Ross „The Boss“ Friedman ist gestorben — ehemaliger Gitarrist von Manowar, The Dictators und Shakin‘ Street. Er wurde 72 Jahre alt. Die Nachricht wurde von der Metal Hall of Fame in einer Erklärung bestätigt, die nur wenige Wochen nach dem Start einer Benefizaktion zur Deckung von Friedmans Behandlungskosten veröffentlicht wurde, nachdem bei ihm Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), allgemein bekannt als Lou-Gehrig-Krankheit, diagnostiziert worden war. Darüber haben wir bei RockLine auch in einer gesonderten Meldung Anfang Februar dieses Jahres berichtet.
„Mit tiefer Trauer bestätigen wir den Tod des legendären Gitarristen, unseres lieben Freundes und Mitglieds der Metal Hall of Fame Ross „The Boss“ Friedman“, heißt es in ihrer Erklärung, die wie folgt weitergeht:
„Mit seiner Pionierarbeit galt er als Inspiration für künftige Punk-Rock- und Heavy-Metal-Bands; am bekanntesten war er als Gründungsmitglied von Manowar und The Dictators.
Ross wird für immer der ‚globale Botschafter des Metals‘ der Metal Hall of Fame bleiben. Sein außergewöhnliches Spiel, der unverwechselbare Ton und Sound, den er seiner Gitarre entlockte, und sein unerschütterlicher Fokus haben Generationen von Musikern und Fans auf der ganzen Welt geprägt.
Rosss Einfluss auf die Musik ist unermesslich. Von der rohen Energie des frühen Punks, der in den Siebzigern noch in den Kinderschuhen steckte, bis zur epischen Dimension, die er dem Heavy Metal einhauchte — sein Beitrag hinterlässt in beiden Genres einen bleibenden Abdruck.
Über seine Leistungen auf der Bühne und im Studio hinaus war Ross tief respektiert unter seinen Kollegen und bei Fans auf der ganzen Welt äußerst beliebt.
In dieser schweren Zeit sprechen wir seiner Familie, seinen Freunden, den Bandmitgliedern und Fans auf der ganzen Welt unser aufrichtiges Beileid aus. Weitere Details werden wir bekanntgeben, sobald sie verfügbar sind.“
Friedman wurde 1954 in New York geboren und gründete 1973 die wegweisende Proto-Punk-Band The Dictators. Nach seiner Mitwirkung an den ersten drei Alben der Band — darunter das klassische Debütalbum „Go Girl Crazy!“ — zog er nach Europa, um mit der französischen Hard-Rock-Band Shakin‘ Street zu spielen, nachdem der ursprüngliche Gitarrist der Band, Armik Tigrane, entlassen worden war, weil er sein Instrument verkauft hatte, um Heroin zu kaufen.
Friedman blieb lang genug bei Shakin‘ Street, um das Live-Album „Scarlet: The Old Waldorf“ (August 1979) und ein gleichnamiges Studioalbum aufzunehmen, bevor die Band 1981 auseinanderbrach. In dieser Zeit war er bereits assoziiertes Mitglied der fantasy-inspirierten Metal-Recken Manowar, zu denen auch Bassist Joey DeMaio, Sänger Eric Adams und Schlagzeuger Donnie Hamzik gehörten. Auf der Black Sabbath-Tournee zur Unterstützung des Albums Heaven And Hell im Jahr 1980 stellte Ronnie James Dio Friedman Joey DeMaio vor (Shakin‘ Street waren Vorband von Black Sabbath auf dieser Tournee), und noch im selben Jahr gründeten Friedman und DeMaio Manowar. Manowar wurden schnell vor allem für ihr Auftreten bekannt — sie trugen Fell — sowie dafür, dass sie beim Abschluss ihres ersten Plattenvertrags mit dem damaligen Label mit Blut unterschrieben und damit symbolisch ihre Hingabe an den Heavy Metal unter Beweis stellten.
Ross „The Boss“ Friedman nahm mit Manowar die ersten sechs Studioalben auf und veröffentlichte sie — die heute als große Klassiker des Metals gelten. Gerade sein außergewöhnliches Talent und sein Gespür für Phrasierung, sein einzigartiger Stil, Ton und Sound, die seine gitarristischen Ausflüge prägen, verleihen diesen sechs Alben einen besonderen Platz in der gesamten Manowar-Diskografie, die von vielen Fans der Band auf der ganzen Welt verehrt wird — ebenso wie von Bands, die sich von Manowar inspirieren ließen und nach ihnen den Power Metal begründeten. Manowar gilt in dieser Hinsicht als generationenübergreifende Inspiration für Power-Metal-Bands. Zu ihren Verehrern zählen u. a.: Blind Guardian, Rhapsody Of Fire, HammerFall und Sabaton (man denke nur mal daran, wie riesig Sabaton in den letzten Jahren auf globaler Ebene geworden sind, Anm. d. Red.). Zu den Bands, die ihren Sound und Stil maßgeblich beeinflusst haben, zählt auch die Melodic-Death-Metal-Sensation Amon Amarth.
Nachdem 1988 das letzte Manowar-Album erschienen war, auf dem Ross The Boss Friedman Gitarre spielte — nämlich „Kings Of Metal“ —, bat ihn Bandkopf und Bassist Joey DeMaio, die Band zu verlassen. Der Glanz der ersten drei Alben „Battle Hymns“ (1982), „Into Glory Ride“ (1983) und „Hail To England“ (1983) bleibt – vor allem dank des Beitrags des Gitarristen-, ungebrochen und ewig!
In den folgenden Jahren arbeitete Friedman mit einer Reihe verschiedener Künstler zusammen. U. a. spielte er mit Manitoba’s Wild Kingdom — zusammen mit seinen Kollegen aus The Dictators, Andy Shernoff und Handsome Dick Manitoba —, außerdem kollaborierte er mit The Hellacopters, The Nomads, Majesty, The Brain Surgeons, Burning Star, Atlantean Codex, Death Dealer,… Viele Jahre lang leitete er seine eigene Band Ross The Boss und nahm mit ihr vier Studioalben auf und veröffentlichte sie. Darüber hinaus war er weiterhin bei The Dictators aktiv, die im September 2024 ihr sechstes Album herausbrachten. Bei all dem Engagement des unvergesslichen Gitarristen strahlt sein Werk mit Manowar mit Abstand am hellsten — und es bleibt das meistgeschätzte, heute wie in Zukunft.
Im Bild: Ross The Boss beim Auftritt mit seiner Band im Rahmen des Bang Your Head!!!-Festivals am 13. 7. 2019 im deutschen Balingen (RockLine Fotoarchiv 2006-2026, alle Rechte vorbehalten). Die vollständige RockLine-Rezension zu diesem Festivaltag könnt ihr HIER nachlesen!