Rhapsody Of Fire beim exklusiven Gastspiel in Zagreb (2026)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2026
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Rhapsody Of Fire (Vorband: Sage)
Donnerstag, 19. 3. 2026
Zagreb / Hard Place / Kroatien


Wenn mich meine bescheidene Erinnerung nicht täuscht, haben Rhapsody Of Fire – die italienischen Großmeister des episch-sinfonischen, hollywoodesk anmutenden Power Metals – noch nie slowenische Konzertbühnen beehrt. Unerhört. Nun, im Gegensatz zu dieser wirklich armseligen Statistik, was Auftritte der Band in unserem Land betrifft, werden die wackeren Triester Metaller – quasi eine der Pionier-Bands des europäischen Power Metals – auf dem Boden unseres südlichen Nachbarn ganz anders behandelt. Dorthin wurden sie nun zum fünften Mal in ihrer, wie man heute ruhig sagen kann, langen Karriere eingeladen.

Ein echter Power-Metal-Fan aus unserer Region darf das Konzert der Band im Clubprogramm des Zagreber Hard Place eigentlich nicht verpassen. Das wäre, schlicht gesagt, eine unverzeihliche Sünde. Und dennoch hatte ich das Gefühl – obwohl das Konzert schon seit Langem ausverkauft war – nur noch zwei weitere Slowenen dort anzutreffen. Wir Slowenen sind echt nicht gut aufgestellt, wenn es um Power Metal geht. Der Auftritt der Band in Zagreb, die ich zuletzt in Triest erwischt hatte, als sie am 13. 11. 2015 den Abend für Scorpions eröffneten (Rockline Konzertrezension), galt als absolute Exklusivität. Rhapsody Of Fire erhielten eine Konzerteinladung für nur zwei Auftritte im diesjährigen März: Zagreb – Belgrad. Zwei Shows also, eine nach der anderen, abseits jeder Konzerttour.

Aber der Reihe nach. Gegen halb neun Uhr abends betraten die Zagreber Power-Metal-Könige Sage die Bühne, angeführt vom legendären Gitarristen Enio Vučeta aus den Reihen der kultigen Zagreber Heavy-Metal-Band Legija. Die Band, die seit dreizehn Jahren aktiv ist, veröffentlichte 2018 ihr Studiodebüt „Anno Domini 1573“, inspiriert vom kroatisch-slowenischen Bauernaufstand. Das Sextett widmete den Großteil des Repertoires dem Albummaterial, doch neue Songs bahnen sich bereits ihren Weg – so das eröffnende Rule of The World, später Skyes Of The Night und das abschließende Infinity War –, was darauf schließen lässt, dass sich langsam die Konturen eines neuen Albums abzeichnen. Natürlich interessierte uns die Bühnenform der Band. Sehr guter Sound. Das muss hervorgehoben werden. Da die Bühne für sechs Personen etwas knapp bemessen war, konnten sich die Jungs und die Dame während des Auftritts nicht allzu sehr austoben, doch sie imponieren mit sehr eingespielter Teamarbeit und korrekter Darbietung. Einen Anspruchsvollen wie mich haben sie damit definitiv überzeugt. Sehr qualitativ genutzte Spielzeit und ein rundum souveräner Auftritt.

Die große Mehrheit strömte natürlich strikt wegen Rhapsody Of Fire in den Hard Place. Von jenen Bandmitgliedern, die die Band Anfang der Neunziger gründeten – eine ganze Weile, genauer bis 2006, hieß sie nur Rhapsody –, ist heute nur noch Keyboarder Alex Staropoli in der Band geblieben. Den Rest des Quintetts bilden: der seit 2011 dabei seiende Top-Gitarrenvirtuose Roberto De Micheli (der Mann war ursprünglich schon bei der Gründung 1993 als Mitglied vorgesehen, hatte es sich aber anders überlegt), Operettensänger Giacomo Voli, der seit 2016 dabei ist, Bassist Alessandro Sala, der 2011 zur Band stieß, und Schlagzeuger Paolo Marchesich, der seit sechs Jahren bei Rhapsody Of Fire ist.

Mit Rhapsody Of Fire zu feiern gehört in die Kategorie jener besonderen, unvergesslichen Ereignisse. Die Band ist ganz nah bei dir, du kannst ihr aus der Hand fressen – was in gewissem Sinne unbezahlbar ist. Ich meine diesen besonderen Kontakt, diese besondere Energie von Clubkonzerten. Die Chemie pur. Die Art, wie die Bandmitglieder auf der Bühne miteinander kommunizieren – das beobachtest du wie auf einem Präsentierteller. Alles ist viel näher, nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen. Ein einzigartiges Erlebnis. Der Sound war sehr gut, mit dem kleinen Einwand, dass Giacomo im Klangmix minimal präsenter hätte sein können. Aber das sind Kleinigkeiten. Er sang wie eine Nachtigall. Die Band ist fantastisch eingespielt. Die Kommunikation ausgezeichnet. Die Chemie zwischen Publikum und Band schuf eine unglaubliche Adrenalinbrücke, in der es brodelte und dröhnte wie in einem Wespennest. Und die Minuten vergingen wie Sekunden. Eine kleine, restlos ausverkaufte Location bedeutet nur eines: Hier haben sich die glühendsten Fans der Band versammelt. Dass jemand beim Konzert von Rhapsody Of Fire ein Plastikschwert schwingt, ist schon längst keine Besonderheit mehr. Ich hatte mit mehr gerechnet, sah aber nur einen. Man könnte sich als Drachen, Kobold oder Elfe verkleiden. Es würde völlig normal wirken.

Die Band spielte ein exzellentes Repertoire. Es umfasste im Grunde einen Karriere-Querschnitt – ausgespart wurde nur das Trio der Alben aus den Jahren 2011 bis 2016 und das vierte Album „Rain of a Thousand Flames“ aus dem Jahr 2001. Natürlich entzündete sich das Publikum am stärksten an den bewährten Klassikern. Die Band hat in ihrer Karriere kein schlechtes Album veröffentlicht. Das einzige Problem liegt vielleicht darin, dass manche Alben etwas ungerechterweise übersehen wurden, weil die Band einige davon in sehr rascher Folge herausbrachte – eines nach dem anderen, manchmal mit kaum einem Jahr Abstand. Aber Klassiker sind Klassiker. Und der Konzertabschluss, wenn die Stimmung ihren Siedepunkt erreicht, war plötzlich da. Nach dem neueren Kreel’s Magic Staff schlug die Band mit dem immens beliebten Dawn Of Victory zu, genommen aus dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 2000. Ein Song mit einem der gelungensten Refrains, den man unter den Rhapsody Of Fire-Kompositionen finden kann, riss eine ganze Menschenmasse mit! Vereinte sie. In einem Moment. Alle sangen mit. Lautstark, kraftvoll, ohne nachzulassen! Das Gefühl war wirklich einzigartig.

In der obligatorischen Zugabe schnitt die Band zunächst den einzigen „Triumph Of Agony“ (2006)-Song A New Saga Begins an – und dann drehten alle komplett durch, als die Klassiker von den ersten beiden Alben folgten: Land Of Immortals und dahinter Emerald Sword. Tatsächlich zwei Songs, die heute (neben Dawn Of Victory) als zeitlose Klassiker des europäischen Power Metals gelten. In keinem Rhapsody Of Fire-Repertoire dürfen sie fehlen. Und auch in Zagreb fehlten sie nicht.

Wie zieht man am Ende dieser Konzertrezension einen Schlussstrich? Ein wunderschöner Clubkonzertabend in Zagreb. In Gesellschaft der Klassiker des Power Metals – den einen und einzigen Rhapsody Of Fire. Und wenn man so ein bisschen in die Vergangenheit zurückblickt: Wo ist nur jener längst vergangene 25. 4. 2000, als fünf vollbesetzte Autos aus Slowenien nach Salzburg aufbrachen – zum Konzert des heiligen Power-Metal-Trios: Sonata Arctica (mit dem Debüt „Ecliptica“), Rhapsody (mit dem Album „Symphony of Enchanted Lands“) und Stratovarius (mit dem Album „Infinty“)? Die Zeit vergeht. Schweigend, aber mit höllischer Geschwindigkeit. Daher ist jede Gelegenheit eines neuen Treffens mit einer Band, die einem geboten wird – und von der diese letzte Zagreber Expedition zeugt –, es wert, genutzt zu werden.

Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Sage – setlist:
1. Rule Of This World
2. Rebellion
3. Dragon Heart
4. Blacksmith’s Tale
5. Skyes Of The Night
6. Join Us
7. Battle
8. Infinty War

Rhapsody Of Fire – setlist:
1. The Dark Secret II
2. Unholy Warcry
3. Rain Of Fury
4. I’ll Be Your Hero
5. Chains Of Destiny
6. Wizard’s Dream
7. Challenge The Wind
8. On The Way To Aion
9. March Swordmaster
10. Kreel’s Magic Staff
11. Dawn Of Victory
—Zugabe—
12. A New Saga Begins
13. Land Of Immortals
14. Emerald Sword


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