Reb Beach und eine Lektion in Hard-Rock-Klassikern in Prosek! (2022)
Ort: Prosek bei Triest (Prosecco) / Kulturni dom Prosek Kontovel (Cassa Delle Culture Prosecco) / Italien
Konzertdatum: Donnerstag, 15. 12. 2022
Reb Beach ist ein amerikanischer Gitarrenvirtuose, Komponist und Produzent. Er gilt als ursprüngliches Gründungsmitglied der kriminell unterschätzten, aber dennoch fantastischen Hard-Rock-Stars der Achtziger und Neunziger Winger, und ist seit den letzten 18 Jahren festes Mitglied der Hard-Rock-Legende Whitesnake. Bekannt ist er auch durch seine Zusammenarbeit mit Dokken, Alice Cooper und Night Ranger, und kürzlich gründete er zusammen mit Jeff Pilson (Foreigner), Matt Starr (Mr. Big) und Robin McAuley (MSG) die Band Black Swan, die bereits zwei Studioalben im Kasten hat. Reb zählt Montrose und Aerosmith zu seinen Vorbildern; was das Gitarrenspiel betrifft, schwärmte er schon immer für Musiker aus dem Progressive Rock und dem Jazz, wie Allan Holdsworth, Steve Morse und Larry Carlton. Im Laufe seiner Karriere hat Reb Beach mit großen Namen des Rock ’n‘ Roll zusammengearbeitet, darunter Eric Clapton, Bob Dylan, Roger Daltrey, Chaka Kahn, Howard Jones und Twisted Sister.
Wer zwischen 2006 und 2019 Whitesnake-Konzerte auf der Strecke Ljubljana–Zagreb besucht hat, ist Reb also schon mehrmals begegnet. Wer beim Konzert der deutschen Hard-Rock-Titanen Scorpions in Zagreb am 2. 12. 1990 dabei war, hat Reb damals schon mit Winger auf der Bühne gesehen, die an jenem Abend den Konzertabend eröffneten.
Schöne Erinnerungen. Auch an das ferne Jahr 2001, als Reb sein zweites Solo-Studioalbum »Masquerade« veröffentlichte, das sich grundlegend vom aktuellsten »A View From the Inside« (2020, RockLine Rezension) unterscheidet. Auf dem neuen Album versucht sich Reb nicht mehr als Sänger, sondern liefert ein durch und durch rein instrumentales Album ab. Ungeachtet der Tatsache, dass Reb Steve Morse (Dixie Dregs, Deep Purple, Kansas), Larry Carlton und Allan Holdsworth als seine Inspirationsquellen nennt, wird das Album »A View From the Inside« stets eher die Fans von Gitarren-»Shred« ansprechen als die Puristen der Jazz-Rock-Fusion.
Nach dieser ausführlichen Einführung in diesen großartigen Musiker lässt sich als Fazit festhalten, dass wir es hier mit einem vielschichtig geschliffenen Musiker zu tun haben, der ein breites gitarristisches Repertoire an Tricks und Kniffen meisterhaft beherrscht und sich damit seinen Lebensunterhalt verdient!
Die Ankündigung einer Europatournee mit seiner Begleitband namens The Bad Boys war ein willkommenes Pflaster auf die Wunden aller Whitesnake-Fans, die im Juli dieses Jahres leer ausgingen, als die berühmte Whitesnake-Crew von David Coverdale mitten auf ihrer Europatournee komplett ‚kollabierte‘ (offiziell wegen Krankheit) und deshalb fast die Hälfte der Konzerte dieser Tournee abgesagt wurden, bei der Whitesnake u.a. auch Zagreb hätten besuchen sollen.
Beach kehrte also nach drei Jahren als Solist wieder auf europäischen Boden zurück. Auch vor drei Jahren trat er relativ nah an der slowenischen Grenze auf, nämlich in Vrba in Kärnten, diesmal aber kam ein Termin hinzu, der sich für einen Besuch aus Slowenien als noch praktischer erwies. Er kam nämlich in den Kulturni dom Prosek Kontovel, direkt hinter der slowenisch-italienischen Grenze (ein Katzensprung von Fernetti entfernt). Nur einen Tag nachdem er erneut im österreichischen Vrba in Kärnten aufgetreten war. In seiner Begleitband war erneut ein weiteres reguläres Whitesnake-Mitglied dabei, nämlich der italienische Multiinstrumentalist und Komponist Michele Luppi, der bei Whitesnake die Rolle des Keyboarders übernimmt, in Reb Beachs Band The Bad Boys jedoch als Bassist und gelegentlicher Sänger fungiert. Den Rest der Band bilden technisch bis ins kleinste Detail geschliffene italienische Musiker, und zwar: Sänger Fabio Dessi, Schlagzeuger Paolo Cariddi, Keyboarder Enrico Varisco und zusätzlicher Gitarrist Khaled Abbas.
Reb Beach & The Bad Boys entschieden sich, einen Abend dem Hard Rock zu widmen. Sagen wir’s ruhig: den Klassikern. Keine Songs von Rebs Soloalben, nur ausgewählte Tracks von Whitesnake, Winger und Dokken – und gegen neun Uhr abends sprangen sie auf die Bühne und eröffneten das allgemeine Feiern in einem Venue, das kaum hundert Leute besucht hatten – sagen wir lieber so um die siebzig –, mit dem Deep Purple-Evergreen Burn.
Für ausgezeichnete Stimmung sorgte in erster Linie der verschmitzte und bestgelaunte Michele Luppi (mit einem Bud Spencer-Aufdruck auf dem T-Shirt), der die ganze Zeit humorvoll mit dem Publikum flirtete und schon in der Anfangsphase dem Publikum ein paar Gitarren-Picks zuwarf, die mehrere Meter weit von der Bühne ins Innere des Venues flogen. Luppi holte sich an diesem Abend auch den ersten Preis im Glamour-Wettbewerb. Eindeutig bewiesen das seine knallgelben Sneakers. Ein Entertainer, dem niemand das Wasser reichen kann – Punkt.
Die kleine, aber laute und mitfiebernde Schar von Enthusiasten, die sich einen Dreck um die Regengüsse scherten, die diesen Abend begleiteten, kam definitiv auf ihre Kosten. Zehn Songs der legendären Whitesnake, ergänzt durch drei Winger- und zwei Dokken-Leckerbissen, sind Garantie für eine Show, bei der kaum etwas schiefgehen kann. Was den Sound betrifft, musstest du dich ein bisschen von links nach rechts bewegen und den akustischen ‚Sweet Point‘ suchen, der sich ein paar Meter vor der Bühne und in der Mitte befand. Es wäre eine Sünde gewesen, Rebs atemraubende Soli nicht zu hören. Es muss hervorgehoben werden, dass die sechsköpfige Band technisch außerordentlich versiert ist. In instrumentaler Hinsicht haben sie in allen Belangen begeistert. Etwas schwächer waren manche Gesangsparts, vor allem dort, wo Luppi Dessi verdoppelte und die beiden nicht ganz auf einer Linie lagen. Und das ausgerechnet bei der Darbietung der phänomenalen Winger-Ballade Miles Away (was Winger betrifft: Reb schickte die Fans dieser Band schon früh im Konzert mit Headed For A Heartbreak in den siebten Himmel). Aber wenn du erst einmal anfängst, Rebs Performance zu beobachten, vergisst du einfach alle anderen ‚Nebensächlichkeiten‘ des Konzerts. Geschmeidigkeit, Kontrolle, extreme Geschwindigkeit, wieder Kontrolle, Flüssigkeit, Witz, Explosivität, ein Tornado aus gehämmerten Arpeggio-Salven, dann wieder sanftes Biegen und Verbiegen von Tönen, die der feinsinnige Meister seiner Gitarre entlockte – das war das eigentliche Ziel unseres Besuchs. Und Reb hörte nicht auf zu begeistern. Gleichzeitig strahlte der Gitarren-Großmeister die ganze Zeit über eine enorme Zugänglichkeit aus, nicht eine Spur von Überheblichkeit, eine Haltung der Bescheidenheit gegenüber den Rufen und dem Jubel des aufgeheizten Publikums, dazu eine Handvoll echter Reaktionen – womit er den Besuchern noch überzeugender unter die Haut ging. Was Dokken betrifft: Das bissige und rabiate Tooth And Nail war definitiv die Überraschung des Abends! Im ersten Teil Gesellschaft leistete ihm das musikalisch zugänglichere In My Dreams, das als einer der Dokken-Hits gilt.
Dessi bewältigte die Gesangsherausforderungen bravourös. Auch in den höchsten Lagen und Schreien innerhalb von Here I Go Again ließ er nicht locker, und auf sich aufmerksam machte auch der hervorragende Khaled Abbas, dem Reb genug Raum ließ, um durch einige Gitarrensoli seine außerordentliche technische Versiertheit unter Beweis zu stellen. Im Mix waren die Keyboards etwas zu leise, und Luppi hatte gegen Ende des Konzerts ein paar Mikrofonprobleme, aber die Panne wurde schnell behoben.
Mit einem solchen Arsenal an Songs im Repertoire kann wirklich nichts schiefgehen. Reb Beach und seine Crew lieferten eine brillante Hard-Rock-Party ab. Eine Party vom Feinsten. Vor dem kleinen Publikum gaben sie alles. Als wären sie auf den größten Konzertbühnen. Ohne Energie zu sparen. Es war ein großartiges Erlebnis, einen der Gitarren-Giganten des Hard Rock der Achtziger endlich mal bei einer Clubshow zu erwischen. Nach einer Reihe von Whitesnake-Konzerten in Hallen und Venues, die auch mehr als 10.000 Menschen fassen, ist die Gelegenheit, einen solchen Künstler quasi in ’seinem Wohnzimmer‘ zu erwischen, einfach eine Chance, der man nicht den Rücken kehren kann.
Noch eine kleine Anmerkung, aber egal wie man es dreht und wendet – für Slowenen mehr als nur eine wichtige Sache. Reb und seine Crew kühlten während des Konzerts ihre ausgetrockneten Kehlen mit Laško-Bier. Unbezahlbar. In jeder Hinsicht also. Wir wissen nicht, was mit Whitesnake passieren wird, aber es sieht ganz so aus, als wäre das Märchen nun endgültig ausgesungen. Nichts ist offiziell, aber Coverdales Funkstille wird zunehmend zu einem verdächtigen Hinweis darauf, dass die Geschichte nun doch zu Ende ist. Winger ist schon seit Jahren kaum mehr bei Konzerten in Europa zu erwischen. Mit Ausnahme der größten Festivallocations, die alle miteinander weit von Slowenien entfernt sind und bei denen die Ticketpreise astronomisch hoch sind. Deshalb werden solche Begegnungen auf Clubniveau mit einer Gitarren-Ikone wie Reb Beach, der obendrein noch von einem weiteren Whitesnake-Kollegen begleitet wird – dem großartigen Michele Luppi –, immer wertvoller und kostbarer als Konzerterlebnisse! Irgendwie ein Erlebnis auf dem Niveau eines echten Konzertschatzes!
Autor: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen
Fotos: Aleš Podbrežnik (1-33) & Edita Klemen (34-47)
Setlist:
1. Burn
2. Bad Boys
3. Headed For A Heartbreak
4. Fool For Your Loving
5. In My Dreams
6. Love Ain’t No Stranger
7. Crying In The Rain
8. Is This Love
9. Tooth And Nail
10. Slow And Easy
11. Slide It In
12. Miles Away
13. Madalaine
14. Give Me All Your Love Tonight
15. Here I Go Again
16. Still Of The Night














































