Trivium beim Ciao Luca Festival in Gradisca d’Isonzo (2017)

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Ort: Gradisca d’Isonzo / Parco del Castello / Italien
Datum: 23.08.2017


Trivium, die modernen Florida-Metaller, die auf dem alten europäischen Kontinent erstmals so richtig für Aufsehen gesorgt haben, als sie im Spätherbst 2006 die Konzertabende auf der damaligen Tour von Metal-Titanen Iron Maiden eröffneten, haben diesen Sommer ein paar Konzerttermine quer durch Europa eingetütet. Einer der Headliner-Auftritte fand direkt vor unserer Haustür statt, beim alljährlichen Ciao Luca Festival im Städtchen Gradisca d’Isonzo. Angesichts der extremen Nähe – gefühlt wie eine Spritztour von Ljubljana auf ein Eis nach Portorož – hat es sich auf jeden Fall gelohnt, die Form dieser unermüdlichen Workoholics aus dem floridanischen Orlando zu checken. Den Kern des Quartetts bilden seit Jahren der charismatische Matt Heafy (Gesang, Gitarre), die zweite Gitarristenposition besetzt Corey Beaulieu, der auch für die Growls zuständig ist, am Bass agiert Paolo Gregoletto, der sich ebenfalls um die hohen Backing-Vocals kümmert,  während letztes Jahr mit Alex Bent ein neues Mitglied am Schlagzeug zur Crew dazugestoßen ist.

Die Band, die wirklich ständig am Aufnehmen und Touren ist, hat für November dieses Jahres das neue Studioalbum »The Sin and The Sentence« versprochen – in Gradisca d’Isonzo hat sie jedoch ein Konzertrepertoire gespielt, das vor allem Fans der älteren und mittleren Schaffensphase der Gruppe begeistert hat. Ehrlich gesagt war das die große Mehrheit der Besucher, von denen nicht wenige aus Slowenien angereist waren. Auf der herrlichen Location im Schlosspark, direkt an der Burgmauer, auf dem weichen  und frisch gemähten Rasen thronte wie jedes Jahr auch diesmal wieder die Festivalbühne des Ciao Luca Festivals. Klar, die Bühne ist etwas kleiner, als man bei einem Festival erwarten würde – aber das ist auch egal. Davor hatte sich eine kochende Menge von rund 700 Köpfen versammelt, die mächtig Hunger auf Trivium-Musik hatten.

Die Band lieferte einen unglaublich kompakten, mit wilder Tollheit aufgeladenen Konzertauftritt ab. Das lag auch daran, dass die Gruppe ein Repertoire zusammengestellt hatte, das hauptsächlich von den Alben »In Waves«, »Shogun« und »Ascendancy« geprägt war – einer Periode, in der  Trivium künstlerisch gewachsen und gereift sind und interessantere Alben abgeliefert haben als die letzten beiden. Diese Songs zündeten bei den Fans auch bestens, und die Energiefedern sowie ihre chemische Wirkung während des Auftritts auf der Achse Publikum – Band waren durchgängig faszinierend. Endlose Moshpits, entschlossenes Mitgrölen des Publikums bei den Verse-Passagen, totale Einbindung aller Anwesenden, die bis zur letzten auf der Bühne abgefeuerten Salve nicht nachließen. Wohin man auch blickte: Von den vorderen Reihen bis ganz hinten zu den Gruppen von Besuchern, die ihre Positionen an der Mischanlage eingenommen hatten, brodelte es wie in einem Hornissennest. Eine außergewöhnliche Energieleistung.

Die Band ist live in absolut toller Verfassung. Heafy hat stimmlich das gesamte Konzert durchgehalten, und seine Kombination aus durchdringendem Screaming und cleanen Vocals hat ihn über die gesamte Spielzeit nicht im Stich gelassen. Die Band ist außerdem extrem gut eingespielt, was das Harmonisieren der Gesangsmelodien in den Refrains angeht. Die Soundcharakteristik war beim Auftritt ausgezeichnet. Alle Bausteine des Klangbilds klar betont und in der richtigen Balance. Alex Bents Schlagzeug-Bollwerk lieferte der Frontlinie aus Gitarrenphrasierung beider Gitarren und Matt Heafys ungezügelter Wildheit ein unglaubliches Fundament – und der ließ es sich in seinem Theater nicht nehmen, während des ganzen Konzerts ununterbrochen wild die Zunge rauszustrecken. In den Pausen  (zwischen den Songs) hatte die Gruppe nicht viel Kluges ans Publikum zu richten. Da wünscht man sich eigentlich, die Band hält die Klappe und spielt Song für Song runter. Aber ehrlich gesagt: Ähnliche Schwierigkeiten im Umgang mit europäischen Fans haben auch die Frontmänner weit bekannterer amerikanischer Bands, allen voran Tom Araya (Slayer), James Hetfield (Metallica) und Robb Flynn (Machine Head). Na ja, auf bahnbrechenden Intellektualismus von Heafy und seiner Truppe haben wir also vergebens gewartet.  Aber was zählte, waren natürlich die Songs – die wurden von der ersten bis zur letzten Sekunde des Konzerts mit Verve, hungriger Verbissenheit, schier souveräner Beherrschung und unglaublicher Form und Einspielpräzision abgeliefert.

In dieser Hinsicht haben Trivium ihren Besuch in Gradisca d’Isonzo vollauf gerechtfertigt und jeden glücklich gemacht, der ihr Konzert besucht hat. Die Band hat auch einen brandneuen Song präsentiert, nämlich den Titelsong des kommenden neuen Studioalbums  »The Sin and the Sentence«. 

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


Setlist:

  1. The End of Everything  (eingespieltes Intro)
  2. Rain
  3. Watch the World Burn
  4. Strife
  5. Down From the Sky
  6. Until the World Goes Cold
  7. The Sin and the Sentence
  8. Built to Fall
  9. A Gunshot to the Head of Trepidation
  10. Kirisute Gomen
  11. Silence in the Snow
  12. Forsake Not the Dream
  13. Dying in Your Arms
  14. Throes of Perdition
  15. Like Light to the Flies

—Zugabe—

16. Capsizing the Sea (eingespieltes Intro)
17. In Waves

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