Grave Diggers triumphale Rückkehr nach Zagreb zum 30. Jubiläum des Albums „Tunes Of War“ (2026)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2026
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Bands: Crystallion, Power Surge, Grave Digger
Datum: Donnerstag, 23. 4. 2026
Ort: Zagreb / Boogaloo / Kroatien


Grave Digger sind am 23. 4. 2026 zum nunmehr vierten Mal in ihrer langen Karriere nach Kroatien gekommen! Im Rahmen einer kurzen Balkan-Tournee, bei der sie das gesamte „Tunes Of War“-Album spielten – schließlich feiert es in diesem Jahr stolze 30 Jahre seit seiner Veröffentlichung. Eines der beliebtesten Power-Metal-Alben überhaupt! Ein Kultklassiker des Genres! Die Band nutzte diese Konzerte zum Warmspielen, denn Anfang nächsten Jahres folgt noch eine weitere, dem besagten Album gewidmete Tournee, die jedoch deutlich umfangreicher ausfallen und sich vorwiegend auf Deutschland konzentrieren wird.

Aber der Reihe nach. Der letzte Besuch von Grave Digger in Kroatien, der sich auf den 5. 4. 2011 datieren lässt, hat uns keine allzu unvergesslichen Erinnerungen hinterlassen. Auch damals spielten sie im Boogaloo, der allerdings verdammt schlecht besucht war. Ich schätze, man hätte in dem Club damals keine 200 Leute zusammengezählt. Auch der Auftritt selbst war in dieser Hinsicht eher mäßig – sagen wir mal: professionell abgespult, aber nicht mehr. Fünfzehn Jahre später kehrte die Band erneut in die kroatische Hauptstadt zurück. Diesmal aber war alles ganz anders.

Den Abend eröffneten die Deutschen Crystallion – auch sie kann man gewissermaßen zu den Veteranen zählen, denn stolze 20 Jahre Bandgeschichte und fünf Studioalben stehen hinter ihnen. Crystallion sind derzeit auf einer Tournee namens „Crossing The Danube“ unterwegs, die sich durch das gesamte Jahr zieht. Das Schicksal wollte es, dass der Veranstalter sie in Zagreb und einen Tag später in Belgrad mit Grave Digger zusammenbrachte! Während wir in Slowenien noch auf den Premierenauftritt von Crystallion warten (angekündigt für Maribor am 23. 10. 2026), hat das wackere Quintett einen Tag vor der Ankunft in Zagreb auf kroatischem Boden sein erstes Gastspiel gegeben, als sie den Klub Kotač in Pula stürmten (ratet mal, was die Eintrittskarte dort gekostet hat? Antwort: 8,00€). Die Band agiert in neuer Besetzung. Als Quintett. Von den Originalmitgliedern sind Bassist Steve Hall und Schlagzeuger Martin Herzinger dabei, während der Rest des Quintetts von neu hinzugestoßenen Mitgliedern vervollständigt wird: Sänger Tony Sunclear sowie die Gitarristen Sven Sevens und Thomas Meyns.

In knapp drei Viertelstunden bewiesen Crystallion, dass die Energie im neu formierten Quintett die echte ist! Die Band ist hervorragend eingespielt, die Darbietung bis ins Detail durchgearbeitet, und auch der Sound war sehr gut vorbereitet. Die Jungs legten auf der Bühne alles rein und kümmerten sich wenig darum, dass der Boogaloo sich erst langsam füllte. Ihre Zeit nutzten sie mit Feuer und viel Herzblut – weshalb der Auftritt schlichtweg nicht enttäuschen konnte. Die Band hat das Repertoire ausgewogen gestaltet und die Songs auf alle fünf veröffentlichten Alben verteilt. Darunter gilt das Debüt „A Dark Enchanted Crystall Nights“ als Power-Metal-Klassiker, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Tears in the Rain und Burning Bridges, mit dem sie das Konzert abschlossen, fehlten natürlich nicht! Eine energiegeladene Show also – mit ihrer ganz eigenen Version von hochoktanigem, treibendem Power Metal, irgendwo zwischen Landsleuten wie Freedom Call und gelegentlich den Italienern Rhapsody Of Fire. Ein toller Auftakt!

Power Surge gelten als internationale Formation, die von einem Quintett erfahrener Musiker gebildet wird. Die Besetzung ist neu und hat mit „Shadow Warning“ ein Debütalbum in der Tasche, wird aber von einem Team aufgebaut, das gehörig Erfahrung auf dem Buckel hat. Zwei Serben, ein Tscheche, ein Kroate und ein Engländer. Rökindja Nikolić am Mikro ist ein absoluter Magnet und Frontmann, der das Publikum schnell für sich einnimmt. Er hat auch einen exzellenten Sinn für Humor, mit dem er zwischen den Songs unterhält. Aber natürlich zählt die Performance des Quintetts. Und die war phänomenal. Die Band spielte das Debüt-Material nahezu vollständig durch und belebte die Show in der Mitte, als der griechische Sänger Tasoz Lazaris – bekannt von Erase und Fortress Under Siege – die Bühne betrat und Duette in der Eigenkomposition A Dream Into A Nightmare sowie dem darauffolgenden Warriors-Cover Carry On beisteuerte. Tasoz, der aufgrund des leicht rötlichen Haartons Mick Hucknall von Simply Red ernsthaft Konkurrenz machen könnte, demonstrierte einige giftig in schwindelerregende Höhen aufragende Vokalmelodien, die der Show der Band dankbar Würze verliehen. Ansonsten sei festgestellt: Power Surge wecken als Revivalisten mehr Assoziationen zur Old School des amerikanischen Speed Metals und zur Ära, in der N.W.O.B.H.M. entstand. Die Band stürmte vorwärts – furios, unermüdlich und mit vehementer Durchschlagskraft. Hervorragend eingespielt. Unterstützt durch einen hervorragenden Klang im Club! Mit einem Wort: brillant! Gegen Ende pumpte die Band dem Boogaloo mit dem Dokken-Cover Unchain The Night noch einmal ordentlich Energie rein.

Der Großteil der Leute war an diesem Abend jedoch in den Boogaloo gekommen, um die Live-Aufführung von Grave Diggers Klassiker „Tunes Of War“ zu erleben. Kein Wunder, dass auch die Mehrzahl der slowenischen Metaller nach Zagreb gepilgert war – jene, die regelmäßig alle Konzerte ohne Growl-Vokal-Substanz besuchen. Der Boogaloo war an diesem Abend hervorragend gefüllt. Noch etwa 100 Tickets, und er wäre ausverkauft gewesen. Toller Besuch.

Grave Digger sind Legenden des teutonischen Metals, eine jener Urformationen der deutschen Szene, die damals überhaupt erst mit Metal angefangen haben. Ein besonderes Kapitel ihrer Karriere bildet das Albumtriptychon „Tunes Of War“, „Knights Of The Cross“ und „Excalibur“. Die Band trat in der Besetzung an, die der große Boss, Anführer und Sänger Chris Boltendahl leitet, ohne den man sich Grave Digger schlicht nicht vorstellen kann; seit 1997 begleitet ihn am Bass der treue Jens Becker, das Quartett vervollständigen Schlagzeuger Marcus Kniep und Gitarrist Tobias Kersting, der 2023 zur Truppe stieß und zuvor bei den Power Metallern Orden Ogan spielte.

Fünfzehn Minuten nach zehn Uhr riss die Band den Klub kurz entschlossen in die Höhe, als sie mit der vollständigen Aufführung des Klassikers „Tunes Of War“ begann – wobei festzuhalten ist, dass langjährige Fans der Band die Gelegenheit hatten, auch einige Songs von diesem Album zu hören, die Grave Digger sehr, sehr selten oder gar nie live spielen. Braveheart zum Beispiel haben sie seit mehr als 25 Jahren nicht live gespielt. Nur das Instrumental Cry for Freedom (James the VI) fehlte. Kurzum: der feuchte Traum der meisten Fans wurde wahr! Und so war auch die Reaktion. Frenetisch. Die Band hatte dabei sichtlich Spaß. Boltendahl und sein Tross strahlten beste Laune aus. Das war zweifellos die Folge des tollen Besuchs und der ekstatischen Reaktionen des Publikums.

Chris hat sich geschickt durch die Anforderungen seines ganz eigenen Gesangsstils manövriert. Er ist äußerst routiniert, und selbst in jenen Songpassagen, die sein charakteristisches Knurren kombiniert mit echter Höhe verlangen, passte er die Linien geschickt an und bewahrte die Glaubwürdigkeit seiner Gesangsdarbietung. Ein paar kleine Patzer und Ungenauigkeiten waren zu vernehmen – in der Ballade The Ballad of Mary sowie im zweiten Konzertteil, zu Beginn von Morgane le Fay –, aber das sind Kleinigkeiten, denen man nicht zu viel Bedeutung beimessen sollte.

Auch im zweiten Teil ebbte die Stimmung keineswegs ab. Die Band blieb weiterhin bei der mittelalterlichen Trilogie! Da ist das furiose Knights Of The Cross, das zum eisernen Repertoire gehört, und erst recht The Curse Of Jacques – ein exzellenter, aber oft übersehener Song vom „Knights Of The Cross“-Album, den Grave Digger nicht häufig spielen. Da ist die erwartete Detonation mit einem weiteren eisernen Grave Digger-Klassiker – dem überragenden The Round Table! Grave Digger preschen weiter in Richtung des Titelklassikers des Albums „Excalibur“, während die gesamte Halle den Refrain mitgrölt, bis hin zum großen Finale, das in der Zugabe durch und durch originalgetreu detonierte! Grave Digger entführten uns in die Anfänge ihrer Karriere. In die erste Hälfte der Achtziger. Erwartungsgemäß folgten Headbanging Man, Witch Hunter und Heavy Metal Breakdown, den die Band zum Konzertende noch ein wenig auswalzte und damit die letzten Energieatome aus dem völlig aufgedrehten Publikum herausquetschte.

Das war eines jener Grave Digger-Konzerte, das der Autor dieses Beitrags in die Kategorie seiner liebsten Begegnungen mit der Band einreiht. Und davon gab es nicht wenige. Wenn ich nur drei davon hervorheben darf: Treviso (Italien) am 26. 2. 2002, Ljubljana (Slowenien) am 19. 1. 2004 und das Bang Your Head!!!-Festival (Balingen, Deutschland) am 10. 7. 2014 – genau dieses Zagreber Konzert der Band kommt den genannten Begegnungen verdammt, verdammt nah! Grave Digger halten auch im reiferen Alter eine mehr als beneidenswerte Form, was dieser Zagreber Auftritt einmal mehr bestätigt hat – deshalb hoffe ich, dass wir dem legendären Chris Boltendahl und seinem Team bald wieder begegnen! Spätestens in zwei Jahren, wenn sie uns vielleicht das gesamte „Knights Of The Cross“-Album spielen.

Autoren: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Power Surge – Setlist:
1. Breathe New Life
2. Last Man Standing
3. No Turning Back
4. With The Dawning
5. Calm Before The Storm
6. A Dream Into A Nightmare
7. Carry On (orig. Warriors)
8. Burnout
9. Unchain The Night (orig. Dokken)
10. Shadows Warning

Grave Digger – Setlist:
1. The Brave (Intro)
2. Scotland United
3. The Dark of the Sun
4. William Wallace (Braveheart)
5. The Bruce
6. The Battle of Flodden
7. The Ballad of Mary (Queen of Scots)
8. The Truth
9. Killing Time
10. Rebellion (The Clans Are Marching)
11. Culloden Muir
—zweiter Teil—
12. Knights Of The Cross
13. The Curse Of Jacques
14. The Round Table (Forever)
16. Morgane le Fay
16. Excalibur
—Zugabe—
17. Headbanging Man
18. Witch Hunter
19. Heavy Metal Breakdown


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