Uriah Heep, Bonnie Tyler und Nazareth – ein nostalgischer Klassiker-Rock-Abend in Kärnten (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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Auftritte: Tobbaco Road Blues Band / Nazareth / Bonnie Tyler / Uriah Heep
Datum: Freitag, 25. 7. 2025, von 17.00 Uhr bis 23.00 Uhr
Ort: Moosburg / Schlosswiese / Österreich


Uriah Heep und Nazareth sind alte Bekannte. Zwei Legenden, die mit ihrem Erfolg das Format der weltweiten Rockkultur in den Siebzigern mitgeprägt haben – und zwei Bands, die so ziemlich alles gesehen haben. Himmel und Hölle. Beide trotzen noch immer. Unglaublich, wirklich. Uriah Heep feiern dieses Jahr ihr 55-jähriges Bestehen, Nazareth sogar ein Jahr mehr. Deutschland und Österreich waren schon immer ihr Konzert-Zuhause, und in der Vergangenheit haben wir sie mehrfach gemeinsam erlebt. Aber in Kombination mit einer der markantesten Frauenstimmen des Pop-Rocks der Achtziger – Bonnie Tyler – noch nie. Nein, das ist kein Aprilscherz, wir sind bereits Anfang August!

Auf der idyllischen Schlosswiese des Schlosskomplexes in Moosburg bei Klagenfurt stand das gesamte Event wieder einmal im Zeichen des Regens. Ohne den verheerenden Wolkenbruch allerdings, der im Vorjahr am selben Ort die Auftritte von Toto und eben Uriah Heep buchstäblich weggespült hatte. Trotzdem waren Regenmäntel mehr als willkommen. Eine mehrere Tausend Köpfe starke Menge strömte aus allen Richtungen auf die Wiese, wo eine riesige Bühnenkonstruktion stand – die kurz nach fünf von den Locals Tobacco Road Blues Band in Beschlag genommen wurde, die für diese Gelegenheit auf ein akustisches Duo reduziert waren. Wir hörten sie mit halbem Ohr zu, während wir uns noch tief in der Schlange zum Gelände vorarbeiteten.

Um 18.15 Uhr stehen unsere alten Bekannten Nazareth auf der Bühne. Eine stattliche Zeitspanne haben sie für ihren Auftritt bekommen. Die Legendenband tritt in einer Besetzung auf, in der das einzige verbliebene Originalmitglied mit seinen 79 Jahren nur noch Bassist Pete Agnew ist. Sein Weggefährte – der unersetzliche Dan McCafferty – ist nicht mehr unter uns; die Gesangsaufgaben übernimmt schon seit einer Weile bei den heutigen Nazareth Carl Sentance, bekannt u. a. durch seine Zusammenarbeit mit Krokus. Am Schlagzeug Petes Sohn Lee Agnew, an der Gitarre Jimmy Murrison. Die Band lieferte in ihrer Stunde Programm Material aus ihren klassischen Tagen, das zeitlos und in jeder Hinsicht besonders funktioniert. So wie der besondere Platz dieser Band im Rock-’n‘-Roll-Universum. Sentance kann natürlich nicht McCafferty sein, aber der Mann gibt sein Bestes, um Parallelen zur verstorbenen Legende zu ziehen. Mal gelingt ihm das besser, mal weniger gut. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn er ganz auf seinen eigenen Stil setzen würde – denn Sentance ist durchaus ein exzellenter Vokalist, aber McCafferty ist ein zu großes Unikat, als dass ihm irgendjemand nahekommen könnte.

Wie dem auch sei, die Band donnerte insgesamt beneidenswert los, die Zügel fest in den Händen von Lee und Pete, während Jimmy, der mit einem Gruß und einem Bier in der Hand auf die Bühne geschlendert kam, wieder ein paar Schlampigkeiten servierte. Die Band leistete sich auch einige Jams, mit denen sie auf Zeit spielte. Diese Konzertabschnitte führten ehrlich gesagt nirgendwo hin. Besser wäre gewesen, den Auftritt zu straffen oder wenigstens noch etwas reinzuhauen, etwa My White Bicycle, das dieses Mal auf ziemlich wundersame Weise aus der Setlist gefallen ist. Hair Of The Dog spielen Nazareth in neuer, beziehungsweise in der Sentance-Ära, ohne schottische Dudelsäcke. Alle warteten auf Love Hurts (im Original von The Everly Brothers), und bekamen den Track auch im zweiten Konzertteil. Die Band lieferte außerdem die fantastische Ballade Dream On, ihren Sinn für schrägen schwarzen Humor bewiesen Nazareth mit Holiday und gegen Ende mit dem bereits erwähnten Hair Of The Dog. Razamanaz bleibt nach all den trotzigen Jahren der Band auch 2025 ein außergewöhnlicher Rock-’n‘-Roll-Gottesdienst. Wie gesagt, man hätte sich etwas mehr Feuer von der Bühne erwartet, aber wie man es auch dreht und wendet: ordentlich! Legenden sind Legenden. Falls ihr Nazareth noch nie live gesehen habt – schaut beim nächsten Konzert in eurer Nähe vorbei. Das ist eine Band, die mit ihrer Unnachgiebigkeit eines Tages auf einer der großen Bühnen dieses Planeten definitiv auch ihren letzten Vorhang haben wird, denn Konzerte bleiben ihr Leben!

Bonnie Tyler war vor dem Konzert ein großes Fragezeichen. Die Dame ist 71 Jahre alt und hält sich für ihr Alter bemerkenswert gut. Begleitet wird sie von einer hervorragend eingespielten Band voller Detailversessener, die einen ausgewogenen und sehr guten Sound lieferte. Die Bausteine des Klangbilds waren gelungen arrangiert. Leider ist die Ikone des Pop-Rocks der Achtziger stimmlich im reiferen Alter merklich schwächer geworden. Entsprechend hat sie ihre Gesangslinien angepasst, wobei ihr das Publikum kräftig unter die Arme griff und das sie mehrfach ganze Strophen übernahm. Das CCR-Klassiker-Intro Have You Ever Seen The Rain? fügte sich perfekt in das regnerische Ambiente ein. Dann das phänomenale Hide Your Heart (geschrieben von Paul Stanley – die Kiss-Version findet ihr auf deren Album „Crazy Nights“), dazu die Pflichtprogramm-Nummern: das wunderschöne It’s a Heartache, Total Eclipse of the Heart (hier war überhaupt nicht klar, ob die männlichen Vocals playback waren oder nicht), und ein niederschmetterndes Finale mit The Best (auch in der Version von Tina Turner bekannt) und Holding Out for a Hero. Alle Tracks bestätigten, dass Bonnie nicht mehr kann wie früher – aber trotzdem. Was für eine Ehre, eine solche Legende auf der Bühne zu erleben! Die Gelegenheiten werden nicht mehr viele sein, wenn überhaupt!

Den Spitzenplatz des Abends auf der Auftrittsliste hatte sich Uriah Heep gesichert. Eine Band, die gerade eine echte Renaissance erlebt. Mick Box, zentrale Figur, Original- und Gründungsmitglied sowie Gitarrist, der die Band am Leben hält, ist dieses Jahr 78 geworden und agiert auf der Bühne schlicht fantastisch. Genauso wie der gesamte Uriah Heep! Die Band tritt seit 2013 in unveränderter Besetzung auf. Neben Box sind seine unzertrennlichen Gefährten Keyboarder Phil Lanzon und Sänger Bernie Shaw, die dem Gitarristen in der zweiten Hälfte der Achtziger beigetreten sind, sowie die kanonenschwere Rhythmussektion: Schlagzeuger Russell Gilbrook und Bassist Dave Rimmer – Letzterer sprang nach dem Tod des unvergesslichen Trevor Bolder in die Besetzung ein!

Uriah Heep sieht man die enorme Kilometerleistung an! Im Laufe der Jahre sind sie zu einer so gut geölten Maschine geworden, dass kaum etwas schiefgehen kann. Ganz einfach: Routine und Erfahrung. Sie passen sich schnell an alles an. An schnelle und unvorhergesehene Veränderungen. Auch an Bedingungen, wenn das Wetter launisch ist. Während des Konzerts regnete es nämlich weiterhin gnadenlos, die Band lieferte aber das Beste. Ohne Bremsen. Volle Kanne. Der Sound exzellent, die Gitarrenphrasen mit dem Rückhalt von fetten Hammond-Orgeln donnern los, Bernie, dessen Stimme mit den Jahren tiefer geworden ist, in seiner typischen Manier als Antreiber der Kommunikation mit dem Publikum – souverän und autoritativ! Mit Russell Gilbrook am Schlagzeug haben einige Klassiker der Siebziger tatsächlich an Feurigkeit gewonnen, genauer gesagt an regelrecht vernichtendem Charakter.

Uriah Heep, die das Konzert mit zwei neuen Stücken eröffneten – beide Singles aus dem aktuellen Album „Colour & Chaos“ (2024), nämlich Grazed By Heaven und Save Me To Night – bauten sofort ihre einzigartige Klangkulisse auf. Noch mehr Donner von der Bühne kam, als sich die Band dem „Look At Yourself“-Juwel Shadows of Grief widmete, das aufgrund seiner progressiven Natur einen ganz besonderen Platz auf jenem Album einnimmt, das bereits im fernen Jahr 1971 erschien. Für Kenner der erste von zwei Konzerthöhepunkten des Uriah Heep-Auftritts. Nach dem unvergesslichen Klassiker The Wizard sattelte die Band auf das Album „The Magician’s Birthday“ (1972) um und zündete zunächst mit dem treibenden Single Sweet Loraine, gefolgt vom epochalen Titeltrack des genannten Albums. Womit wir beim zweiten Konzerthöhepunkt wären. Der Fokus lag vor allem auf dem Mittelteil, der einfach nicht enden wollte – Mick Box befand sich in einem phänomenal kreativen Rausch, in seinem Element. Er lauerte und solierte verbissen, als ob es um das jüngste Gericht ginge. Seinen Gitarrenexzessen war kein Ende in Sicht, und exzellente Unterstützung lieferte in diesem Teil der großartige Russell Gilbrook – ein echtes Schlagzeugtier! Die knapp zwanzigminütige Prog-Rock-Suite sticht tatsächlich aus der aktuellen Setlist heraus, die bis auf Shadows of Grief ausschließlich aus Klassikern des eisernen Repertoires und Tracks des neuen Albums besteht!

Wenn sie dir im Finale drei Stücke hintereinandersetzen, die zu den stärksten Momenten ihrer Karriere gehören – angefangen mit Gypsy, gefolgt vom fantastischen July Morning, in dem die Band einmal mehr ihre makellose Abstimmung und Eingespielheit unter Beweis stellt, und das Ganze mit einer heißen Live-Version von Easy Livin‘ gekrönt wird, das Heep quasi mit verbundenen Augen spielen –, dann weißt du, dass du dich mit Legenden und Ikonen des Rocks wieder im richtigen Moment am richtigen Ort befunden hast. Eingehüllt in die echte Schwingung des klassischen Rock ’n‘ Roll! Tiefer und aufrichtiger geht’s schlicht nicht. Diese Magie erzeugt immer nur die Generation von Musikern, die das Pionierland urbar gemacht hat. Diese Schwingung entsteht nur, wenn diese Männer auf der Bühne stehen. Und das Konzert von Uriah Heep hat genau das wieder einmal bestätigt.

Die anderthalb Stunden lange Begegnung führten in der Zugabe zu Ende das wunderschöne Sunrise, danach das allgemeine Jubilieren und Feiern mit dem erwartbaren Lady In Black – einem Track, der auf gerade mal zwei Akkorden basiert und der nach 55 Jahren ungebrochenem Bestehen der Band ihr bekanntester Hit bleibt. Den Song schmetterte das gesamte Publikum lautstark mit, und das Gefühl war an dieser Stelle besonders intensiv! Der Regen war niemandem mehr lästig!

Der diesjährige Abend mit Rock-Klassikern auf der Schlosswiese in Moosburg war also ein voller Erfolg. Der Regen konnte dieses für viele heilige Rockkommunion nicht aufhalten, bei der niemand fehlen durfte. Jeder, der dorthin gereist war, bekam genau das, wofür er gekommen war. In Österreich haben Uriah Heep und Nazareth ihr zweites Zuhause, und dieses Mini-Festival-Treffen mit den beiden Bands, das durch Bonnie Tylers Auftritt noch versüßt wurde, hat nur bestätigt, welche Wertschätzung Rocklegenden jenseits unserer Nordgrenze genießen. Deshalb blicken wir schon jetzt ungeduldig auf das nächste Jahr und unseren nächsten Besuch dieses überaus angenehmen Veranstaltungsorts im Herzen von Österreichs Kärnten!

Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Nazareth – Setlist:
1. Miss Misery
2. Razamanaz
3. Shanghai’d in Shanghai
4. Dream On
5. This Flight Tonight
6. Holiday
7, Beggars Day
8. Love Hurts
9. Hair of the Dog
10. Morning Dew

Bonnie Tyler – Setlist:
1. Have You Ever Seen the Rain? (orig. Creedence Clearwater Revival)
2. To Love Somebody (orig. Bee Gees)
3. Hide Your Heart
4. It’s a Heartache
5. Straight From the Heart (orig. Bryan Adams)
6. Yes I Can
7. Total Eclipse of the Heart
8. Faster Than the Speed of Night
9. The Best
10. Holding Out for a Hero

Uriah Heep – Setlist:
1. Grazed by Heaven
2. Save Me Tonight
3. Shadows of Grief
4. Stealin‘
5. Hurricane
6. The Wizard
7. Sweet Lorraine
8. The Magician’s Birthday
9. Gypsy
10. July Morning
11. Easy Livin‘
—Zugabe—
12. Sunrise
13. Lady in Black


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