David Podgornik – Keyboards, Perkussion
Jaka Novak – Bassgitarre
Blaž Kuster – Schlagzeug