Das Gebrüll von Big Bad Wolf im Orto (2018)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Laibach / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 15.03.2018
Besucherzahl: 120
Eintritt: 6,00€

Das Jahr 2018 hat sich langsam in seine Bahnen eingependelt, und mit ihm die diesjährige Saison der Kadilnice of Death im Orto bar. Die diesjährigen Metal-Abende haben bereits ein buntes Aufgebot an heimischen Bands aufgeboten – besonders lobenswert, dass auch junge Gruppen ihre Chance bekamen, die ihre Konzertkilometer erst noch sammeln. Diesmal fand im Rahmen der Kadilnice zudem die erste Release-Party des Jahres statt. Letzten Donnerstag machten Großmütter und Rotkäppchen einen großen Bogen um die Orto bar, denn aus dem Dickicht war er nach Laibach gestapft, der hungrige Große böse Wolf – Big Bad Wolf mit seinem Erstling Outrage of Modesty.

Die Ehre, das Publikum warmzumachen, fiel der jungen Laibacher Band SkyEye zu – und was für ein Aufwärmen das war! SkyEye haben mit ihrer Debüt-EP Run For Your Life auf sich aufmerksam gemacht, auf der sich Heavy Metal von außergewöhnlicher Qualität verbirgt. Die Erwartungen waren entsprechend sehr, sehr hoch – und SkyEye haben sie zur großen Freude des nahezu brechend vollen Orto gerechtfertigt. Trotz ein paar kleinerer Gitarrenpatzer beim einleitenden Fire haben sie klargemacht, dass in Zukunft fest mit ihnen zu rechnen ist. Die Jungs haben von ihren Vorbildern Iron Maiden, Dio, Judas Priest nur das Beste mitgenommen und die Einflüsse zu einem verdammt eingängigen Gesamtpaket verschnürt. Was sie auszeichnet, ist ihr Gespür für das Schreiben von ungemein starken Songs mit mächtigen »sing along«-Refrains sowie instrumentales Können. SkyEye sind, anders als bei New-School-Heavy-Metal oft üblich, nicht nur auf dem Gitarrenfeld stark (das Duo warf eine Menge abwechslungsreicher Riffs und durchdachter Soli hin), sondern glänzt unter den sechs Saiten auch mit einer wunderbaren, flüssigen Rhythmussektion. Über allem thront Jans exzellenter und autoritativer Gesang, vor dem sich auch ein Name wie Bruce Dickinson nicht zu schämen bräuchte. Und der Typ wirkt, obwohl es erst das vierte Konzert von SkyEye war, bereits wie ein erfahrener Frontmann, der weiß, wo er sich auf der Bühne zu platzieren hat und wie er dem Publikum einheizen kann. Die Band überraschte neben dem ausgezeichneten EP-Material auch mit einer treuen Version von Aces High – noch mehr aber mit dem neuen Track Tsunami, der mit seiner Länge, dem ruhigen Intro, das wirkt wie das Zurückweichen des Wassers vor dem Einschlag des Tsunamis, und der zerstörerischen Fortsetzung mit zahlreichen Wendungen den Epen von Iron Maiden sehr nahekommt. SkyEye veröffentlichen irgendwann im September ihr Studioalbum – zweifellos eines der am sehnlichsten erwarteten Alben des Jahres, und das nicht nur im heimischen Revier.

Die einzigen auswärtigen Gäste des Abends, die ungarischen MindWalk, hatten nach den beeindruckenden SkyEye wirklich eine schwere Aufgabe. Es wäre nicht fair zu sagen, dass sie dabei völlig scheiterten, aber der nahezu leere Saal sprach Bände. Ähnlich leer war leider auch die Musik. Die Groove/Thrash-Mischung klang nämlich ausgesprochen generisch und musikalisch mindestens zwanzig Jahre zu spät. Bei MindWalk sind die Einflüsse southern-klingender, tief gestimmter Riffs à la Pantera und Metallica der Load/Reload-Ära übermäßig offensichtlich. Stellenweise schwimmen MindWalk auch in die Gewässer des Modern Metal, der Bands wie Disturbed und Godsmack nahesteht, doch trotzdem klingt das Ganze ziemlich eintönig – und den letzten Schliff, der so dringend nötig wäre, liefert auch der Gesang nicht, der weder Fisch noch Fleisch ist, wobei man von einem machistischen Frontmann mehr erwartet hätte als nur das. MindWalk sind also nach dem, was man diesmal sah, schnell in Vergessenheit geraten – lobenswert ist aber die Kollegialität mit den Headlinern des Abends, und ich hoffe, dass Big Bad Wolf bald zu unseren östlichen Nachbarn aufbricht.

Vor dem Auftritt der Hauptstars des Abends füllte sich der Saal wieder schön, und es war offensichtlich, dass Big Bad Wolf eine treue Fanbasis haben. Das ist eigentlich nicht weiter überraschend, denn die Jungs haben nach einem zaghaften Start und einigen Umbesetzungen ihre Reihen geschlossen, bereits eine respektable Anzahl an Konzertkilometern gesammelt und den bisherigen Weg mit dem Studioerstling Outrage of Modesty gekrönt. Der blutrünstige Wolf hat sich also endlich von den Ketten losgerissen – beziehungsweise Mädchen mit beneidenswerten Kurven in diese Ketten gelegt (siehe Cover) – und im Orto bar gebrüllt wie schon lange nicht mehr. Big Bad Wolf haben wir nämlich schon öfter gesehen, aber einen so souveränen Auftritt – was sicher dem Stolz über die Geburt des zottigen Bastards mit scharfen Klauen und hungrigen Augen zuzuschreiben ist – haben sie bisher noch nicht gezeigt. Die Band macht es nicht zu kompliziert – ihr Sound basiert auf einer ziemlich primitiven Basis aus Thrash, Heavy und Speed Metal, mit einer starken Groove-Komponente. Die Jungs wissen, dass ihre Musik fürs Feiern gemacht ist, und schämen sich nicht dafür – stattdessen servieren sie dem Publikum eine handfeste Portion abwechslungsreicher Riffs und eine Motörhead-einfache, aber effektive und scheppernde Rhythmussektion. Beim Gesang, der neunzig Prozent der Zeit auf ein und derselben geraden Linie brüllt und gurgelt, könnte man wegen der Eintönigkeit hängenbleiben – aber im Umfeld von Big Bad Wolf funktioniert die besoffen-dreckige Stimme tatsächlich. Das Laibacher Quintett hat Outrage of Modesty in einem sehr guten Licht präsentiert – im Gedächtnis geblieben sind vor allem der aggressive Brecher Punisher und das dynamische Rattlesnake, das ein Gastviolinist ordentlich aufgepeppt hat. »The wolf is on the loose«!

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