Atomic Generation
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: FM
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: year
Laufzeit: 52:58
Wertung: 4.5/5
Eine Vorstellung der kultigen AOR-Band FM von den Britischen Inseln, die sich seinerzeit sogar kreativ mit Mitgliedern von Iron Maiden zusammentat, ist völlig überflüssig. Die legendären AOR-Granden haben vor allem in der reifen Ära ihres Schaffens unglaublichen kreativen Schwung in ihre Segel aufgenommen – und dieser frische Wind treibt sie unaufhaltsam voran! Mit einer Intensität, die die Bandmitglieder in ihrer Karriere wohl nie zuvor gespürt haben, auch wenn sie die Jahre des kommerziellen Erfolgs längst weit, weit hinter sich gelassen haben.
2015 erschien das hervorragende »Heroes And Villains«, ein Jahr später das »Remake« des Studio-Erstlings »Indiscreet« (zum 30. Jubiläum unter dem Titel »Indiscreet 30« neu herausgegeben), das als eines der besten »Remakes« gilt, das meine Ohren je gehört haben – denn im Nu kann man es mit dem Original verwechseln. Gleichzeitig ist der Bandchef, der unglaublich charismatische Sänger Steve Overland, ständig beschäftigt – sei es mit seiner Solokarriere oder dem Projekt Shadowman. Kurzum: Pause gibt es keine. Zum Glück lässt der kreative Funke nicht nach, und das großartige britische AOR-Quintett bietet ein neues, hervorragendes Studioalbum.
»Atomic Generation« ist dem »atomaren« Adjektiv zum Trotz klanglich etwas feiner ausgearbeitet als der Vorgänger »Heroes And Villains«. Es nähert sich stellenweise sogar ein kleines bisschen mehr der Pop-Produktionsästhetik an. Das ist eigentlich die größte Abweichung vom sonst festgelegten Sound und Stil der Band, der ansonsten Konstante und Fixpunkt bleibt. Alles auf diesem Album sitzt, wie es sitzen muss, und die Leistung enttäuscht qualitativ keineswegs im Vergleich mit älteren Studioalben; sie hält das Qualitätsniveau der Vorgänger auf außergewöhnlich hohem Stand.
Hier gibt es eine neue Riege verführerischer und beim ersten Hören ultra-melodisch einprägsamer Refrainmelodien, eine neue bravouröse Gesangsvorstellung von Steve Overland – mit jenem unverwechselbaren Soul-Flair, mit dem er beweist, dass seine Stimmkraft nicht einmal einen Hauch ihrer Durchschlagskraft und Prägekraft verloren hat, wenn man denselben Gesang mit seiner Performance aus den goldenen Achtzigern vergleicht. Tatsächlich bleibt Overlands Stimme eines der anziehendsten Merkmale der gesamten Ära und des kreativen Schaffens dieser Band. Das Ganze ist wieder äußerst geschickt mit mehrteiligen Gesangsmelodien umrahmt, von denen verwandte Bands nur lernen können. Die Verteilung über die Monitore, bei der das klar hörbare Gitarrensolo von links kommt, die echte räumliche »3D-Tiefe« der außergewöhnlich dynamischen, organischen und warm-lebendigen Produktion – das bleibt ein Element purer Perfektion dieser Band. FM haben diese Charakteristik der Umrahmung des Hauptgesangs mit mehrstimmigen Vokalharmonien auf einen ausdrucksstarken Höhepunkt getrieben, und es lohnt sich zu betonen, dass die Songs ihr atmosphärisches Crescendo in perfekt ausgearbeiteten Refrainmelodien erreichen, wo diese mehrteiligen Vokalharmonien die dramatische Theateratmosphäre vertiefen und im Überfluss ein Element von Pomp und Bombast erschaffen. Vielleicht hat sich die Band etwas von der Energie des Comeback-Albums der kanadischen AOR-Band Boulevard angesteckt und integrierte so auch selbst Bläserarrangements in Playing Tricks On Me – ein Song, der ein echtes Beispiel dafür ist, wie sich Rock maximal der Pop-Ästhetik annähert, wobei die gelegentliche Integration von Bläsern auch bei FM keine Neuheit mehr ist.
Auf dem Album sticht der letzte Song heraus: Stronger, randvoll und reich mit Hammond-Orgel ausgestattet, was die Band hier in die Nähe von Pionier-Elementen à la Deep Purple rückt. Das ist für FM eigentlich schon fast ein richtiges Experiment, das am Ende des Albums aber vollblütig wirkt. Ganz ans Ende wurde jedoch eine akustische Version von Love is the Law angehängt, was tatsächlich ein überflüssiges Manöver und reine Zeitverschwendung ist. Sie würde besser auf ein Album mit akustischen Bearbeitungen passen. Zum Glück sitzt sie am Ende des Albums, was dem außergewöhnlich dynamischen Fluss des Werkes und dem hohen Energie-»Boost« keinen Abbruch tut.
Kurzum: Fans dieser Band werden keine Zeit verlieren! Heute gilt als offizieller Erscheinungstag des Albums, also werden sie es schnell in die Hände bekommen, falls sie es nicht schon vorbestellt haben (bei der Band bestellte Exemplare sind signiert). Vom eröffnenden tief-dröhnenden »Beat« des mitreißenden Black Magic bis hin zum abschließenden Stronger ist das Album »Atomic Generation« ein neues Beispiel der großen musikalischen Doktrin dieser brillanten AOR-Band – ein verlorenes neues AOR-Juwel in Raum und Zeit, das nur von der Band selbst repliziert werden kann. Das aussterbende AOR-Genre, mit dem heute nur noch Musiker der Generation, die es in den Achtzigern auf die Beine gestellt haben, so geschickt und prägend umgehen (in dieser Hinsicht klingt besonders der Song Golden Days nostalgisch). Und FM gehören definitiv in diese Kategorie. Besser geht’s also nicht – und wir werden das Konzert auf keinen Fall verpassen, wenn FM Ende April dieses Jahres bei Mailand gastieren! Das ist das Mindeste, was man beim Hören von »Atomic Generation« beschließen kann. Kurzum: ein neues Kronjuwel im reichen Diskografie-Opus der Band!
Besetzung
Steve Overland – Gesang, Gitarre, Hintergrundgesang
Merv Goldsworthy – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Pete Jupp – Schlagzeug, Hintergrundgesang
Jem Davis – Keyboards, Hintergrundgesang
Jim Kirkpatrick – Gitarre, Hintergrundgesang
Produktion
FM & Scott Ralph
Trackliste
Video, und zwar für den Song Playing Tricks On Me.
Das Video zum Song Playing Tricks On Me kannst du dir unten in voller Länge ansehen!
Das Album „Atomic Generation“ wird erneut vom italienischen Label mit Sitz in Neapel Frontiers Music Srl veröffentlicht.
„Atomic Generation“ ist insgesamt das 11. Studioalbum der Band; es enthält elf neue Songs, die im Studio Coal House in Staffordshire sowie im Londoner Studio West3 Productions aufgenommen wurden. Die Band arbeitete bei der Aufnahme mit Toningenieur Scott Ralph zusammen, während Jeff Knowler für den abschließenden Mix des Albums sorgte.
Über das Album sagte Bandsänger Steve Overland Folgendes: „Ich denke, das ist das reifste und ausgefeilteste FM-Album, das wir bis heute aufgenommen haben!“
Die Trackliste des Albums „Atomic Generation“ lautet wie folgt:
1. Black Magic
2. Too Much Of A Good Thing
3. Killed By Love
4. In It For The Money
5. Golden Days
6. Playing Tricks On Me
7. Make The Best Of What You Got
8. Follow Your Heart
9. Do You Love Me Enough
10. Stronger
11. Love Is The Law