Spectrum

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Interpret: Howe, Steve
Label: Inside Out Records
Veröffentlichung: 2005
Bewertung: 3/5

Mit „Spectrum“ hat Steve Howe seiner Sammlung noch ein neues, musikalisch breit angelegtes Soloalbum hinzugefügt. Auf der Platte halfen ihm wieder seine Söhne Dylan am Schlagzeug und Virgil an den Keyboards. Mit dabei war außerdem Oliver Wakeman (Keyboards), während Steve sich als Bassisten den hyperaktiven Herrn des „Bass Sticks“ geschnappt hat: Tony Levin. Kaum vorstellbar, wie Levin in so viele Bands gleichzeitig eingebunden ist. Bassist bei Peter Gabriel sein, Mitglied bei King Crimson, nebenbei das eigene Studiomaterial veröffentlichen,… Wenn man mal kurz nachdenkt: Levin war schon beim „Quasi“-Yes-Projekt Anderson/Bruford/Wakeman/Howe (1989) dabei, „Yesman“ Steve, Dylan und Virgil sind sowieso die Familie Howe, und Oliver ist der Sohn eines weiteren „Yesman“, Rick Wakeman. Fehlt also nur noch Jon Anderson, und man könnte über „Spectrum“ sagen, es sei eine besondere Inkarnation von Yes.

Aber Spaß beiseite! „Spectrum“ ist eine Sammlung von 15 kurzen Instrumentals, durchdrungen von der Grundsprache der Gitarre, die Howe natürlich auf einzigartige Weise beherrscht. Darin erforscht er wieder verschiedene Musikrichtungen und testet provokant ihre Verträglichkeit – was bei ihm ohnehin eine Konstante ist. Howe wandert erneut von purer Klassik über Jazz und lässt natürlich auch die echten „Rocker“-Griffe nicht aus. Die Platte eröffnet mit dem quirligen, flotter beschlagenen Tiger’s Den, das Jazz- und Rock-Elemente direkt verbindet und obendrein mit „Slide“-Gitarre gewürzt ist. Ein noch schöneres Beispiel für die Klasse von Howes Fusion-Kunst ist der folgende Song namens Labyrinth, der mit einer Eröffnung im barock-renaissancehaften akustischen Stil überrascht, bevor sich die Klangpaletten fast spontan aufeinanderzuschichten und ineinanderzufügen beginnen, bis der Song wieder zu einer ausdrucksstarken, einzigartig Howe’schen Mischung aus Jazz und Rock wird, die jene bekannte Qualität eines Musikgiganten trägt. Das ist eine Aneinanderreihung von Motivwechseln auf faszinierend unvorhersehbare Weise. Unglaublich, wie sich Howe, wie ein geschickter Schachspieler, ständig mehrere Optionen offenhält, während er durch seine Musik spaziert – für einen plötzlichen, völlig unvorhersehbaren „Ausbruch“ in eine andere musikalische „Galaxie“ (ein anderes Genre). Dabei macht Howe das wieder bemerkenswert raffiniert. Auch der Song Ultra Definition ist eine hervorragende Fusion vieler Gitarrentonalitäten, und für die besondere Atmosphäre sorgt darin Oliver Wakeman an den Keyboards. Band Of Light eröffnet Howe mit der Dobro, und hier ist ein Country-Hauch zu spüren, während er in Ragga Of Our Time sogar die Sitar nicht vergessen hat, samt Percussion im hinduistischen Ethno-Folk-Element.

Wirklich! Das Album ist dynamisch, denn Howe dreht sich darauf durchgehend meisterhaft und gewandt durch unvorhersehbare stilistische Ausreißer in den Songs. Der Gitarrist hat dafür ein außergewöhnliches, ich würde fast sagen angeborenes Gespür! Da sieht man, wie er mit Erfahrung gewappnet ist, denn so mancher Musiker würde bei so einer genremäßig vielfältigen Gymnastik ziemlich schnell den roten Faden verlieren – Steve Howe kodiert sie dagegen so wirkungsvoll durch seine ganz eigene Sprache des gitarristischen Solo-Geflechts. Klar, bevor ich es vergesse: Howe ist wieder von erstklassigen Musikern umgeben, die jeweils ihr Tüpfelchen auf dem „i“ beigesteuert haben. Howe sagte dazu, er habe ein Album aufnehmen wollen, das seine Lebenseinstellung widerspiegelt, indem es natürliche Energien, Liebe und Optimismus vereint. Und das ist ihm wieder überzeugend gelungen.

Im progressiven Sinne so raffiniert zu sein wie Howe heißt, zarte Figuren aus vielfarbigen Motiven aneinanderzureihen, so wie man sich frisches Frühlingslaub an den Bäumen vorstellt, das noch knospt und sich sanft der Morgensonne entgegenwindet. „Spectrum“ ist leichtfüßig, aber dabei ein Album mit der strikten Kennzeichnung „progressive“. Es ist eine traditionelle Platte von Steve Howe, die wieder ein bisschen anders ist als alle vorherigen – und ein großes Plus ist natürlich auch , dass Howe auf ihr nicht einmal den Mund aufgemacht hat.

Besetzung

Steve Howe – Gitarre
Oliver Wakeman – Keyboards
Virgil Howe – Keyboards
Tony Levin – Bass
Dylan Howe – Schlagzeug

Produktion

Steve Howe

Tracklist

1. Tigers Den (3:46)
2. Labyrinth (3:57)
3. Band Of Light (3:34)
4. Ultra Definition (3:39)
5. Raga Of Our Time (4:12)
6. Ebb and Flow (4:03)
7. Realm Thirteen (4:27)
8. Without Doubt (3:45)
9. Highly Strung (4:30)
10. Hour Of Need (5:13)
11. Fools Gold (4:05)
12. Where Words Fail (4:16)
13. In The Skyway (3:13)
14. Livelihood (3:34)
15. Free Rein (3:52)

Spielzeit: 60:06

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