Spektakuläres Comeback von Lamb of God und Kreator in Ljubljana

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Ort: Ljubljana / Media Center (Open Air) / Slowenien
Datum: Dienstag, 9. 8. 2022

Die Festivalsaison läuft auf Hochtouren, und zwischendurch findet sich auch mal ein Tag für ein eigenständiges Konzert. Das heutige Konzert mit Metal-Giganten Lamb of God, deutschen Thrash-Metal-Urgesteinen Kreator, den Brutalisten Cattle Decapitation und Blood Incantation sowie Newcomern Vended wirkte wie ein kleines Mini-Festival. Aufgrund des großen Interesses entschieden sich die Veranstalter, das Konzert kurzerhand auf dem Parkplatz des Clubs Cvetličarna statt in der Halle selbst zu veranstalten – was sich zweifellos als kluge Entscheidung erwies, da so mehr Leute an Karten kamen. Die Kehrseite: Der Zeitplan musste angepasst werden, weil das Treiben bereits um zehn Uhr abends enden musste.

Los ging’s bereits um vier, als Vended die Bühne betraten. Eine junge Band, die bislang nur die EP What Is It/Kill It vorzuweisen hat. In der Band agiert Griffin Taylor, Sohn des berühmten Corey Taylor (Slipknot), und am Schlagzeug Simon Crahan – ebenfalls Sohn eines Slipknot-Mitglieds, nämlich des Drummers Shawn Crahan. Der Slipknot-Einfluss ist also unübersehbar. In einer halben Stunde lieferten Vended einen ziemlich energischen Auftritt ab, was für eine so junge Band, die noch Erfahrung sammelt, durchaus angemessen ist. Musikalisch bewegen sie sich in einem Mix aus verschiedenen (Sub-)Genres – Nu Metal, Hardcore und Metalcore sind klar herauszuhören. Das Ganze erinnert stark an die frühe Phase von Slipknot, allerdings ohne die so intensiven Drums. Vended versuchen es eher aggressiv anzugehen, auf Verschönerungen verzichten sie (zumindest noch). Vended machen auf jeden Fall Hoffnung, aber für mehr muss man auf ein Album warten, das zeigen soll, welchen Stil die Band eingeschlagen hat. Hauptsache, sie kopieren Slipknot nicht bis zur Unkenntlichkeit.

Danach folgten Blood Incantation, eine Death-Metal-Band aus Denver. Die Gruppe, die vor einigen Jahren schon den Kopraner Club CMK besucht hatte, machte also erneut in Slowenien Station und servierte ziemlich eigenständigen Death Metal. Blood Incantation schwören mit ihrem Stil auf alten Death Metal, aber auf eine besondere Weise. Im Gegensatz zu modernen technischen Death-Metal-Bands beziehen sie sich auf die amerikanische und kanadische Szene der Neunziger, was besonders Fans von Morbid Angel und Gorguts anspricht. Mit ihrem Repertoire demonstrierte die Band ein hohes Maß an Technik, kombiniert mit psychedelischen Einschüben und ungewöhnlichen Strukturen – das wirkte wirklich einzigartig. Die Band hat drei Alben und eine EP im Gepäck. Das letzte Album wurde aus dem Repertoire ausgeklammert, da es sich um ein Ambient-Werk handelt. Blood Incantation sind zweifellos Eigenbrötler, auch wenn ihnen der Sound wirklich nicht gnädig war – bei so komplexer Musik klingt das Ganze chaotisch und infolgedessen kaum hörbar. Trotzdem eine Band, die es sich lohnt zu sehen; gerade in einem Club würden sie noch viel besser zur Geltung kommen.

Cattle Decapitation sind in den letzten zehn Jahren viel auf Tour und haben dabei auch einige Male in Slowenien haltgemacht. Sie haben sowohl im Festival-Rahmen als auch eigenständig in Clubs begeistert. Diesmal gelang es der Band endlich, auch in Europa die Songs vom letzten Album Death Atlas vorzustellen, das 2019 erschienen ist. Als ihre Tournee Bring Back The Plague ironischerweise aufgrund einer Pandemie abgesagt wurde, dauerte es ziemlich lange, bis Cattle Decapitation nach Europa zurückkehrten. Das Repertoire war logischerweise fast vollständig auf das letzte Album fokussiert, das natürlich den brutalen Stil der Band beibehält. Die Gruppe hat in all den Jahren nicht nachgelassen – im Gegenteil, sie haben sich mit einem zusätzlichen Gitarristen weiterentwickelt, wodurch der Sound deutlich voller klang als beim letzten Besuch bei uns. Cattle Decapitation setzen nach wie vor auf Brutalität, und eine Besonderheit ist natürlich Sänger Travis Ryan, der sich bei einem Song unter anderem in die Hände spuckte und sich das Ergebnis dann selbstverständlich im Gesicht verteilte. Offensichtlich mangelt es ihm wirklich nicht an Appetit. Neben der gitarristischen Präzision verdient auch die Rhythmussektion Lob. Bassist Olivier Pinard füllte mit seinen Linien das Klangbild noch weiter aus, während Drummer David McGraw unglaublich schnell und präzise dominierte und den Großteil des Repertoires durchblastete. Auch der Sound selbst verbesserte sich ein wenig, sodass CD nicht allzu chaotisch und kopflos klangen. Cattle Decapitation sorgten zweifellos für den Höhepunkt der Brutalisierung bei diesem Event.

Als Vorletzter traten Kreator auf, die in den letzten zwanzig Jahren viele Male in Slowenien Halt gemacht haben. Kreator war eigentlich schwer zu verpassen, weil sie hier praktisch bei jeder Gelegenheit aufgetaucht sind. Seit dem letzten Besuch haben Kreator ein neues Album eingespielt und auch den Bassisten gewechselt – den Platz am Bass belegt jetzt Frédéric Leclercq, der zuvor sein Geld bei Dragonforce verdient hat. Kreator werden bald 40 Jahre alt, was in jeder Hinsicht Respekt verdient – dass eine Band so lange im Thrash Metal durchhält. Besonders muss auch die Form gelobt werden: Zwar sind sie nicht mehr ganz so energiegeladen wie einst, aber ihr Auftritt wirkte keineswegs routinemäßig. Überraschungen im Repertoire gab es allerdings keine. Kreator spielten mehr oder weniger eine Festival-Best-of-Setlist, also gab es die immergrünen Hits wie Violent Revolution, Enemy of God, Hordes of Chaos, Phobia, Phantom Antichrist usw. Etwas Promotion erhielt auch das diesjährige Album Hate über alles, das die eine oder andere Überraschung bereithält – aber Kreator setzten eher auf den typischen Stil und auch auf Klischees wie zum Beispiel den Song Strongest of the Strong. Kreator präsentierten leider ein kürzeres Set, da ihnen auch nicht der Headliner-Platz gebührte – für ein längeres Set muss man also auf eine neue Tour warten. Der Abschluss stand ganz im Zeichen des typischen Kreator-Stils mit der immergrünen Flag of Hate und dem legendären Pleasure to Kill. Kreator absolvierten ihren Auftritt ordentlich, der eine oder andere Patzer war aber zu bemerken – besonders Drummer Ventor kann in Momenten etwas ungenau sein. Das Gitarren-Duo Petrozza und Yli-Sirniö überzeugte hingegen erneut. Letzterer vor allem wegen seiner Melodien und seines Sologitarrenspiels. Kreator sind zweifellos noch nicht abzuschreiben. Es würde allerdings nicht schaden, das Repertoire mit der einen oder anderen weniger naheliegenden Nummer aufzufrischen.

Das Comeback von Lamb of God war mehr als willkommen. Die Band spielte zuletzt 2010 in Slowenien. In dieser Zeit haben Lamb of God ein Dutzend Alben herausgebracht, Drummer Chris Adler verließ die Band und Art Cruz trat in seine Fußstapfen. Auf dieser Tour spielten sie mit einem Ersatzgitarristen – den Platz belegte der erfahrene Phil Demmel (Vio-Lence, ex-Machine Head), der Willie Adler ersetzte, der aus persönlichen Gründen diesmal nicht nach Europa kommen konnte. Lamb of God eröffneten ihr Set mit Memento Mori vom letzten Album, das vor zwei Jahren erschienen ist. Die Band brauchte nicht lange, um die Skeptiker zum Schweigen zu bringen. Auch der Sound verbesserte sich deutlich, sodass man den Auftritt von Lamb of God wirklich genießen konnte. Die Band überzeugte mit einem souveränen Auftritt, hervorragender Eingespieltheit und ihrem einzigartigen Sound. Die Band zeigte genug Energie – besonders herausragend war Sänger Randy Blythe, der das Publikum auch gut animierte, ordentlich durchzudrehen. Im Repertoire platzierten Lamb of God ihre Erkennungsmarken wie Now You’ve Got Something to Die For, Ruin, Laid to Rest, 512, Walk With Me In Hell u.a. Vorgestellt wurde auch die eine oder andere Neuigkeit vom kommenden Album Omens, das im Herbst erscheinen soll. Durch das gesamte Set gab es bei der Band kein Nachlassen. Auch die Beleuchtung war mehr als auf dem Punkt. Lamb of God präsentierten sich in einer etwas anderen Besetzung, aber Phil Demmel integrierte sich hervorragend in die Band. Drummer Art Cruz dominierte an seinem großen Kit mit unglaublicher Präzision und einem Sinn für Groove. Lamb of God absolvierten ihren Auftritt mit Auszeichnung, und das Konzert schlossen sie mit dem Erkennungsstück Redneck ab, bei dem sich ein riesiger Circle Pit bildete – was für diesen Song ja bekannt ist. Lamb of God

Auf dem Parkplatz vor der Halle Cvetličarne spielte sich ein waschechtes Metal-Spektakel ab. Eine Veranstaltung, die mit ihrer guten Bandauswahl locker mit einem guten Tag auf einem Festival mithalten kann. Ein Konzert, das viele Metal-Fans zu den besten Konzerten des Jahres zählen werden.

Fotos: Sebastijan Videc

Vended

Blood Incantation

Cattle Decapitation

Kreator

Lamb of God

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