SUM 41 – Abschied einer Legende Kapitel 1, Budapest 2024

foto: DENIS PARADIŽ 2024
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SUM 41 (Special Guests: Neck Deep)
Dienstag, 12. 11. 2024, um 19.30 Uhr – 10.50 Uhr
Budapest / Papp László Sportaréna / Ungarn


SUM 41, diesmal aber zum letzten Mal. Na ja, zum letzten Mal in Budapest, nicht für Rockline.si, wo wir am nächsten Tag erneut beim Konzert von SUM 41 in Österreich in Wien dabei waren.

Noch eine Woche trennt uns davon, dass SUM 41 Europa für immer verlassen werden, und so winken sie am 23. 11. 2024 ihren Fans in Frankreich ein letztes Mal zu. Ihren Abschied (wie wir bereits in den Reportagen OPATIJAJESOLO erwähnt haben) hatte die Band schon im Vorjahr angekündigt und ihre Fans damit auf die bevorstehende Abschlusstour vorbereitet – weshalb auf der Liste diesmal keine Halle mit einer Kapazität unter 8000 Personen zu finden ist.

Diesmal wärmten die walisischen Punk-Rocker Neck Deep das Publikum für SUM 41 auf. Sie repräsentieren die „jüngere“ Generation von Bands dieses Genres, denn sie kamen gut 10 Jahre nach all den großen Namen der Szene. Neck Deep wurden zwar 2012 gegründet, aber ihr erstes Album Wishful Thinking erschien erst 2014 – was jedoch erfolgreich genug war, dass sich die damaligen Bandmitglieder voll und ganz dem Schreiben neuer Musik widmen konnten. Den wohl größten Bekanntheitsschub erreichten Neck Deep 2019, als sie als Opening Act die Fans von Blink 182 aufwärmten.

Setlist:
1. Dumbstruck Dumbf**k
2. Sort Yourself Out
3. Motion Sickness
4. Gold Steps
5. Citizens of Earth
6. Kali Ma
7. Take Me With You
8. STFU
9. We Need More Bricks
10. In Bloom

Neck Deep hatten es eigentlich nicht schwer, denn die Fans waren schon vor ihrem Auftritt auf der Bühne auf Siedetemperatur gebracht! Die Papp László Sportaréna war bereits während ihres Sets bis auf den letzten Platz gefüllt! Wir alle – und das muss man gar nicht extra betonen – warteten mit fiebernder Ungeduld auf SUM 41, die wie immer, auf die Minute genau – nämlich um 20:45 Uhr – die Bühne betraten.

Wie es sich für SUM 41 gehört, begann alles mit dem Song »Motivation«, der bereits für eine Stimmung sorgte, wie man sie sonst nur vom Finale ihrer Konzerte kennt. Feuerzungen auf der Bühne sorgten für einen weiteren Temperaturanstieg, während in der Mitte bereits der erste Circle Pit entstand. Es half überhaupt nichts, dass das Konzert mit dem Hit des Albums »Does this look infected« weiterging – »Hell Song« (etwas mehr über die Bedeutung dieses Songs erfährst du in der ‚vorherigen SUM 41 RockLine-Reportage‘ – OPATIJA 2023) – der lediglich zusätzlichen Schwung für Over My Head (Better Off Dead) brachte. Der Lichtmensch verdient diesmal wirklich besondere Erwähnung, denn bis zum dritten Song schwitzte er wie ein „Mann am Strand vor seiner Frau, um den herum ein ganzer Haufen Tangas herumtanzt“, um all die Perfektion der verspielten Lichtdialoge bis zum Ende durchzuziehen! Schon zu Beginn war klar, dass die Lichtshow diesmal wirklich spektakulär sein würde! Und das war sie. Man könnte sogar wagen zu sagen, dass es die beste SUM 41-Lichtshow der letzten fünf Jahre war.

Während man die Licht- und Lasertechnik bewunderte, spielten SUM 41 noch No Reason, Out for Blood und War. Danach natürlich Underclass Hero – eine der bekanntesten Singles ihrer Karriere. Diesmal wurde Sänger Deryck wieder vom Publikum übertönt, weshalb er es später einfach selbst einen Teil des Songs singen ließ. Dann folgte die Überraschung des Abends! Der Song Noots, den die Band in ihrer gesamten Karriere noch nie live gespielt hatte. Das ist ein Stück, das als Bonus-Track des Albums „Chuck“ diente (und das auch nur auf der internationalen, der koreanischen und der japanischen Ausgabe). Die Band hatte nämlich auf ihre Fans gehört – ja, genau so! SUM 41 hatten ihre Anhänger weltweit gefragt: „Was wollt ihr auf unserer Abschiedstour hören?“ Und in Europa gewann ein Song, der in den USA und anderswo möglicherweise völlig unbekannt ist. Noots zum ersten Mal live zu hören, hat das Publikum „umgehauen“ wie jene Passagierin im Flugzeug aus dem Film »Airplane« aus den 80ern. Niemand wusste woher und wie, aber das Publikum reagierte schließlich so, als hätte SUM 41 diesen Song die letzten 20 Jahre gespielt.

Das Konzert ging mit den diesjährigen Songs Landmines und Dopamine weiter, entnommen dem letzten Album der Band »Heaven :x: Hell«. Endlich war Gitarrist Dave „Brownsound“ Baksh an der Reihe! Wir tauchten nämlich in Metalgewässer ein. Zunächst fing die Band an, mit Slayer zu spielen, dann noch mit Metallica. Ein „kitzelndes Kribbeln“, dem sich niemand widersetzen konnte. Eruption um Eruption! SUM 41 wissen, wie man das Publikum auf höchsten Touren hält! Die Band reihte weiter ihre bekannteren Songs aneinander, trieb das Konzert dem Höhepunkt entgegen – bis zum 19. Song in Folge, der? Erneut auf Basis von Vorschlägen gewählt wurde, die das Publikum der Band übermittelt hatte. Mehr als offensichtlich ist, dass das europäische Publikum das eher metallisch gefärbte Album „Chuck“ der Band bevorzugt, denn es folgten drei Songs aus diesem Album. Da bei Konzerten die Zeit immer knapp ist, entschieden sich die Jungs, drei Songs am Stück zu spielen! Es war ein Medley, in dem sie My Direction / No Brains / All Messed Up vereinten. Nach dem Schlagzeugsolo machen SUM 41 mit dem „Hell“-Teil des neuen Albums weiter, nämlich dem Song Rise Up. Das aufgeheizte und moshing-freudige Publikum versuchen die Jungs mit dem sanfteren Song Pieces zu beruhigen. Aber das hatte genau den gegenteiligen Effekt! Aus den Millennials zog es Emotionen heraus, die die Halle beim nächsten Song Fat Lip mit all ihrer Leidenschaft und Obsession buchstäblich in Stücke rissen. Als wäre das noch nicht genug! Es folgt Still Waiting. Das Publikum mit Tränen in den Augen. Die Band verabschiedet sich. Alle warten euphorisch und zitternd auf noch einen Song. Von dem sie wissen, dass er auf dem Repertoire der Abschiedstour stehen muss…

Die Jungs kehren auf die Bühne zurück. SUM 41 kündigen ihren Durchbruchsong an. Den, der ihnen die Türen zum kommerziellen Erfolg geöffnet hat! Der erste Hit „Summer“. Es folgt Waiting on a Twist of Fate und dann »In Too Deep«. Wer sagt, dass Millennials keine Energie mehr für irgendetwas haben, war definitiv nicht beim SUM 41-Konzert, als dieser Song läuft. Die Vibrationen aus den Sitzen haben alle Tierarten aus dem Stadion vertrieben, die vielleicht im Parkett zugegen waren, und dort sah es aus, als würden wir am metallischsten Konzert aller Zeiten teilnehmen, bei dem sich sämtliche möglichen Metal-Kapriolen aneinanderreihten.

Ende der Show?! Nun, für viele ja. Die Besucher mit Tränen in den Augen und in Umarmungen können die Realität kaum akzeptieren, dass sie SUM 41 nie mehr live sehen werden, während sie langsam, einer nach dem anderen, die Halle verlassen und sich von der Band verabschieden.

Verdammt nochmal! Die Halle hatte sich schon geleert, als nach zwei Minuten Deryck auf die Bühne stürmt und ruft: »Soooooo you motherf**“ers are still here?«. Die Band startet den Song „Underclass Hero“ des gleichnamigen Albums, bei dem Gitarrist Tom Thacker ans Klavier wechselt. In solchen Momenten eines Konzerts ist das der Song mit dem treffendsten und bedeutungsvollsten Titel – was die Fans aber keineswegs akzeptieren wollen. Denn es war »So Long Goodbye«. Mitten im Song versammeln sich auch die übrigen Bandmitglieder auf der Bühne und verleihen dem friedvollen Charakter des Stücks einen Hauch Metal. Damit verabschieden sie sich für immer vom ungarischen Publikum.

Mit einem über zweistündigen Konzert voller ausgefeilter Technik, Konfetti, Feuer, Rauch und Licht haben SUM 41 zweifellos dafür gesorgt, dass dieses Konzert im Gedächtnis ihrer Fans noch sehr lange bleiben wird. Wahrscheinlich für immer. Bis zum letzten Akt der Band wird noch etwas Zeit vergehen, denn auch die Abschiedstour endet erst im nächsten Jahr. Auch auf jenen Akt warten wir – wenn auch mit Bitterkeit im Herzen, die die Band unweigerlich in ihren Ruhm mitziehen wird – schon ungeduldig.

Autoren: Helena Medved & Denis Paradiž
Fotos: Denis Paradiž und Máté Major
Video: Denis Paradiž

Setlist:
1. T.N.T. (AC/DC song) [Aufnahme]
2. Motivation (88 outro)
3. The Hell Song
4. Over My Head (Better Off Dead)
5. No Reason
6. Out for Blood
7. War
8. Underclass Hero
9. Noots
10. Landmines
11. Dopamine
12. Raining Blood (Slayer cover) (nur teilweise)
13. Master of Puppets (Metallica cover) (nur teilweise)
14. We’re All to Blame
15. Some Say
16. Screaming Bloody Murder
17. Walking Disaster
18. With Me
19. Makes No Difference
20. My Direction / No Brains / All Messed Up
21. Drum Solo
22. Preparasi a salire
23. Rise Up
24. Pieces
25. Fat Lip
26. Still Waiting
—Zugabe I.—
27. Summer
28. Waiting on a Twist of Fate
29. In Too Deep
30. I’ve Gotta Be Me (Sammy Davis Jr. song) [Aufnahme]
—Zugabe II.—
31. So Long Goodbye
32. My Way (Frank Sinatra song) [Aufnahme]


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