Septicflesh erneut zu Gast im Orto bar (2019)

KRISIUN / Orto bar / Ljubljana 2019 (foto: ROBERT ZUPANČIČ)
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Auftretende: Xaon, Diabolical, Krisiun, Septicflesh
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Datum: Mittwoch, 27.03.2019


Die griechischen Symphonic-Death-Metal-Recken Septicflesh ruhen sich nicht aus. Ihr letztes Album Codex Omega (2017) haben sie rund um den Globus promotet, doch bevor sie sich wieder ins Studio verziehen, hat die Band noch eine weitere Europatournee draufgelegt – mit einem Stopp natürlich auch in Slowenien. Man könnte der Gruppe zwar vorwerfen, dass sie ein bisschen zu häufig vorbeischaut, aber das diesmalige Package war für alle Death-Metal-Fans mehr als Grund genug, Septicflesh erneut live zu erleben. Als Begleitung dabei: die brasilianischen Death-Metal-Veteranen Krisiun, die Schweden Diabolical und die Schweizer Xaon.

Den Abend eröffneten die Schweizer Xaon – vor einer praktisch leeren Halle. Ausnahmen waren nur die Fotografen vorne und eine Handvoll Neugieriger. Zum Glück füllte sich der Saal aber bald etwas mehr, sodass die junge Band die Chance bekam, ihr Publikum mit ihrer Version des Symphonic Death Metal zu überzeugen. Die Gruppe gab ihr Bestes, doch echte Highlights waren kaum auszumachen. Ein neues Album ist in Arbeit, von dem einige Stücke gespielt wurden – da tut sich also was, aber Xaon werden noch eine Menge Ausdauer brauchen.

Diabolical stellten sich dem slowenischen Publikum nicht zum ersten Mal vor. Vor einigen Jahren auf der Metelkova hatten sie noch nicht ganz überzeugt, doch seit Sänger Sverker Widgren die Band Demonical verlassen und Diabolical in den Mittelpunkt gerückt hat, läuft es spürbar besser. Die Gruppe hat kürzlich das Album Eclipse veröffentlicht, aus dem der Großteil des Sets stammte. Dazu gab es auch Stücke vom Album Neogenesis. Diabolical spielen im Kern Death Metal, aber mit einigen Black-Metal-Einsprengseln, die dem Ganzen eine atmosphärischere Note geben. Eine Assoziation zu Hypocrisy drängt sich auf, doch Diabolical gehen die Sache anders an. Es gibt düstere Momente mit Klargesang, vereinzelt auch Orchesterarrangements. Und dann taucht zwischendurch ein flotter Track im eher traditionellen Stil auf. Konzeptuell eine interessante Sache, die noch etwas Zeit brauchen wird, um ein größeres Publikum zu erreichen – und vor allem häufigere Touren.

Das brasilianische Death-Metal-Trio Krisiun braucht wohl keine große Vorstellung. In den letzten zehn Jahren haben sie Slowenien schon mehrfach besucht und besonders beim Metaldays-Festival überzeugt. Die von drei Brüdern geführte Band zeigt keinerlei Anzeichen von Nachlassen. Im Set gab es brutalen Death Metal, der bis heute als Synonym für schnelles und präzises Spielen gilt. Wer am meisten heraussticht, ist schwer zu sagen. Die Brüder sind untereinander perfekt synchronisiert, trotz des halsbrecherischen Tempos ist kein Fehler zu hören. Anfangs fällt vielleicht Drummer Max Kolesne besonders auf, aber schnell merkt man, dass Gitarrist Moyses Kolesne und Bassist Alex Carneiro keinen Deut hinterherhinken. Das einzige Problem, das Krisiun haben: die schnellen Stücke können nach einer Weile etwas eintönig wirken – aber es gibt auch mal ein langsameres Teil, und als Auflockerung kam noch ein Cover von Motörhead: Ace of Spades. Nach fast drei Jahrzehnten, wo Kondition eigentlich fraglich sein müsste, sind Krisiun noch immer souverän, schnell, brutal und kompromisslos.

Dann waren noch Septicflesh dran, die in Slowenien erstmals 2008 als Vorband von Hate Eternal auf sich aufmerksam machten. Die Band existierte damals schon viele Jahre, aber genau zu dieser Zeit begann mit dem Album Communion ein neues Kapitel – pompöser und aufwändiger dank des integrierten Sinfonieorchesters. Nach Communion haben Septicflesh noch drei weitere erfolgreiche Alben veröffentlicht, die Fangemeinde ist gewachsen, und die Konzerte sind entsprechend gut besucht. In den letzten zehn Jahren haben Septicflesh Slowenien mehrfach besucht, und bei jedem Auftritt wurde der Rückhalt des slowenischen Publikums größer.

Septicflesh beendeten diesmal ihre Tournee zum letzten Album Codex Omega (2017), das sie im Orto bar bereits gut ein Jahr zuvor präsentiert hatten. Sie griffen auf ihre letzten vier Alben zurück, die unter den Fans auch die größte Anerkennung genießen. Die Reaktion des Publikums war fantastisch. In den vorderen Reihen ging es auf jede erdenkliche Art ab, auch ein Moshpit war zu beobachten. Am Spiel der Band gibt es nichts auszusetzen: Der Rhythmus hält stand, und Spiros Antonious Gesang ist nach wie vor kräftig und tief – was die Düsterheit der Texte hervorragend unterstreicht. Haken gab es beim Sound, der nie zu seiner vollen Stärke fand. Auch die Orchesterarrangements, die vom Band laufen, gingen im Lärm unter, was zu einem unvollständigen Klangbild führte. Septicflesh sind mit ihrem Soundkonzept schlicht und einfach nicht für kleinere Hallen wie den Orto bar gemacht. Aber angesichts der aktuellen Popularität der Band muss man sich damit abfinden. Septicflesh live zu sehen lohnt sich – aber man kann nicht garantieren, dass jeder Besucher vollauf zufrieden sein wird.

Aller Kritik zum Trotz haben Septicflesh, Krisiun, Diabolical und Xaon im Orto bar für ein interessantes Konzert gesorgt, das eine gehörige Portion Brutalität, Orchesterklang und Düsterheit geboten hat.

Autor: Primož Novak
Fotos: Robert Zupančič


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