Lovebites – Outstanding Power

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Veröffentlicht: 18. 2. 2026 bei Victor
Produktion: Steve Jacobs
Länge: 64.10 Min.
Genre: Power (Speed, Thrash, Prog) Metal


„Die Sterne haben sich ausgerichtet“

Outstanding Power ist das fünfte Studioalbum der Mädels aus dem Land der aufgehenden Sonne. Lovebites stehen schon seit einer Ewigkeit auf meiner Live-Wunschliste, denn ihre Energie schreit einem förmlich aus den Lautsprechern entgegen, selbst beim Hören der Studioaufnahmen. Gleichzeitig muss man sagen: Lovebites-Alben hören erfordert top Ohrenform und eine gehörige Portion Konzentration. Zumindest war das bisher so. Die ersten vier Alben bestehen nämlich aus nicht enden wollenden Salven brutal schneller Power- und Thrash-Metal-Rhythmen, mörderischen Soli und dem mitunter etwas ermüdenden Gesang von Asami. Keine Gnade für die Schwachen, also.

Diesmal haben die Damen die Sache etwas anders angegangen. Outstanding Power ist definitiv ihr abwechslungsreichstes Album. Immer noch beeindruckend lang, aber diesmal überraschen sie den Hörer und reißen ihn aus der Überlastung seiner Ohren mit Klängen und Rhythmen, die man von dieser Band bisher nicht kannte. Hör dir nur Wheels on Fire an – mit dem Thin Lizzy-esken Intro und dem „Feel-good“-Rocker-Groove. Oder das post-grungy Blazing Halo mit Funk-Untertönen und dem beeindruckenden Bass-Intermezzo von Fami in der Mitte. Dann Out of Control mit klassischen Heavy-Metal-Riffs und einem groovigen rhythmischen Fundament. Und Forbidden Thirst nicht zu vergessen, wo sie ein Nightwish-artiges Intro meisterhaft mit einer dreistimmigen Gitarrenmelodie à la Maiden verweben. Absolute Klasse!

Natürlich qualifizieren sich Lovebites als Power-Metal-Band, daher dürfen Tracks wie The Castaway, Phoenix Rises Again und das abschließende Meisterwerk One will Remain mit der ultra-melodischen Gitarren-Bridge im Refrain nicht fehlen. Das gnadenlose Drive der Platte wird etwas zu spät durch die sanfte Ballade Eternally unterbrochen – die Mädels hätten sie für größere Wirkung etwa drei Plätze früher in der Tracklist platzieren sollen. Für ordentlich Wut in der Brust sorgen die Thrash-Banger Silence the Void (aktuell mein persönlicher Favorit auf dem Album) und Reaper’s Lullaby.

Der Sound des Albums schlägt direkt ins Gesicht, leidet aber leider etwas unter der typischen Kompression, die Metal-Alben seit mindestens zwei Jahrzehnten verseucht. Das legendäre Duo Jussila–Karmila sorgt dafür, dass jedes Instrument makellos zur Geltung kommt, sodass man jeden schweren Riff, jedes kranke Solo, den tiefen Bass und Harunas unübertroffenes Schlagzeugspiel spürt. Bei all den instrumentalen Glanzleistungen muss ich aber besonders auf das schlich­weg wahnsinnige Spiel von Drummerin Haruna hinweisen, die mit ihrem vielschichtigen Stil potentiell einschläfernde rhythmische Grundstrukturen einer Album voller Power-Thrash-Speed-Hymnen zum Leben erweckt.

Mein einziger Kritikpunkt gilt Asamis Gesang. Nicht unbedingt der Qualität oder dem Umfang an sich. Den ausgeprägten Akzent kann sie sich wohl kaum selbst zuschreiben – aber an den Gesangsmelodien selbst könnte sie arbeiten, die manchmal deutlich zu wenig Interesse wecken.

Gitarristinnen Midori und Miyako erwähne ich bewusst nicht 🙂

Die Sterne haben sich für Lovebites diesmal wirklich richtig ausgerichtet. Dieses Album muss man auf die Oldschool-Art hören – in voller Länge von vorne bis hinten, beim Wohnung putzen oder beim Wenden des Fleisches auf dem Grill. Und natürlich nicht mit Kopfhörern, sondern mit dem Verstärker eines 40 Jahre alten Soundsystems auf 11 aufgedreht. Prost!

Wertung: 9/10

Highlights: Silence the Void, Out of Control, One Will Remain

Autor: Igorac


Trackliste:
1. The Castaway (6:07)
2. Silence the Void (5:39)
3. Forbidden Thirst (5:00)
4. Blazing Halo (3:49)
5. Dream of King (6:03)
6. Phoenix Rises Again (4:44)
7. Out of Control (4:39)
8. Wheels on Fire (4:29)
9. The Eve of Change (5:00)
10. Reaper’s Lullaby (5:34)
11. Eternally (7:20)
12. One Will Remain (5:46)

Musikerinnen:
Asami – Gesang
Midori – Gitarren
Miyako – Gitarren und Keyboards
Fami – Bass
Haruna – Schlagzeug

Technisches Team:
Mao – Keyboards und Programmierung
Mikko Karmila – Mixing
Mika Jussila – Mastering

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