Die Šiška-Reise von Göteborg nach Lissabon (2025)
Dark Tranquillity (Vorgruppen: Moonspell & Hiraes)
Samstag, 19. 4. 2025, von 19.15 bis 23.10 Uhr
Ljubljana / Kino Šiška / Slowenien
Der Samstagabend vor Ostern hüllte das Kino Šiška diesmal in überwiegend melodische Death-Metal-Farben – schwarz, natürlich. Überwiegend, weil Moonspell eben nicht so recht in diese Schublade passen. Trotz guter Auslastung der Halle war das Konzert leider nicht ausverkauft, wofür möglicherweise auch der Metal-Abend im Rahmen des Ortofests verantwortlich war. Genau die Langlebigkeit beider Hauptacts des Abends hat dennoch Besucher aller Generationen und auch aus den Nachbarländern ins Kino Šiška gelockt.
Leider hielten uns berufliche Verpflichtungen so lange auf, dass wir den Auftritt der deutschen Band Hiraes verpassten. Es handelt sich um eine junge Band, die in einer halben Stunde hauptsächlich ihr letztes Jahr erschienenes Album Dormant präsentierte – doch hinterließen sie laut Berichten der Besucher einen lauen Eindruck, besonders Sängerin Britta Görtz, die vor Jahren in der Band Cripper begeisterte.
Moonspell gelten als einer der Pioniere des Gothic Metal und definitiv als die Nummer eins der portugiesischen Metal-Szene überhaupt. Die Band ist nämlich seit mehr als drei Jahrzehnten aktiv, hat in dieser Zeit 12 Studioalben veröffentlicht, und ihr Debüt, Wolfheart, feiert genau in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Diesen Zahlen entsprechend verneigten sich die Portugiesen im Kino Šiška vor ihren Fans und spazierten in gut einer Stunde durch einen Großteil ihrer Diskografie.
Dem Opener mit einem Doppelpack aus ihrem zweiten Album Irreligious folgte Common Prayers, der einzige gespielte Song aus dem aktuellen Album Hermitage. Bandleader und Frontmann Fernando Ribeiro führte die Band meisterhaft durch den Auftritt und hielt die Halle in Begeisterung. Der Band merkt man die Eingespieltheit an – denn mit Ausnahme von Drummer Hugo Ribeiro (nein, er ist nicht mit Fernando verwandt), der Moonspell 2020 beitrat, musizieren die übrigen Mitglieder seit mehr als 20 Jahren zusammen, Fernando und Keyboarder Pedro Paixão sogar von Anfang an. Genau dieser Pedro verabschiedete sich mitten im Konzert für zwei Songs von seinen „Orgeln“ und schnallte sich die E-Gitarre um, um sich in den vordersten „Kampfreihen“ zu Aires am Bass und Ricardo an der Gitarre zu gesellen.
Auch wenn Moonspell bei uns hauptsächlich im Rahmen der Festivals Metalcamp und Metaldays aufgetreten sind, war dieser Auftritt eine willkommene frische Abwechslung im Ljubljanaer Konzertgeschehen. Die melancholischen Rhythmen und Melodien, die an den zartesten Stellen schon an den Sound von Depeche Mode grenzten, bis hin zu den treibenden Rhythmen von Alma Mater, beweisen jedenfalls, dass Moonspell nach all dieser Zeit noch immer wissen, wie man die Dinge richtig anpackt.
Ende der Achtzigerjahre krochen aus der Ursuppe, die in der zweitgrößten schwedischen Stadt, Göteborg, brodelte, drei Namen hervor, die die Metal-Szene stark prägten und vor allem ein neues Metal-Genre schufen – Melodic Death Metal. Das waren At the Gates, In Flames sowie die Headliner des Samstagabends, Dark Tranquillity. Vor allem bei den letzteren beiden gab es mehrere Mitgliederwechsel – Anders Friden war eigentlich der erste Sänger von Dark Tranquillity und Mikael Stanne bei In Flames. 1993, nach dem Erscheinen des Dark Tranquillity-Debüts Skydancer, verließ Friden die Band und Stanne griff zum Mikrofon. Die Band wurde in der Zeit vor etwa zehn Jahren von enormen personellen Veränderungen erschüttert, sodass Stanne als einziges Gründungsmitglied verblieb.
Wie schlagen sich diese verjüngten Dark Tranquillity in der Praxis? Hervorragend. Zwar haben sich die Schweden im vergangenen Jahr bereits dem slowenischen Publikum beim Festival Tolminator vorgestellt, doch die Band unter Stannes Regie zeigt keine Anzeichen von Nachlassen. Man sagt, man muss mit gutem Beispiel vorangehen – und genau das kann man ihm kaum absprechen. Nicht nur, dass er schon in der vierten Dekade seine Hauptband steuert – in den letzten Jahren hat er auch noch die Vocals bei The Halo Effect übernommen, einer Melodeath-Band, die er zusammen mit seinen Jugendfreunden aus der Entstehungszeit dieser Bands bildet, sowie bei den gothic-affinen Cemetery Skyline, die mit ihrem Debüt ebenfalls die Herzen vieler Liebhaber melancholischer Musik rund um den Globus erobert haben. All das zeigt auch seine Vielseitigkeit, denn der Wechsel von Death-Metal-Vocals zu Clean Vocals macht ihm überhaupt keine Probleme.
Und so war es auch am Samstag in der Šiška. Vocals souverän, sowohl growlend als auch clean, genauso wie die Kommunikation mit Publikum und Band. Im Hintergrund steuerte Martin Brändström atmosphärische Einlagen bei – der einzige Kollege in der Band aus den wilden Neunzigern, als sie gemeinsam den Sound erschufen, der ihre Vision des Melodic Death Metal definierte. Das Gitarren-Duo Reinholdz und Karmark agierte eingespielt und gleichzeitig kontrastreich – während Reinholdz mit finsteren Blicken eher „tr00 metallic“ wirkte, stand der Däne, der erst letztes Jahr zur Band stieß, mit dauerndem Lächeln Stanne Konkurrenz und sorgte für gute Laune! Nilsson am Schlagzeug und Jansson am Bass ließen sich nichts schuldig bleiben und spielten das Konzert, wie es sich gehört.
Das anderthalbstündige Konzert war erwartungsgemäß hauptsächlich der Präsentation des neuen Albums Endtime signals gewidmet, doch landeten überraschenderweise gleich vier Songs aus dem 2002 erschienenen Album Damage Done und dem 2007er Fiction auf der Setlist. Die gute Besucherzahl und die Mitarbeit des Publikums sind der Beweis, dass weder Moonspell noch Dark Tranquillity schon zum alten Eisen gehören.
Autoren: Jerneja Jerak Videc & Sebastijan Videc
Fotos: Sebastijan Videc
Moonspell















Dark Tranquility






















