Erscheinungsdatum: 24.09.1971
Label: Fly Records
Produktion: Tony Visconti
Länge: 39:02
Genre: Glam Rock
Wertung: 9.5/10
Das sechste T. Rex-Werk, »Electric Warrior«, war das erste Album, das die Geburt eines neuen Musikgenres einläutete: ein elektrisch aufgeladener Rock ’n‘ Roll mit einer ordentlichen Portion Bühnenshow, extravaganten Kostümen und wilden Frisuren, den die Journalisten jener Zeit bald als Glam Rock bezeichneten. An der Spitze dieser Bewegung stand – zumindest in ihrer Frühphase, bevor David Bowie als Ziggy Stardust auf den Plan trat – Sänger und Gitarrist Marc Bolan, der damals eine unglaubliche persönliche und musikalische Transformation durchmachte. Bolan, dem es bis dahin gelungen war, einen völlig eigenständigen Gitarrensound zu entwickeln, schaffte es endlich, eine echte Rockband zu formen. Mickey Finn war weiterhin für die Perkussion zuständig, während mit Bassist Steve Currie und Schlagzeuger Bill Legend zwei neue Mitglieder dazustießen. Ausnahmeproducer Tony Visconti brachte eine Reihe interessanter musikalischer Gäste mit ins Boot, darunter die Rückkehrer Flo & Eddie, das amerikanische Duo, das die Backing-Vocal-Harmonien übernahm.
»Electric Warrior« strotzte nur so vor zeitlosen T. Rex- und Glam-Rock-Klassikern, angefangen beim Opener »Mambo Sun«. Auf »Cosmic Dancer« ist deutlich zu hören, wo David Bowie seine Inspiration her hatte, bevor er seine eigene Glam-Rock-Transformation erlebte. Erotische Verspieltheit kehrt mit »Jeepster« zurück, einem weiteren der großen T. Rex-Klassiker. Das etwas weniger bekannte »The Monolith« enthielt ätherische Vokalharmonien sowie ein kurzes, aber süßes Gitarrensolo. »Lean Woman Blues« war einer der seltenen Bluesrock-Momente in Bolans Karriere.
»Get It On«, einer der berühmtesten Evergreens der T. Rex-Geschichte, mit den prominenten Progressive-Rock-Gästen Rick Wakeman (Yes, ex-The Strawbs) an den Keyboards und Ian McDonald (ex-King Crimson, später Foreigner) am Saxofon, war ein riesiger Hit und die einzige T. Rex-Single, die in Amerika unter dem Titel »Bang a Gong (Get It On)« die Chartspitze erklomm. Das kam kaum überraschend, denn es handelte sich wohl um den am besten arrangierten T. Rex-Klassiker überhaupt, der neben »Children of Revolution« und »20th Century Boy« zu den drei bekanntesten Songs von Bolans Karriere zählt. Das verspielte Gitarrenriff wurde von einem zeitlosen, mehrstimmigen Refrain, subtilen sinfonischen Arrangements und erotischen Saxofonpassagen begleitet.
Den Reigen der T. Rex-Evergreens beschließt »Planet Queen«, wo Bolan mit verführerischen Vokalharmonien, einem packenden Refrain-Höhepunkt und schlichten Gitarrenpassagen erneut eine außergewöhnliche Atmosphäre schuf. »Girl« basierte auf einem einfachen akustisch-sinfonischen Arrangement, erschuf aber trotz seiner scheinbaren Schlichtheit einmal mehr eine unglaublich nostalgische Stimmung. »The Motivator«, ein weiterer sexuell verspielter Moment, enthält Boogie-Rhythmen, die auch viele spätere Werke Bolans prägten. Mit dem melancholischen »Life’s a Gas«, das auf den Schwingen eines bissigen Riffs von einer weiteren gescheiterten Liebe erzählt, zeigt Bolan seine etwas ernsteren Seiten. Auf »Rip Off« überrascht ein unvermittelter Hardrock-Ausbruch, der unverhofft durch McDonalds Saxofonsolo wieder eingefangen wird.
Mit dem Meisterwerk »Electric Warrior«, dem ersten Glam-Rock-Album der Musikgeschichte, das eine wahre Revolution auslöste, ist Marc Bolan und seinen T. Rex der große Durchbruch endlich gelungen. In Großbritannien waren sie für etwa drei Jahre – ungefähr so lange, wie die Glam-Rock-Manie anhielt – fast so populär wie die Beatles, während sie mit »Get It On« auch Amerika für sich gewinnen konnten. Mit dem nächsten Werk, »The Slider«, erreichte Bolan seinen kreativen Höhepunkt und schuf in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung von »Electric Warrior«.
Autor der Rezension: Peter Podbrežnik
Tracks:
1. Mambo Sun
2. Cosmic Dancer
3. Jeepster
4. Monolith
5. Lean Woman Blues
6. Get It On
7. Planet Queen
8. Girl
9. The Motivator
10. Life’s a Gas
11. Rip Off
T. Rex:
Marc Bolan – Gesang, Gitarre
Mickey Finn – Bongos, Perkussion, Backing Vocals
Steve Currie – Bassgitarre
Bill Legend – Schlagzeug, Tamburin
Gastmusiker:
Howard Kaylan – Backing Vocals
Mark Volman – Backing Vocals
Rick Wakeman – Keyboards auf „Get It On“
Ian McDonald – Saxofon
Burt Collins – Horn