Primal Fear marschierten endlich auch in die slowenische Hauptstadt ein (2018)
Primal Fear und Riot V sind eine gelungene Kombination zweier hartgesottener Musikinstitutionen, die ihr musikalisches Ausdrucksvokabular auf dem alten Erbe des Heavy Metal aufbauen. Primal Fear haben auf slowenischem Boden dreimal gespielt: auf den Festivals Metal Camp, Metal Mania und Rock Otočec – während es ihnen bis zu diesem Abend noch nicht gelungen war, die Bühnen der slowenischen Hauptstadt zu erreichen. Riot V hatten in Slowenien, vor ihrem Auftritt im CUK Kino Šiška, einmal gespielt, nämlich beim Metaldays-Festival. Dennoch reiste an diesem Abend mit der Besetzung von Riot V auch ein Musiker nach Ljubljana, der dort schon früher aufgetreten war: Mike Flyntz, der am 30.01.2000 im Ljubljaner Club K4 gespielt hatte – in jenen Zeiten, als Riot noch unter der Leitung des verstorbenen Mark Reale existierten. Und falls noch jemand unter euch ist, der nach ein paar Jahren Riot V immer noch nicht den Sinn hinter dieser Band kapiert hat: Riot V ist im Grunde die Weiterführung der Geschichte der begrabenen Riot.
Die dritte Woche der ausgedehnten Europatournee also! Als Vorband sprangen die französischen Heavy-Metal-Revivalisten Existance auf die Bühne – sie hatten sich knapp drei Wochen zuvor im Salzburger Rockhouse überaus souverän und überzeugend geschlagen. Auch diesmal brausten sie elastisch und geschmeidig vorwärts und nutzten die größere Konzertbühne des Kino Šiška voll aus. Eine eingespielte, souveräne Vorstellung: teuflischer Gesang, leidenschaftliche Soloarbeit und heiße Arbeitschemie im Quartett. In der heutigen Zeit kann man ihre Musik ohne »erfinderische« Besonderheiten verstehen, doch Existance gehen mit Feuer und ohne Bremsen an sie heran. Eine Band, die in ihrem Eifer und ihrer Schärfe – in gut einer halben Stunde – die Schar der Besucher vollauf zufriedenstellte, obwohl sich das Haus gerade erst so richtig zu füllen begann.
An diesem Abend lieferten Riot V wieder eine erstklassige Show ab. Nicht überflüssig zu erwähnen: Mike Flyntz und Nick Lee nahmen an diesem Nachmittag auch an einer Gitarrenklinik teil, die einen Steinwurf vom Kino Šiška entfernt stattfand. Die Band genoss es. Geräumige Bühne. Ein wildes Publikum, das die Songs kannte und sie in den Refrainmelodien atmosphärisch ergänzte und aufwertete. Wieder besonders lautstark die Freunde der Musik aus dem benachbarten Kroatien, und auch einige slowenische Veteranen des europäischen Metalkonzertbetriebs waren diesmal auszumachen. Vor allem überraschte die Band mit der Aufnahme zweier »Priviledge of Power«-Nummern: schon im Eröffnungsteil das gespielte On Your Knees, bei dem Sänger Todd Michael Hall zu Beginn theatralisch auf die Knie fiel, sowie etwas später Black Leather and Glittering Steel. Das Klassikeralbum »Thundersteel« erlebte eine vierfache Verkörperung, denn Riot V spielten neben den Standards Flight Of The Warrior, dem außergewöhnlichen Mini-Epos Bloodstreets und dem abschließenden Kahlschlag mit Thundersteel auch das brillante Sign of the Crimson Storm. Obwohl Bassist Don Van Stavern dem Publikum durchgehend Whisky anbot (oder war es vielleicht Tequila – wenn nicht bloß Tee in einer Whiskyflasche), ließ die Band das erwartete Swords And Tequilla aus dem Set. Die neuen Songs vom Album »Armor Of Light« verbinden sich ausgezeichnet mit den Klassikern, und auch Angel Eyes vom übersehenen, aber hervorragenden »Inishmore« (1998) rundet die Setlist perfekt ab. Die Band ist mitreißend und verbissen auf der Bühne. Die Mitglieder nehmen während des Auftritts ständig Positionen Schulter an Schulter ein – mal zu zweit, mal zu dritt in einer Linie! Dazu der stürmische Stampede der Doppelbassdrum-Pedale des erfahrenen Frank Gilchriest. Die Soli teuflisch präzise und eingespielt – mit dem Glanz der Feinmechanik und großer Weichheit. Nick Lee und Mike Flyntz brillierten in der Ausführung blitzschneller Passagen, eingefangen in Terzharmonien, in abgestimmten Ein- und Ausgangsteilen. Todd Michael Hall verblüffte mehrfach mit der außergewöhnlichen Höhe, die sein Stimmumfang zu bieten hat. Kurzum: Das Erbe von Riot lebt im Verbund mit neuem Riot-V-Material mit unverminderter Intensität weiter. Besser gesagt – es leuchtet weiter und unaufhaltsam in brillantem Glanz.
Die Hauptstars des Abends, Primal Fear, entschieden sich im Vergleich zu dem, was man im Salzburger Rockhouse erlebt hatte, diesmal für einen etwas kürzeren Auftritt. Inoffiziellen Quellen zufolge soll Sänger Ralf Scheppers einen leichten Schnupfen erwischt haben. Dennoch entwickelte sich der Auftakt hochvibrant, mit einer Kombination aus zischenden Funkengarben (Pyrotechnik). Die Band verbarg ihr ausgezeichnetes Befinden jedoch nicht. Größere Location, größere Bühne und nicht zuletzt auch ein sehr respektables Publikum. Zwar nicht so wild wie bei Riot V, aber dennoch begierig auf eine ordentliche Dosis Riff-Rush und Metalwahnsinn direkt auf die Fresse. Leider blieben wir ohne die Klassiker Chainbreaker, Under Your SPell und Running in the Dust. Alle drei Songs vom ersten und zweiten Album der Band – und alle drei Songs, die Primal Fear etwa am 02.10.2018 in Salzburg gespielt hatten. Den Mangel an Nummern füllten Primal Fear zum Teil mit einem Schlagzeug-Solo, und in die Setlist kehrte das zwar sehr gute, aber vollkommen entbehrliche In Metal We Trust zurück, mit dem sie den Auftritt auch abschlossen. An dieser Stelle hätte zwingend ein älterer Song stehen müssen – mindestens Chainbreaker. So bekamen die Nummern des neuen Albums »Apocalypse« noch mehr Raum für ihre Präsentation. Für alte Fans der Band schoss die Band zu Beginn Final Embrace und in der Mitte des Auftritts Nuclear Fire ab. Dennoch zu wenig. Hervorragend klang die erstklassige Mini-Epos-Suite Fighting The Darkness, vollständig gespielt, mit dem witzigen abschließenden Duell der beiden Gitarren. Scheppers, der als einer der renommiertesten deutschen Power-Metal-Frontmänner gilt, soll zwar erkältet gewesen sein, meisterte die Songs aber souverän und zufriedenstellend. Es ist jedoch klar, dass er dabei vom Mischpult (The End Is Near) einige Hilfe bekommt. Diesmal war auch diese umso hilfreicher. Der Sound im Saal sehr gut (natürlich wenn man am Mischpult stand). Vorne schnitten die Keyboards (hohe Linien und teilweise Soli).
Alles in allem lieferte die Band dem Gesamtergebnis entsprechend und gemäß den Erwartungen eine erstklassige Vorstellung. Man spürt die Routine, dennoch zeigten die Deutschen nicht wenig Begeisterung über die Hingabe und den Wahnsinn einiger treuer Fans ihrer Musik, die unaufhörlich im Saal tobten – und belohnten dies auch mit einer ausgezeichneten Konzertvorstellung. Einfach. Sie haben zu viele Kilometer auf dem Buckel, genauso wie zu viel gemeinsames Spielen hinter sich, als dass ihnen etwas Wesentliches schiefgehen könnte. Die Division der deutschen Adler, die mit strammen Schritten also weiter alles niederreißt!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
PRIMAL FEAR:
1. Apocalypse (Playback-Intro)
2. Final Embrace
3. Blood, Sweat & Fear
4. Face The Emptiness
5. Hounds of Justice
6. The Ritual
7. Schlagzeug-Solo
8. Nuclear Fire
9. Eye of the Storm
10. King of Madness
11. The End Is Near
12. When Death Comes Knocking
13. Metal Is Forever
—Zugabe—
14. Fighting The Darkness
15. In Metal We Trust
RIOT V:
1. Victory
2. Flight of the Warrior
3. On Your Knees
4. Sign of the Crimson Storm
5. Heart of the Lion
6. Black Leather
7. Angel Eyes
8. Bloodstreets
9. Take Me Back
10. Angel’s Thunder Devil’s Reign
11. Warrior
12. Thundersteel
EXISTANCE:
1. Heavy Metal Fury
2. Legends Never Die
3. Steel Alive
4. Dead Or Alive
5. We Are Restless
6. Breaking the Rock
7. From Hell
8. Gwendoline








































