Cruel Magic
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Satan
Label: Metal Blade Records
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 49:46
Wertung: 5/5
Wenn jemand nach mehr als 30 Jahren Bandgeschichte voll hinter seinem Schaffen steht, dann können wir das mit federleichter Überzeugung von den kultigen britischen N.W.O.B.H.M.-Schwergewichten Satan behaupten! Mit »Cruel Magic« haben sie erneut erfolgreich alle Bewährungsproben kreativer Eigenständigkeit bestanden. Ohne Blatt vor dem Mund und geradeheraus gesagt: »Mit Auszeichnung bestanden«.
Satan sind Zeitgenossen von Iron Maiden – von denen sich die in letzter Zeit (vom gesamten kommerziellen Gigantismus berauschten) Iron Maiden nur noch eine Scheibe abschneiden können. Satan bleiben nämlich auch im reifen Alter unverbesserliche old-school-Metal-Hardliner, die keine Unterwerfung akzeptieren, keinen Hauch Produktionskitsch und keiner Entwicklung der Aufnahmetechnik huldigen – und klingen auf neuen Alben, als wäre das Jahr 1981 und nicht 2018! Rein analog gesprochen.
Satan bleiben absolute Rebellen. Die authentischste Reflexion der alten britischen Heavy-Metal-Bekenntnisform, direkt aus dem Jahr 1977 in die Gegenwart transportiert! Auch »Cruel Magic« besitzt Gift, Wut, Böses! Jede Menge postapokalyptischer Visionen und Texte, durchtränkt von Okkultismus, Hexerei und dem persönlichen Verfall des Einzelnen. Brian Ross‘ sinnliche und intensiv nacherlebte Interpretation der Verse fügt sich unglaublich stimmig in das kataklysmische Bild der treibenden Phrasierungsstrukturen und Übergangsornamente ein – kurz gesagt: in die Kompositionsstruktur selbst. Brian Ross bewahrt eine außerordentliche vokale Explosivität, unglaubliche Kraft und vokale Reichweite! Wenn er sich an die höchsten Register und Schreie wagt, liefert er sie mit erschütternder Überzeugungskraft ab. Durchdringend, charismatisch und auf Meilen wiedererkennbar ist der Stimmertrag dieses legendären Sängers, den auch Fans von Blitzkrieg bestens kennen – er bleibt eines der markantesten Markenzeichen der Musik von Satan.
»Cruel Magic« folgt der bekenntnishaften Ausstrahlung des außergewöhnlichen Vorgängers »Atom By Atom«, von dem es hieß, dass ihn – sollte er je erscheinen – kaum ein neues Satan-Album würde überbieten können. Satan bestätigen auch in der neuen Ära mit einer Konzertreihe, dass es sich um eine Band handelt, die unglaublich erfahren und fokussiert ist – eine Gruppe, in der die energetischen Kräfte zwischen den Mitgliedern phänomenal funktionieren. Das haben wir bei unseren Begegnungen mit der Band erlebt, als Satan 2016 beim Bang Your Head Festival sowie beim Festival Metaldays (im selben Jahr) auftraten. Diese außerordentlich gute Stimmung, die hervorragende Bühnenform und die hochgradig inspirierte Kreativität haben die Jungs also äußerst wirkungsvoll vom Album »Atom By Atom« auch auf das neue Album »Cruel Magic« übertragen.
Dieses ist in seinen kompositorischen Strukturen noch etwas komplizierter – man könnte sagen: variabel strukturierter –, wirkt gar leicht pompöser, obwohl es durchgehend von einer ausgesprochen düsteren und postapokalyptischen Atmosphäre durchdrungen ist (Ophidian). Satan bewahren im Jahr 2018 die typisch britische Inselproduktion der Punk-Ära der späten Siebziger. Das Schlagzeug klingt bewusst kastig (Snare), mit doppelten Bassdrums geben sich Satan erst gar nicht ab, die Riffs sind schmutzig-roh und beißen wie tollwütige Pitbulls. Vollgepackt mit außergewöhnlicher Schärfe und Rauheit. Beide Gitarristen liefern sich außergewöhnliche Soloduelle, ergänzen sich mehrfach geschickt durch ornamentale Passagen in Terzharmonien, viele Phrasen reißen sie größtenteils einfach ab (mit höllischer Geschwindigkeit). Klassiker. Absoluter N.W.O.B.H.M.-Klassiker.
Wenn du die Musik von Satan heute mit noch aktiven Generationsgenossen wie Tygers of Pan Tang, Cloven Hoof, Overdrive, Blitzkrieg, Weapon UK, Diamond Head vergleichst, ist es keine Übertreibung, wenn du nach vergleichendem Hören der neuesten Werke dieser Bands zu dem Schluss kommst, dass Satan unter all den Genannten den urtümlichen Zorn des N.W.O.B.H.M.-Aufstands auf authentischste und unverfälschteste Weise auch auf ihre neuesten Werke übertragen haben! Schon das eröffnende Into the Mouth of Eternity bringt dir sofort den Quellcode des Metal-Pionierismus der klassischen N.W.O.B.H.M.-Riffage näher, aus dem sich z. B. Metallica kreativ genährt und inspirieren ließen, als sie ihre ersten Schritte in die Welt des Metals unternahmen und anfingen, ihre ersten Riffs zusammenzustückeln.
»Cruel Magic« ist ein Album, von dem du nicht genug bekommst, so ehrlich und wahr ist es. In allem, was es liefert. Vollgepackt mit großer Tiefenschärfe im Gitarrenphrasieren, das innerhalb der Kompositionen eine enorme Variabilität erreicht. Hier gibt es jede Menge witziger Passagen, die die außerordentliche spielerische und arrangiertechnische Flexibilität sowie den Zusammenhalt aller Klangbausteine der Band unter Beweis stellen. »Cruel Magic« ist ein Album, dem du dich nur mit folgender »Anmerkung« verneigen kannst: »Hör zu und lern!« An Dynamit mangelt es der Band nicht – und lass uns hoffen, dass eine solche, in all ihrer heiligen Grausamkeit der Vergeltung geradezu wunderschöne Magie diese legendäre Band auch weiterhin aufrecht und am Laufen hält!
Besetzung
Brian Ross – Gesang
Russ Tippins – Gitarre
Steve Ramsey – Gitarre
Graeme English – Bassgitarre
Sean Taylor – Schlagzeug
Produktion
Satan, Dave Curle & Dario Mollo
Tracklist
01. Into The Mouth Of Eternity
02. Cruel Magic
03. The Doomsday Clock
04. Legions Hellbound
05. Ophidian
06. My Prophetic Soul
07. Death Knell For A King
08. Who Among Us
09. Ghosts Of Monongah
10. Mortality