Aborted präsentierten ihre Vision des Terrors im Orto bar (2018)
Brutalni večer v Orto baru z Aborted, Cryptopsy, Benighted in Cytotoxin
Datum: Dienstag, 13.11.2018
Ort: Ljubljana, Orto bar
Bands: Cytotoxin, Benighted, Cryptopsy, Aborted
Für Death-Metal-Fans war es dieses Jahr wirklich nicht langweilig. Kaum eine Woche nach dem Besuch der kanadischen Beyond Creation war es Zeit für eine neue Dosis Death Metal. Diesmal stand der brutalere Death Metal im Vordergrund – Aborted waren zurück. Auf dieser Tour wurden Aborted von den kanadischen Veteranen Cryptopsy, den französischen Extremisten Benighted sowie den deutschen Brutalo-Jungs Cytotoxin begleitet. Ein ausverkaufter Orto bar versprach ein weiteres unvergessliches Konzert.
Als erste betraten die deutschen Cytotoxin die Bühne – eine deutsche Brutal-Death-Metal-Band, bei der vor allem der muskulöse Sänger auffiel. Die Band lieferte eine prall gefüllte Dosis schnellem Death Metal. Cytotoxin boten alles, was man von einer heutigen Brutalband erwarten kann: starkes Growling, schnelle Gitarren und Schlagzeug. Auch an Technik mangelte es nicht – der Gitarrist ließ sich die eine oder andere flinke Solopassage nicht entgehen. Die meiste Aufmerksamkeit bekam der Sänger, der das Publikum ständig zum Ausrasten animierte. Bei seinen Ansagen stach sein deutscher Akzent hervor, der klang, als würde er Schwarzenegger in den Simpsons imitieren. Kurzum: mehr als ordentliches Aufwärmen mit einer energiegeladenen Band.
Es folgte eine Band, die sich in Slowenien bereits sowohl im Club als auch auf einem Festival präsentiert hatte. Die französischen Benighted waren zurück und lieferten ähnlich wie ihre Vorgänger schnellen und brutalen Grind/Death Metal. Die Band präsentierte die aktuelle EP »Dogs Always Bite Harder Than Their Master« sowie Songs von neueren Alben. Die Musik wirkte im Vergleich zum Vorakt schlichter, im Vordergrund stand der pure Grind-Metal-Schuss. Aber was Benighted wirklich können: sie klingen unglaublich chaotisch. Dazu tragen maßgeblich der schnelle Schlagzeuger Kevin Paradis und der rasende Sänger Julien Truchan bei. Benighted haben in einer halben Stunde bewiesen, dass sie auf ihrem Gebiet unaufhaltbar sind – kein Wunder, dass sie auch unter Extrembands heute ziemlich bekannt sind.
Cryptopsy, die kanadischen Veteranen des brutalen Death Metal, setzten dem Chaos noch eine weitere Nuance drauf. Die Band ist seit jeher dafür bekannt, die Dinge sehr technisch anzugehen. Obwohl sie keine blutjunge Truppe mehr sind, muss man anerkennen, dass sie ihr Set nach wie vor kompromisslos durchziehen. Die gespielten Songs, die sich auf die aktuellen EPs Tome I und II konzentrierten, zeigen die Band in ziemlich guter Form. Für die Altfans gab es sogar den einen oder anderen Song vom Kultalbum None So Vile. Im Mittelpunkt vieler Augen stand Schlagzeuger Flo Mounier, der immer noch verdammt schnell spielen kann, dabei aber manchmal ungenau wirkt. An Fantasie mangelt es ihm jedenfalls nicht. Sein Spiel mag übertrieben wirken, aber die Jazz-Fusion-Einlagen sind seit jeher sein Markenzeichen.
Cryptopsy können aber ohne erfahrene Musiker nicht richtig funktionieren. Für die chaotischen und brutalen Riffs sorgte Chris Donaldson, der als anerkannter Produzent zahlreichen kanadischen Death-Metal-Bands geholfen hat. Der erfahrene Bassist Olivier Pinard ergänzte das Chaos mit seinen Lines auf gelungene Weise. Sänger Matt McGachy wirkte zwar eher statisch, erledigte seinen Job aber souverän. Kurzum: Cryptopsy sind auch 2018 noch längst nicht abzuschreiben.
Als letzte betraten Aborted die Bühne. In den letzten zehn Jahren haben Aborted Slowenien viele Male besucht. Sie spielten auf der großen Bühne des Metalcamp, waren Vorband von Behemoth, traten auf der Metelkova auf und auch im oberen Saal des Orto bar. Jetzt war endlich die Zeit gekommen, auch im größeren Saal des Orto bar aufzutreten. Für die Band läuft es gerade gut. Die Besetzung ist relativ stabil, die Alben werden gut aufgenommen. Von Aborted kann man also nur das Beste erwarten.
Im Mittelpunkt stand das diesjährige Album Terrorvision, das die Band ausgiebig vorstellte. Die Spielfreude der Band war auf ihrem Höhepunkt, der Gesang von Sven de Caluwe klingt nach wie vor stark. Das Schlagzeug ist schnell und präzise, übertreibt aber nicht so wie bei Cryptopsy. Auf den ersten Blick wirkt bei Aborted alles so, wie es sein soll. Doch bald hakt es doch. Die neuen Nummern sind eintönig, und nach drei Songs werden Aborted vorhersehbar. Noch mehr hakt es bei manchen älteren Songs. Hecatomb vom Album Archaic Abattoir wurde zu schnell gespielt, was dem Original die Seele raubte.
Etwas besser wurde es mit The Saw and the Carnage Done, das nach all der Brutalisierung auch am stärksten herausstach – einer Brutalisierung, die praktisch nichts bot, was die Songs leichter im Gedächtnis verankern würde. Aborted gelang es aber, ihren Auftritt mit Hilfe von Gastsängern etwas aufzulockern. Die Sänger von Benighted und Cytotoxin überzeugten erneut und knurrten ihre Parts noch tiefer als Svencho selbst.
Als große Überraschung entpuppte sich der Abschlusstrack The Holocaust Incarnate vom Album Engineering the Dead (2001). Mit diesem Song war auch ein Hauch von vergessenem Groove zu spüren, der sich gut mit dem brutalen Rest verband. Aborted setzten in einer Stunde vor allem auf neueres Material, von einem »Best-of«-Repertoire kann also keine Rede sein – obwohl Aborted einen sehr reichhaltigen Katalog haben.
Aborted sorgten gemeinsam mit Cryptopsy, Benighted und Cytotoxin für einen Abend extremer und brutaler Musik und bewiesen, wie lebendig der Death Metal heute ist. Es war ein weiteres Konzert, das von den Death-Metal-Fans wieder begeistert aufgenommen wurde.
Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik





























