Ekonomsko propagandni pop

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: EPP (alias Erik Platon)
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: year
Laufzeit: 36:48
Bewertung: 5/5

In Memoriam: Primož Žižek (1972 – 2017)

Primož Žižek, aus Novo Mesto, veröffentlichte im September dieses Jahres seine erste eigenständige Studioplatte mit dem Namen »EPP«, was für« Ekonomsko propagandni pop« steht — gleichzeitig stehen die ersten beiden Buchstaben, also »E und P« (Primož Žižeks Alias), für »Erik Platon«, während das zusätzliche zweite »P« in »EPP«  auch als »Problemi« gelesen werden kann  — so nämlich heißt seine Begleitband.

Primož Žižek und Tokac sind langjährige Freunde, und diese Verbindung zu Primož hat einen Teil der Karriere von Dan D mitgeprägt — besonders in den Anfängen der Band, als sie sich noch Mercedes Band nannten, aber auch danach. Primož war als Autor oder Co-Autor an der Entstehung einiger Dan D-Songs beteiligt, darunter: Rekli so, Moj problem, Google me, Daj mi daj — Nummern, die zum eisernen Konzertrepertoire der Band gehören. Und das ist kaum zu fassen: Hört man seiner vokalen Interpretation zu, ebenso wie der Klangfärbung seiner Intonation, sind die Vokalfarben von Primož und Tokac verblüffend ähnlich — charakterlich  so »verwandt«, dass man als Hörer leicht glauben könnte, die Leadstimme führe Tokac selbst (zum Beispiel beim Track Odveč). Tatsächlich ist Tokac auf diesem Album dabei — als Texter, Co-Autor einiger Songs sowie als einer der Gitarristen und Background-Sänger. Die Aura des Albums als Ganzes zieht gelegentlich zur Essenz von Dan D hin, was (in Verbindung mit der aktuellen Zusammenarbeit mit Tokac) ein direkter Indikator für Žižeks allgemeine kompositorische Natur ist, mit der er — wie bereits erwähnt — einige musikalische Momente bei Dan D als Autor geprägt hat.

Was  also über das Album als Ganzes sagen? Es ist ein erstklassiges Rock-Produkt, das auf subtile Weise von Pop-Ästhetik durchdrungen ist — seine enorme musikalische Eingängigkeit katapultiert es mühelos direkt ins Programm prominenter Radiosender, die sich um einen gesunden Mainstream der slowenischen Musik kümmern sollten. »Dolenjsko« geht kaum mehr als das. Das Album weckt deutliche Parallelen zu Werken von Künstlern aus dieser Ecke Sloweniens: dem bereits erwähnten Dan D, Bort Ross, „Mistermarsh“ Martin Štibernik, sogar Drevored und dem ein oder anderen mehr. Was alle Genannten in ihren eigenen Werken auszeichnet, ist ein ausgeprägtes Gefühl großer »Art«-Verfeinerung.

Das Album hat eine außergewöhnlich warme und dichte Produktion, mit makellos ausbalancierten Kontrasten beim Zusammenfügen von »Klangpastellen«, die eine außergewöhnliche musikalische Landschaft malen, in der sich auch Emotionen und Leidenschaften aus Primož Žižeks Gesang optimal entfalten (einer der Höhepunkte in dieser Hinsicht ist der Track Tako blizu tako daleč). Das Album wird von einem dynamischen, aktiven, kühnen und musikalisch äußerst beweglichen Bass-Fundament angetrieben, dem eine solide rhythmische Verankerung Gesellschaft leistet, dazu ein ganzer Haufen feiner, kurzer, zielgenauer und konzise durchdachter Arrangier-Kniffe beim Hinzufügen von gitarristischem Phrasierungs-Schmuck sowie dem Rest der instrumentalen Begleitung (vor allem jene »Umarmung« vielfältiger Klangnuancen im Keyboard-Einsatz). In das alles ist der außerordentlich eindringliche, charismatische und emotional tiefgreifend ausdrucksstarke Gesang von Primož Žižek eingebettet, oft unterstützt durch ein weibliches Duett mit Ehefrau Urška sowie zusätzlichem Background-Gesang. Im Label Art Pop Rock steckt klar auch die Konnotation des Alternativen sowie anderer Genre-Gewürze — von tanzbarer Funk-Verspieltheit (Super man) bis hin zu Surf-Anklängen (Več še več) — während die außergewöhnliche musikalische Note dieses Produkts bisweilen auch mit einer Inspiration durch Werk und Wirken der The Beatles assoziiert werden kann. Anwärter auf häufige Radiorotation gibt’s auf diesem Album im Überfluss — einen persönlichen Favoriten zu finden, ist alles andere als leicht.

Die Zusammenstellung der Tracks ist gleichwertig stark und schwankt in dieser Qualität nicht über die Spielzeit des Produkts — weder im Hinblick auf Arrangement und Komposition noch auf Produktion oder Gesamtinterpretation. Qualitative Schwankungen oder Einbrüche kennt das Album nicht. Alles ist mit großer Sorgfalt und engagierter Hingabe ausgearbeitet, wie sie Perfektionismus vorschreibt. Wirklich ein Album, dem du nichts wegnehmen und nichts hinzufügen kannst. Und es übersetzt höchst wirkungsvoll jene typischen Emotionen und Leidenschaften der slowenischen Musikseele im Inneren der Magie des Rock’n’Roll. Schwermut, Welken, Schmerz — aber auch jene aufbrodelnde und unverwüstliche Trotz-Haltung, dass am Ende des Tunnels immer das Licht scheint. Von Kopf bis Fuß ein durch und durch seelenhaft-slowenisches Art-Pop-Rock-Album, musikalisch getragen von einer eingespielten Truppe erstklassiger slowenischer Musiker.

Das Album »EPP« gilt als eines der schönsten und ausdrucksstärksten slowenischen Rock-Alben, die in diesem Jahr in Slowenien erschienen sind. Mit echtem »dolenjskim« Charme und Charisma stellt es sich — beschränkt man den Blick auf die dolenjska Rock-Region — qualitativ auf Augenhöhe mit den wunderschönen und hochkarätigen neuen Studioveröffentlichungen dieses Jahres, etwa von der Band Drevored und Jernej Zoran.

Das Album wird den Test der Zeit bestehen, denn die Songs tragen bereits jetzt die Essenz zeitloser Evergreens in sich. Sie gehen schnell ins Ohr und bringen dabei eine eigengewachsene Art-Charisma mit, die niemand sonst so replizieren kann wie Primož selbst. Ein Song wie Midva ist nach Wahl und Geschmack des Autors dieser Rezension der erste Garant für einen slowenischen  Radio-Hit-Evergreen (nebenbei: der Song Valentina wurde Mitte Juli 2017 zum Song der Woche auf Val 202)! Angesichts der Tatsache, dass Primož nicht mehr unter uns weilt, ist das ein schwerer Schlag und eine große Lücke für den slowenischen Rock — eine Lücke, die dankbar das Album »EPP« füllt: ein grandioses Kunstwerk und Primožs Vermächtnis an den slowenischen Rock, eine Art Denkmal, das unbeabsichtigt zu Primožs letztem Rock’n’Roll-Requiem wurde. 

Besetzung

Primož Žižek – Gesang

MITWIRKENDE MUSIKER:
Urška Žižek – Gesang
Tomislav Jovanović „Tokac“ – Gitarre, elektrisches Klavier, Hintergrundgesang
The Bazookas – Hintergrundgesang
Matej Mršnik – Gitarre
Matej Sušnik – Gitarre
Žarko Pak – Gitarre
Martin Štibernik – Gitarre, Keyboards, elektrisches Klavier
Davor Klarič – Keyboards
Dejan Slak „Slejk“ – Bassgitarre
Jošt Drašler – Bassgitarre
Andrej Rebernik – Bläser

Produktion

Žarko Pak

Trackliste

1. Eric Platon
2. Kamasutra
3. Odveč
4. Več, še več
5. Midva
6. Spoznanje
7. Super Man
8. Tako blizu, tako daleč
9. Valentina
10. Enako drugačna

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