The Morbid Tango

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Cosmosquad
Label: Marmaduke Records
Veröffentlichung: year
Laufzeit: 55:52
Wertung: 5/5

Dieses Werk ist bald ein Jahr alt, aber seine Qualität ist so außerordentlich, dass man es unbedingt auch den Musikliebhabern unserer Heimat vorstellen muss. Die Rede ist von Cosmosquad, die nach zehn Jahren mit dem neuen Studioalbum »The Morbid Tango« zurückkehren.

Ihr Anführer ist Gitarrist Jeff Kollman, ein Mann, der einige Soloalben im Gepäck hat und als außerordentlich geschätzter und gefragter Musiker gilt. Im Laufe seiner Karriere hat er für einige namhafte Auftraggeber gearbeitet, darunter Glen Hughes, Chad Smith und John Payne; im vergangenen Jahr wurde er außerdem zu einem der Schlüsselspieler des Liveprojekts Alan Parsons Live Project, das vom legendären Alan Parsons geleitet wird. Cosmosquad sind ein Trio — Kollman wird flankiert vom kanadischen Schlagzeuger Shane Gaalaas (B’z, Diesel Machine, MSG) und Bassist Kevin Chown (Tarja, Chad Smith’s Bombastic Meatbats, Der Elefant, Tony MacAlpine). 

Cosmosquad bleiben auch mit »The Morbid Tango« eine außergewöhnliche musikalische Attraktion, freiheitsliebend in die grenzenlosen Weiten verliebt, die der künstlerische Ausdruck im Progressive Rock und in der Jazzrock-Fusion bietet. Den besten Beweis dafür liefert auf dem neuen Album Still Life. Hier greift das Trio besonders fein in die oberste Schublade instrumentaler Jazzrock-Fusion und bestätigt damit, dass Kollmans funkelndes, einfallsreiches Spiel auf dem Niveau von Assen wie Steve Lukather, Andy Timmons und/oder Greg Howe liegt — und dass Kollman ohne Weiteres auch Teil der Besetzung von Protocol sein könnte, geleitet vom legendären Schlagzeug-Virtuosen Simon Phillips. Klar ist dabei auch, dass Kollman ein großer Fan von Scott Henderson sein dürfte.

Nun, Cosmosquad sind weder Jazzrock-Puristen noch Shredder à la Devil’s Slingshhot, geschweige denn irgendwelche (oje, schon wieder dieses Kunstwort) avant-art-prog-pop-rock-entgleisten Gizmodrome-Rezepturen,  sondern ihr Ausdrucksvokabular auf »The Morbid Tango« schlägt einen Weg in die Minestrone einer versöhnlichen Mehr-Genre-Nutzung ein. Auch wenn die Durchdringung der Songs mit Jazz-Elementen allgegenwärtig ist, ist das kernige Riffing, das sich auch mit metallischer Kompaktheit beschäftigt, stets mit komplexen Rhythmik-Schlüsseln unterfüttert — der Fingerabdruck der künstlerischen Eigenheit dieses Trios ebenso wie ihrer Hingabe an Progressive Rock und Progressive Metal. Mal dominieren die Jazz-Elemente, mal treten sie etwas in den Hintergrund. Funky wird’s in Cyclops, und die Band macht in diesem Stück klar, dass sie beim Gitarren-Phrasieren gerne auch ordentlich auf die Pauke haut.

Die Strukturen sind komplex. Das rhythmische Fundament stets forschend, und bei Kollmans Spiel mangelt dem Kerl nie an expressivem Dynamit — er feuert wie aus der Pistole geschossen einen teuflisch vergnüglichen Schuss einfallsreicher Ideen ab, durch die sich die Songs entfalten. Bei alledem bewahren Cosmosquad eine durchgehende kompositorische Kompaktheit. Wenn sie sich solistischen Eskapaden hingeben, streifen sie zwar die Extreme der Auflockerung des Leitthemas, auf dem die Improvisation fußt, kehren dann aber stets mit außerordentlichem Geschick und Raffinesse dynamisch und fließend in den Schoß musikalischer Kompaktheit zurück. In Always Remember The Love funkelt eine unglaubliche Sanftheit, die durch die filigrane Feinmechanik von Kollmans Fingern weht. Kollman ist ein Meister der Betonung und des kontrastierenden Farbens von Tönen. Genau in diesem Stück tritt sein Markenzeichen besonders hervor: Er versteht es meisterhaft, jedem einzelnen Ton einen eigenen Charakter einzuhauchen und damit beim Hörer Emotionen selbst im verborgensten Winkel seiner Seele zu wecken. The Crosses trägt ein düsteres Element und ist beispielsweise die kompakteste Komposition des Albums — leichter zugänglich und durchaus geeignet, auf einem der Alben von Joe Satriani aus der Ära der Zusammenarbeit mit Mike Keneally integriert zu werden. Morbid Tango ist, wie der Titel schon sagt, der Tango-Rhythmik und der Weltmusik (spanischer Flamenco) verschrieben — gleichzeitig aber einer der integralen Momente des Albums, weshalb Kollman es auch als Titelstück und als Opener des Albums gewählt hat. Ein absoluter Genre-Fusion-Sonderling, der in seiner Entwicklung grenzenlos begeistert.

Dem Gefühl einer spontanen Entwicklung kannst du auf diesem Album nicht entkommen — genauso wenig wie dem Element der Überraschung. Rechne also mit dem Unerwarteten. Kollman und seine Mannen verstehen es, in der Musik auch Mystik heraufzubeschwören, was die außergewöhnliche atmosphärische Versuchung im abschließenden Progrock-Abenteuer Beyond Deaths Door und Beyond Death’s Door Reprise eindrucksvoll belegt — für amerikanische Künstler eher Ausnahme als Regel. Das Element der Psychedelik ist dabei betont, das Stück wirkt hypnotisch, also »zerebral«, und bietet dem Hörer die Option des »Ratio-Abschaltens« — die Schwingung des Songs kann dich buchstäblich »vom Boden abheben«.

Dieses Album muss in der Sammlung jedes echten Musikgourmets stehen, der sich stets nur das Beste gönnt, was das weite Universum des Rock zu bieten hat. Cosmosquad haben nach zehn Jahren ein Spitzenalbum mit einzigartigem und klar wiedererkennbarem musikalischem Charakter abgeliefert — eines der besten Alben des Jahres 2017 im Bereich der Jazzrock-Fusion, nach dem auch anspruchsvollere Liebhaber von Progressive Rock und Progressive Metal sofort greifen werden.

Besetzung

Jeff Kollman – Gitarre, Keyboards
Kevin Chown – Bass
Shane Gaalaas – Schlagzeug

Produktion

Cosmosquad

Tracklist

1. Morbid Tango (6:23)
2. Cyclops (5:40)
3. The Ballad of Rick James (6:21)
4. Anatomy of a Beatdown (1:52)
5. Recollection Epilogue (3:49)
6. Always Remember the Love (5:12)
7. The Crosses (5:55)
8. Still Life (6:51)
9. Sangfroid (5:12)
10. Beyond Death’s Door (4:48)
11. Beyond Death’s Door (Reprise) (3:46)

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