Himmelfahrt nach Paradise Lost-Rezeptur in Zagreb (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Paradise Lost / Messa / Lacrimas Profundere
Donnerstag, 30. 10. 2025
Zagreb / Boogaloo / Kroatien


Der sechste Besuch der großen Veteranen und Pioniere des Doom-Death-Metals, der britischen Urväter Paradise Lost, in Zagreb – diesmal im Rahmen ihrer neuesten europäischen „Ascension“-Tour – stand auf der Wunschliste der Konzerte wie auf dem Tablett! Der Autor dieser Zeilen hat die Band sehr vermisst. Seit dem letzten Treffen mit ihr, das auf einen mehr als zehn Jahre zurückliegenden Auftritt der Band datiert, ebenfalls in Zagreb. Damals traten Paradise Lost in der deutlich kleineren Location Vintage Industrial Bar auf!

Angesichts der Exzellenz des herausragenden neuen Studioalbums – bereits des siebzehnten in Folge, nämlich des Albums „Ascension“ – war die Notwendigkeit, zum Konzert von Paradise Lost aufzubrechen, umso größer! Die Band, die quasi in unveränderter Besetzung seit ihren Anfängen agiert, mit Ausnahme gelegentlicher Wechsel auf der Schlagzeugposition – was kürzlich geschah, als Jeff Singer (der bereits zwischen 2007 und 2008 bei Paradise Lost spielte) in diesem Jahr ins Team zurückkehrte –, bewahrt eine außerordentliche Frische im Studio. Man erwartet von Legenden ein „auf Nummer sicher gehendes“ Album, das die übliche, definitiv vorhandene Qualität bietet, aber ohne besondere Höhepunkte. Doch Paradise Lost haben mit ihrem neuesten Werk außerordentliche künstlerische Tiefgründigkeit und Leidenschaft bestätigt, die sie auch in reifen Schaffensjahren nicht im Stich lässt – wo mancher sagen würde, sie könnten sich wirklich verdient ausruhen.

Paradise Lost haben für die neue Tour zwei interessante düstere Bands eingeladen, die stilistisch sinnvoll mit dem Charakter und dem Werk der britischen Doom- und Death-Metal-Ikonen verknüpft sind. Das sind die deutschen Veteranen Lacrimas Profundere, die den Konzertabend eröffneten, sowie die Sondergäste, das italienische Messa, deren Konzerte buchstäblich auf das Trefflichste die Bedeutung des Bandnamens selbst heraufbeschwören.

Der Boogaloo, der berühmte Zagreber Club, in den wir immer sehr gerne zurückkehren, versprach ein großes Fest der schwarzen Metal-Messe. Er füllte sich gut. Die Location war am Konzerttag tatsächlich ausverkauft (als ich einige Stunden später – genauer nach den ersten drei Paradise Lost-Songs – den Club zum Auto verließ, um die Fotoausrüstung abzulegen, stand am Eingang eine Menschenmenge, die nicht mehr hineinkonnte, denn die Veranstaltung war inzwischen komplett ausverkauft).

Die generationsübergreifend bunte Schar der versammelten Besucher setzte also das i-Tüpfelchen auf dieses hervorragende Event, in das die Deutschen Lacrimas Profundere als Erste von dreien starteten und uns in knapp einer halben Stunde in ihre Mischung aus melodischem Doom-Death-Metal mitnahmen – zu dem sie auf den letzten beiden Alben „How To Shroud Yourself With Night“ (2023) und „Bleeding The Stars“ (2019) zurückgekehrt sind, von denen wir den Großteil des Repertoires zu hören bekamen. Angesichts der Bandbesetzung mit Sänger Julian Larre, der 2018 zur Band stieß, irgendwie eine logische Entscheidung. Im Team ist von den Originalmitgliedern der 1993 gegründeten Band heute nur noch Gitarrist Oliver Nikolas Schmidt – ihm leisten neben Larre noch Schlagzeuger Dominik Scholz und Bassist Ilker Ersin Gesellschaft. Die Band spielte aus der Periode, als sie im Dark-Rock-Modus agierte, den Titelsong „Ave End“, was das Konzert bereicherte. Stimmungswechsel kommen immer gelegen, besonders wenn du den Stil plötzlich in gothic/dark-Gewässer umschwenkst und im neuen Schuhwerk trotzdem siegreich bleibst. Ansonsten schlossen Lacrimas Profundere ihr Rumoren in symphonisch-doom-death-metallischen Bahnen mit der „Bleeding the Stars“-Single Father Of Fate ab, bei der Julian fast in den Schoß der ersten Zuhörerreihe kletterte und es mit Verve schaffte, aus dem Publikum, das die Location zu diesem Zeitpunkt bereits schön gefüllt hatte, konkrete Reaktionen herauszulocken – was auch das Ziel des Sängers war. Ein sehr gelungenes Warm-up mit der Kult-Band.

Als Zweite betraten die Italiener Messa die Bühne. Die Band, die im italienischen Treviso beheimatet ist, befindet sich im Aufwind und erweitert rasch ihre Fangemeinde. Ihr viertes Studioalbum „The Spin“ kann man als Übergangsalbum bezeichnen – verglichen mit den ersten drei, fest dem eklektischen, experimentellen Doom-Metal verschriebenen –, da sich die Band hier künstlerisch entfaltete und begann, auch mit Elementen des Gothic Rock zu flirten, ohne dabei eine Spur ihrer Eigenständigkeit einzubüßen. Dass die Band geschätzt und in den Herzen der hoffnungslosen Melancholiker, die an diesem Abend den Club besuchten, bereits gut bekannt ist, kündigte auch die entschiedene und stellenweise deutlich spürbare Reaktion des Publikums während des Auftritts an. Die Band musste sich stellenweise mit Backing Tracks (Keyboards) behelfen, was aber von untergeordneter Bedeutung ist. Sängerin Sara Bianchin, die von einem Scheinwerfer angestrahlt während der gesamten Performance fast völlig regungslos dasteht – mit ihrer Art der vokalen Interpretation grenzenloser Trauer, umgeben von der düsteren, mystischen Kulisse des Begleitteils des Ensembles –, weckt tatsächlich das Gefühl, als wärst du mitten in einer Messe gelandet. So wie es der Name der Band gebietet. Das Gefühl, wenn dich der hoffnungslose Abgrund des schwärzesten Rituals verschluckt. In den sich langsam entwickelnden Kompositionen findet sich enorm viel Raum, den Gitarrist Alberto Piccolo geschickt mit Soli füllte. Die Band glänzte mit Präzision und eingespieltem Zusammenspiel sowie einem sehr ordentlichen Sound (für das Niveau einer Vorband). Überwiegend stellten Messa das neueste Album „The Spin“ vor, das diesen Frühling erschien, wobei sie den Konzertabend mit dem Stück Babalon vom Debütalbum „Belfry“ eröffneten. Die Band hat mit ihrem überzeugenden Auftritt und dem künstlerischen Auftreten musikalischer Eigenbrötler an diesem Abend sicher den einen oder anderen neuen Anhänger auf ihre Seite gezogen.

Paradise Lost sind nun mal Paradise Lost. Ihre Position kann ihnen niemand nehmen. Als die Lichter im Boogaloo vollständig erloschen, brandete tosender Jubel durch das Publikum. Die Erwartungen waren groß. Nach acht Jahren kehrte die Band endlich wieder nach Zagreb und in den Boogaloo zurück. In einer Stunde und zwanzig Minuten streifte die Band quasi durch die gesamte Diskografie. Das war eine echte Rundreise mit der Band durch die Wege ihrer künstlerischen Karriere. Sie umfassten alle Ären ihres Schaffens, wobei sie – interessanterweise – lediglich drei neue Songs aus dem hervorragenden „Ascension“ spielten. Einfach zwei mehr wären drin gewesen und hätten das Konzert um mindestens zehn Minuten verlängert – denn das ist der einzige Kritikpunkt: der Auftritt der Band war schlicht zu kurz.

Da ist also diese unheilvolle elementare Wucht der vier Düsterlinge, die seit der Gründung 1988 Brüder in Guten wie im Bösen sind, gestützt auf den Donner von Singers Schlagzeugschlägen, der im Boogaloo hinter Plexiglaspanelen geschützt war. Holmes und seine statuenhafte Bühnenpräsenz bleiben ein Klassiker der Band. Anfangs vom Bühnenrand abgewandt, stand der Sänger direkt beim Schlagzeugpodest – es ist schon immer vollkommen klar, dass ihn Fotografen nerven. Wenn die sich verzogen haben, nähert er sich dem Publikum. Unbewegliche Figur, finstere Blicke – so wie es der Artismus der Band verlangt. Der Sänger war in ausgezeichneter Konzertverfassung und überzeugte sowohl mit seinem Growl als auch mit seinem Klargesang. Außerdem vergaß er nicht, sich mehrmals herzlich beim Publikum zu bedanken. Das Konzert einer Band vom Typ Paradise Lost ist pure Hypnose. Die Elementargewalt der unheilschwangeren, düster-verderblichen Riffs, die eine massive Klangwand aufbauen, durchstochen von Mackintoshs charakteristischen Gitarrenverzierungen, zog einen unaufhaltsam in den Bann. Natürlich haben die Klangeigenschaften im Club an diesem Abend auch gewisse Anpassungen beim Einnehmen der richtigen Position in der Location vorgegeben. Du musstest beim Mischpult stehen – dann war es in Ordnung. Also irgendwo in der mittleren Position, aber in der hinteren Reihe des Clubs. Auch alle Songs aus der Übergangsperiode, die für den einen oder anderen Doom/Death-Metal-Puristen fragwürdig ist (One Second, Nothing Sacred sowie das nach dem gothic-metallischen Höhenflug hochmusikalische Mouth, im großen Finale des Abschlussteils der unvermeidliche Hit Just Say Words), fügten sich perfekt in das restliche Material ein, das dem unheiligen Abendmahl des Doom-Death-Metal-Absolutismus verschrieben ist.

Die Gefühle waren außergewöhnlich. Es braucht nicht gesagt zu werden, dass die Darbietung tadellos war. Routine, Können, Kraft! Nach wie vor ist da diese Leidenschaft fürs Konzertieren, die das Quintett begleitet. In den vorderen Reihen konnte man Mädchen um die zwanzig entdecken – gegenüber Greg Mackintosh –, die Texte von Paradise Lost-Songs auswendig beherrschen, unabhängig von der Ära ihrer Entstehung. Unglaublich. Ein Anblick, der verkündet, dass das Gesamtwerk der Band den Status der Zeitlosigkeit erlangt hat. Natürlich wurden die Hälse bei den großen Klassikern besonders eifrig gebrochen: True Belief, Pitty The Sadness und Once Solemn.

Es folgt eine ziemlich überraschende Zugabe, ohne die Doom/Death-Metal-Klassiker der frühen Ära. Salven von Scheinwerferstrahlen lecken die Bühne ein letztes Mal ab, als die Band mit dem „Symbol of Life“-Klassiker No Celebration loslegt. Diese gotische Totenmesse bietet den perfekten Einstieg in die gotische Fortsetzung mit Ghosts, entnommen dem vorherigen „Obsidian“-Album – von dem man sagen könnte, dass es sich um einen verlorenen Song handelt, den The Sisters Of Mercy vergessen haben zu schreiben. Und dann noch das abschließende Silence Like the Grave vom neuesten Album „Ascension“, das eigentlich an einer Stelle alles verkörpert, was Paradise Lost sind und – zum Glück – bleiben! Brillant. Direkt. Auf den Punkt! Eine Band, die ohne Bremsen mahlt, und eine Band, die auf ihren Positionen stark und unerschütterlich bleibt!

Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Lacrimas Profundere – Setlist:
1. Like Screams in Empty Halls
2. A Cloak Woven of Stars
3. To Disappear in You
4. The Kingdom Solicitude
5. An Invisible Beginning
6. Unseen Play
7. Ave End
8. Father of Fate

Messa – Setlist:
1. Babalon
2. At Races
3. The Dress
5. Reveal
6. Thicker Blood

Paradise Lost – Setlist:
1. Serpent on the Cross
2. Tragic Idol
3. True Belief
4. One Second
5. Once Solemn
6. Faith Divides Us – Death Unites Us
7. Pity the Sadness
8. Beneath Broken Earth
9. Nothing Sacred
10. Tyrants Serenade
11. Requiem
12. Mouth
13. Say Just Words
—Zugabe—
14. No Celebration
15. Ghosts
16. Silence Like the Grave


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