Punk in Drublic vor dem Kino Šiška! (2018)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Kino Šiška, Ljubljana
Konzertdatum: 21.06.2018

Der Festivalsommer steht kurz vor der Tür – oder ist in manchen Fällen schon längst in vollem Gange. In diesen Rhythmus wird sich sehr bald auch das festivalreichste Tal der Welt einreihen, das Soča Festivalley, mit seinem großen Quartett an Festivals: Overjam Reaggae, Metaldays, Mötörcity und Punk Rock Holiday. Letzteres hat unter der Regie von Fat Mike und dem Organisationsteam des Punk Rock Holiday diesmal auch seine eintägige Stadtversion erlebt – das Festival Punk in Drublic. Es wuchs auf dem Acker von NOFX-Chef Fat Mike, der seine Liebe zum Punk mit seiner Liebe zu Craft-Bier verbinden wollte, woraus ein sympathisches Festival entstanden ist, das wir die Ehre hatten, auch in Ljubljana zu beherbergen.  

Schon am frühen Nachmittag konnten wir unsere Gaumen an den hopfigen Gebräuen heimischer Brauereien verwöhnen – Tektonik, Bevog (die zum ersten Mal das diesjährige offizielle Bier des Punk Rock Holiday vorstellten), 22Brewing, Pivovarna Ressel, Barut Brewing & Blending, Reservoir Dogs und Maister Brewery schenkten zwei Stunden lang vollkommen gratis in die zweideziligen Festivalgläser aus. Das eingezäunte und schön hergerichtete Gelände vor dem Kino Šiška füllte sich langsam, aber sicher, und schon in der Luft war zu spüren, dass die Stimmung großartig werden würde.  

Als erste betraten um sechs Uhr die einzige slowenische Kraft die Bühne: die Krainer The Mor(R)ons, die thematisch eigentlich mit Abstand die passendste Band des Festivals waren. Nicht nur, dass sie Punk spielen (duh), sie lieben auch Bier (duh). Sogar so sehr, dass sie ihr brandneues Album, das nur wenige Tage vor Punk in Drublic erschienen ist, kurzerhand Lager getauft haben. Genauso wie diese Biersorte wirkten die Gorenjska-Deppen – frisch, leicht, unkompliziert, aber effektiv und erfrischend, vor allem aber mit einer gehörigen Portion ansteckender Skatepunk-Energie, die zum Auftakt saß wie der Schaum auf einem guten Lager.  

Kaum hatten die Krainer die Bühne verlassen und sich an die Bar gestellt, übernahmen die Schützlinge von Fat Mikes Label Fat Wreck Chords: Bad Cop/Bad Cop aus Los Angeles. Bassistin Linh Le kam gleich im Municipal Waste-Shirt auf die Bühne, was zunächst vermuten ließ, dass die Mädels gitarristisch schärfer dreinschlagen würden – aber sie bewegten sich eher im Bereich fürs Ohr, das kein metallisch aufgeladenes HC gewohnt ist. Ihrer Heimatstadt entsprechend war das weibliche Quartett vollkommen leichtfüßig und musikalisch entspannt, im Grunde schon fast Blink-182-mäßig poppunkig. Dagegen ist natürlich grundsätzlich nichts einzuwenden, aber die Mädels waren zeitweise schon fast übermäßig zuckersüß, und der etwas nervige Gesang der Hauptvokalistin Stacey Dee war leicht störend. Die Mädels waren durchaus energisch genug, um das sich langsam füllende Publikum für sich zu gewinnen, blieben aber – zumindest was ihr musikalisches Erscheinungsbild betrifft – schnell vergessen.  

Ganz anders ging es weiter, denn auf die Bühne traten die Stadtnachbarn der frechen Cop-Ladys: die Jungs mit dem finsteren Blick, The Bronx. Hawaii-Hemden und Sommerfarben wichen dem Schwarz, und tatsächlich bestätigte auch das Auftreten der L.A.-Boys, dass sie die musikalisch „brutalste“ Band des Tages waren. Die Jungs unter der Führung des energischen Vokalists Matt Caughtran präsentierten ihren raueren und ursprünglicheren Mix aus Punk und HC, der auch thematisch wütend und gesellschaftskritisch ist. Vermutlich auch deshalb stieß The Bronx auf eine hervorragende Publikumsreaktion – von der ersten bis zur letzten wütenden Riff sorgten die Leute vor der Bühne für ununterbrochenes Moshen, dem sich Matt bald von der Bühne herunter anschloss und mitten drin einen Song oder zwei sang. Einer der überzeugendsten Auftritte des Donnerstags.   

In etwas andere musikalische Gewässer führten das inzwischen ordentlich gefüllte Gelände die britischen Veteranen Snuff, die vor knapp zwei Jahren ihr dreißigjähriges Bestehen gefeiert hatten. Neben The Mor(R)ons die einzigen nicht-amerikanischen Vertreter beim Festival, sabotierten Snuff ihren Auftritt ganz typisch für sich selbst mit einer gehörigen Portion edlem, schwarzem und FOAD-englischen Humor, servierten dabei aber satt energischen und im Ohr schnell wimmelnden, ansteckenden Punkrock. Diesen bereicherten an Stellen Posaunist Oliver und Keyboarder Lee und brachten damit ein paar Ska-Elemente in Snuff ein – begeistert und in Flammen gesetzt haben die Jungs vor allem mit den Hits Nick Northern, No One’s Home und dem abschließenden Arsehole.  

Noch tiefer in Ska-Gewässer tauchten die kalifornischen Genre-Urgesteine Mad Caddies, die tanzbarste Band des Tages, die mit ihrer Positivität und Lockerheit das Publikum in eine einzige große Welle versetzten, die ihre Lieblinge treu und lautstark anfeuerte. Mad Caddies brachten mit ausgiebigem Einsatz von Trompete und Posaune echte karibische Reggae-Stimmung ins Šiška und sorgten zusätzlich für Freude mit einem Cover von Green Days Evergreen She sowie Propagandhis Klassiker And We Thought That Nation-States Were a Bad Idea. 

Zum Abschluss dann noch die heiß erwarteten – obwohl sie ja recht regelmäßige Gäste auf unseren Bühnen sind – Festival-Väter NOFX. Fat Mike hatte diesmal für seine Abendtoilette einen blau gestreiften Negligé gewählt und bot mit seinen Kollegen mehr als eine Stunde lang eine Punk-Delikatesse. Fat Mike redete, wie es seine Art ist, viel – aber zum Glück spielte er noch mehr, und NOFX lieferten sowohl obligatorische Hits wie Bob, Leave It Alone, Fuck the Kids, Linoleum als auch obskure Juwelen wie etwa Hobophobic (Scared of Bums). Die Band war sichtlich und mehr als offensichtlich in Hochstimmung – neben Mike vor allem die Gitarristen El Hefe und Melvin, die sich gegenseitig ständig mit verschiedenen politisch inkorrekten und unzensierten Kommentaren aufzogen. Mit außergewöhnlicher Energie überzeugten NOFX das fast ausverkaufte Gelände, das mit ihnen bis zum Schluss sang, moshte und tanzte. Fat Mike und Punk Rock Holiday haben mit Punk In Drublic eine erstklassige Ouvertüre zum Festivalsommer geliefert, und man kann nur hoffen, dass sich die Gelegenheit für einen Besuch eines so angenehmen Mini-Festivals mitten in Ljubljana noch einmal ergibt. 

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