Punk Rock Party auf die alte Art (Juni 2025)

foto: Igorac 2025
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Brkovi
Freitag, 27. 6. 2025
Mostovna, Solkan, Slowenien


New Kid on the Block

Bei mir ist das mit den Konzerten der bärtigen Jungs meistens so: Ich muss mir meine liebsten Songs schon im Auto auf dem Weg dorthin reinziehen. Aus unerfindlichen Gründen will Shamso 69, der Frontmann der Band, seit mindestens fünf Jahren meine Lieblingsvierer nicht auf die Setlist setzen: Vjetrovi tuge, Hrvat iz Gospića, Vrati se vrati, Nisi me bila vrijedna. Das schreibe ich, weil ich fest davon überzeugt bin, dass Shamso diesen Bericht lesen und beim nächsten Konzert sofort mindestens zwei dieser Nummern reinpacken wird.

Also, Brkovi haben im Rahmen ihrer Nema Labavo-Tour im Club Mostovna haltgemacht, der mit seiner Open-Air-Bühne ein breites Angebot an entspannten Konzertaktivitäten bietet. Zuletzt hatte ich Brkovi vor gut anderthalb Jahren gesehen, und seitdem haben sie (wieder) die Besetzung gewechselt. Gitarrist Vlajko ist raus, dafür ist ein kaum volljähriges Gitarren-Wunderkind reingeflogen: Luka Kramar. Solche häufigen Wechsel in Bands machen mich traurig, weil ich irgendwie nicht den Anschluss halten kann und die Band in meinen Augen ihre Identität verliert. Wie wenn in deinem Lieblingscafé die Kellnerinnen jeden Monat wechseln — auch wenn die neuen hübscher, heißer und freundlicher sind. Es ist einfach nicht mehr dasselbe.

Die Band ließ uns ganz nach „Balkanstar“-Manier bis elf Uhr warten, dann haute sie sofort mit Usamljen oženjen rein, gefolgt vom neu aufgemotzten Naša mala zemlja und dem neuen Hit Labavi. Zunächst fiel mir gar nicht auf, dass auf der rechten Bühnenseite nicht mehr Gitarrist Vlajko stand — Luka hat einen ähnlichen Körperbau und die gleiche Frisur, nur der Overall fehlte, was mich dazu brachte, die Sache etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie ich später online las, ist Luka gerade mal 19 Jahre alt und gilt als neuer kroatischer Gitarrenzauberer mit Siegen bei einer ganzen Reihe von Festivals. Stilistisch kommt er aus demselben Topf wie sein Kollege auf der linken Bühnenseite, der legendäre Igor Paspalj: technisch beeindruckend, mit großem Melodiegefühl und dem Gespür, bereits bekannte Soli irgendwie verspielter und komplizierter umzugestalten. Kurz gesagt: ein beeindruckendes Gitarren-Duo in einer Punk-Folk-Band.

Das Konzert lief reibungslos weiter im echten Brkovi-Stil — knackige Uptempo-Nummern eine nach der anderen, angereichert durch Shamsos Einfälle, die immer witzig sind und auch aktuelle Themen streifen. Auf der Bühne vermisste ich das Bartheken-Tischchen mit Getränkevorräten, doch der Sänger musste diesmal zum Schlagzeugpodest spazieren, um seine Melone zu bekommen. Die ließ er sich gut schmecken — im Laufe des Konzerts schaffte er es, eine halbe Flasche zu leeren. Aber ich will nicht zu vorschnell urteilen, denn wir alle erinnern uns noch allzu gut an die Geschichten über Bon Jovi, Jack Daniels-Flaschen und Eistee.

Das Publikum war mittelstark besucht, aber außerordentlich gut gelaunt. Vorne dabei waren vor allem Vertreterinnen des zarten Geschlechts, die mit vollem Elan headbangten und die anstößigen Texte in den vorderen Reihen mitsangen. Ich selbst verbrachte den Großteil des Konzerts am Zaun vor der Bühne, mit dem einen oder anderen Ohr tief in den Boxen. An dieser Stelle kommen wir zu einer traurigen Tatsache: Der Sound war auf Zimmerlautstärke — was für ein solches Konzert ausgesprochen ungewöhnlich und unangemessen ist. Schade.

Interessant ist, dass die meisten Ovationen fast immer dem Mini-Hit vom ersten Album zufallen: Mala. Die Stimmung zum Kochen brachten außerdem Knaller wie Tolerancija, Ornela, Ništa više mi ne značiš und der neuere Klassiker Više ni pankeri ne slušaju Punk mit seinem bitteren Text.

Um nicht zu lang zu werden, noch zwei Dinge. Erstens: eine ausgesprochen respektvolle Widmung an den verstorbenen Sandi Mavr, der offensichtlich ein guter Freund von Shamso war. Und dann: Šarac! Was für ein Schlagzeuger! Energie, Präzision, minimalistische Übergänge — und noch einmal: ENERGIE. Der sollte das Foto im Wikipedia-Artikel über Punk-Rock-Schlagzeuger sein!

Brkovi haben auch diesmal knackige Balkan-Unterhaltung mit viel Lachen, Energie und guter Musik abgeliefert. Ich könnte mir kaum einen besseren Weg vorstellen, einen heißen Sommerabend zu verbringen. Die vollständige Setlist gibt es hier (der Song Naša mala zemlja fehlt). Jetzt warten wir auf ein neues Album und dann auf das nächste Konzert. Brkovi su da se vole!!!

Text und Fotos: Igorac


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