Satan : Cruel Magic

0 199

Veröffentlichungsdatum: 07.09.2018
Label: Metal Blade Records
Produktion: Satan, Dave Curle & Dario Mollo
Spieldauer: 49:46
Wertung: 10/10


Wenn jemand nach mehr als 30 Jahren Schaffen wirklich für seine Taten einsteht, dann lässt sich das federleicht über die kultigen britischen N.W.O.B.H.M.-Schwergewichte Satan sagen! Mit »Cruel Magic« haben sie erneut erfolgreich alle Prüfungen der Zeit und kreativen Autorenschaft bestanden. Ohne Blatt vor dem Mund und geradeheraus gesagt: »Mit Auszeichnung«.

Satan sind Zeitgenossen von Iron Maiden – von denen die in letzter Zeit (vom kommerziellen Gigantentum betrunkenen) Iron Maiden sich nur noch eine Scheibe abschneiden können. Satan bleiben nämlich auch im reifen Alter außergewöhnliche Old-School-Metal-Rebellen, die keine Gefolgschaft anerkennen, nicht einen Hauch von Produktionskitsch und Weiterentwicklung der Aufnahmetechnik gutheißen – und auch auf neuen Alben klingen, als wäre es 1981 und nicht 2018! So analog wie es eben geht.

Satan sind und bleiben totale Rebellen. Die authentischste Reflexion der Old-School-Form des britischen Heavy-Metal-Bekenntnisses, direkt aus dem Jahr 1977 in die Gegenwart transportiert! Auch »Cruel Magic« besitzt Gift, Zorn, Böses! Jede Menge postapokalyptischer Visionen und Texte, durchtränkt von Okkultismus, Hexerei und dem persönlichen Niedergang des Individuums. Brian Rosss sinnliche und erlebte Interpretation der Verse fügt sich unglaublich stimmig in das kataklysmische Bild der führenden Phrasierungsstrukturen und Übergangsornamente ein – kurzum, in die Struktur der Kompositionen selbst. Brian Ross bewahrt eine außergewöhnliche vokale Explosivität, unglaubliche Kraft und Stimmumfang! Wenn er sich an die höchsten Register und Schreie macht, erledigt er das mit erschütternder Überzeugungskraft. Der durchdringende, charismatische und auf eine Meile erkennbare Stimmertrag dieses legendären Sängers – den auch Fans von Blitzkrieg bestens kennen – bleibt eines der markantesten Markenzeichen der Musik von Satan.

»Cruel Magic« folgt der ausdrucksstarken Ausstrahlung des außergewöhnlichen Vorgängers »Atom By Atom«, von dem es hieß, dass ihn, sollte er jemals erscheinen, kaum ein neues Satan-Album würde toppen können. Satan bestätigen auch in der neuen Ära mit einer Konzertserie, dass es sich um eine Band handelt, die unglaublich erfahren und fokussiert ist – eine Gruppe, in der die Energieströme zwischen den Mitgliedern phänomenal funktionieren. Das haben wir bei Begegnungen mit der Band erlebt, als Satan 2016 beim Bang Your Head Festival auftraten, ebenso beim Metaldays Festival (im selben Jahr). Diese großartige Stimmung, die exzellente Bühnenform und die hochinspirierte Kreativität haben die Jungs also höchst effektiv vom Album »Atom By Atom« auch auf das neue Album »Cruel Magic« übertragen.

Dieses ist in seinen kompositorischen Strukturen noch etwas komplizierter, variabler strukturiert, wirkt sogar leicht pompöser, obwohl es durchgehend von einer ausgesprochen düsteren und postapokalyptischen Atmosphäre durchzogen wird (Ophidian). Satan halten 2018 an der typisch insularen Produktion der Punk-Ära der späten Siebziger fest. Das Schlagzeug klingt bewusst kastig (Snare), doppelte Bass-Drum-Böller lässt Satan in keinster Weise gelten, die Riffs fließen dreckig dahin und beißen wie rasende Pit Bulls. Voller außergewöhnlicher Schärfe und Ungeschliffenheit. Beide Gitarristen liefern sich außergewöhnliche Soloduelle, ergänzen sich mehrfach geschickt durch Zierlauf-Passagen in Terzharmonien, und viele Phrasen reißen sie dabei meistens einfach ab (mit höllischer Geschwindigkeit). Klassiker. Vollkommene N.W.O.B.H.M.-Klassiker.

Wenn man die Musik von Satan heute mit noch aktiven Generationsgenossen wie Tygers of Pan Tang, Cloven Hoof, Overdrive, Blitzkrieg, Weapon UK, Diamond Head vergleicht, ist es keine Übertreibung, beim vergleichenden Hören der neuesten Werke dieser Bands zu dem Schluss zu kommen, dass Satan von allen Genannten den primordialen Zorn des N.W.O.B.H.M.-Aufbegehrens auf die neuesten Werke am authentischsten und reinsten übertragen haben! Schon das einleitende Into the Mouth of Eternity bringt dir sofort den Quellcode des Metal-Pioniergeists klassischer N.W.O.B.H.M.-Riffage näher – von der sich z.B. Metallica kreativ genährt und inspirieren ließen, als sie ihre ersten Schritte in die Welt des Metals machten und begannen, ihre ersten Riffs zusammenzubauen.

»Cruel Magic« ist ein Album, dem man einfach nicht müde wird – so ehrlich und echt ist es. In allem, was es liefert. Voller großer Eindringlichkeit der gitarristischen Phrasierung, die innerhalb der Kompositionen enorme Variabilität erreicht. Es gibt jede Menge geistreicher Passagen, die die außerordentliche spielerische und arrangierische Flexibilität sowie den Zusammenhalt aller Klangbausteine der Band bestätigen. »Cruel Magic« ist ein Album, dem man sich nur mit folgender »Notiz« verneigen kann: »Hör hin und lern!« Der Band geht der Dynamit nicht aus – und hoffentlich wird diese in ihrer ganzen heiligen Grausamkeit ihres Zeremoniells schlicht wunderbare Magie diese legendäre Band weiterhin aufrecht und am Laufen halten!

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
01. Into The Mouth Of Eternity
02. Cruel Magic
03. The Doomsday Clock
04. Legions Hellbound
05. Ophidian
06. My Prophetic Soul
07. Death Knell For A King
08. Who Among Us
09. Ghosts Of Monongah
10. Mortality

Besetzung:
Brian Ross – Gesang
Russ Tippins – Gitarre
Steve Ramsey – Gitarre
Graeme English – Bassgitarre
Sean Taylor – Schlagzeug

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies