PAIN besuchen mit der „I Am“-Tournee die Ljubljaner Cvetličarna ein zweites Mal (2025)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2025
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PAIN (Special Guests: Oceans)
Mittwoch, 12. 2. 2025
Ljubljana / Cvetličarna / Slowenien


Peter Tägtgren! Das ist ein Mann, der als eine der zentralen Figuren des Heavy Metal der letzten dreißig Jahre gilt. Nicht nur als Produzent zahlreicher Alben etablierter Namen der Metal-Szene, sondern als musikalischer Visionär erlebt er mit seinen PAIN gerade eine regelrechte Frühlings-Blütezeit. Die Band, die im vergangenen Mai ihr neuntes Studioalbum „I Am“ veröffentlichte, hatte Ende Oktober mit der gleichnamigen Europatournee die Ljubljaner Cvetličarna bereits einmal besucht (Rockline Konzertrezension), und angesichts der Tatsache, dass das neueste Studioalbum noch ziemlich frisch ist, dass PAIN auf dem alten europäischen Kontinent eine beachtliche Beliebtheit und Bekanntheit genießen – davon hätte Tägtgren anfangs nicht einmal zu träumen gewagt, als er (neben seinen Hypocrisy) das ‚Nebenprojekt‘ sehr bescheiden startete – doch ihm gelang der große Wurf, da zahlt es sich einfach aus, das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist! Und das wissen Peter und sein Team genau.

Das Quartett besuchte Ljubljana also nach anderthalb Jahren erneut. In derselben Besetzung und mit einem leicht veränderten Repertoire, das jedoch keine allzu großen Erschütterungen verursachte. Der Förderung des neuesten Studioalbums „I Am“ war es noch stärker verpflichtet als die vorherige Tournee.

Ausgerechnet am 12. 2. 2025, als die Band erneut auf dem Boden der slowenischen Hauptstadt landete, erlebten auch Oceans ihren ersten Auftritt im Rahmen der neuen PAIN-Tournee. Das ist ein Quartett des Wiener-Berliner Gespanns, das im vergangenen Jahr sein drittes Studioalbum „Happy“ veröffentlichte (naja, live wirkt die Sache keineswegs im Einklang mit dem Titel). Die Band pflegt interessanten Metalcore, der sich schwer einrahmen lässt, da sich Elemente des Melodic Death Metal ebenso einschleichen wie Post-Metal, und genau das macht sie deutlich interessanter und dadurch anziehender. Das Team betonte, dass dies ihr erster Konzert auf der „I Am“-Tournee sei und gleichzeitig auch ihr erster Besuch in Slowenien. Die Band bot einen Einblick in eine sehr gut eingespielte Gruppe, was durch äußerst präzise ausgeführte Breakdowns und insgesamt die Übergänge innerhalb der Songs bestätigt wurde, die für eine metalcore-basierte Rezeptur untereinander sehr angenehm abwechslungsreich sind. Vokalist Timo Schwämmlein, der äußerst geschickt zwischen Growls, schreienden Shrieks und Emo-Clean-Vocals jonglierte, ist sehr gut in die Rolle des Frontmanns eingefunden – denn gegen Ende brachte er das Publikum dazu, dass sich alle Besucher in ihrer folgsamen Einigkeit auf sein Kommando hin brav auf den Boden der Cvetličarna setzten. Hinzuzufügen ist noch, dass Oceans ihre eigenen Mischpulte sowohl für Licht als auch für Sound dabei hatten, was lediglich vom Engagement der Band zeugt, auf den Bühnen das Beste zu liefern.

PAIN! Ja. Der Besuch war diesmal nicht so stark wie vor anderthalb Jahren – wahrscheinlich auch zum Teil deshalb, weil PAIN diesmal keinen so klingenden Namen an ihrer Seite hatten wie damals Ensiferum (die haben schon für sich allein eine beachtliche Fangemeinde), aber das hatte in keiner Weise Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse, der eine neue, großartige Party gebot, eingeschrieben in die Jurisdiktion des melodischen Industrial/Gothic Metal, der im Ergebnis gelegentlich gerne mit der pompösen Kultur der Pop-Rock-Eingängigkeit kumpelt.

Tägtgren und sein Team hatten auch diesmal nicht vergessen, sich eine Portion ‚Zombie-Schminke‘ aufzutragen. Die diesmalige Produktion brachte nicht ganz so einen impulsiven Schwung wie vor anderthalb Jahren am selben Ort, geizte aber dennoch in keiner Weise mit hervorragender Energie. Peter sprach das Publikum in einer der Pausen auch mit einem Satz an, den alle verstanden: „Our mission is to make you happy!“ Und genau das gelang PAIN auch. Die Songs des Albums „I Am“ haben sich inzwischen ausgezeichnet eingeprägt, und die ersten Reihen arbeiteten mit Peter und dem Team ungehemmt und feurig mit, wenn es galt, die Verse anzugehen!

Es ist längst keine Neuigkeit mehr, dass PAIN wissen, was ‚Glam‘ bedeutet. Natürlich haben sie dieses Element ihrem Künstlertum angepasst, deshalb verbargen sie auch diesmal nicht ihre Beschäftigung mit Gewitztheit und einer milden parodistischen Selbstironie – was jedem Künstler immer neue Horden von Fans beschert! Ohne jede Überheblichkeit, die sich eine Figur vom Kaliber Tägtgrens mühelos leisten könnte, führte Peter das Publikum mit federnder Leichtigkeit durch ein Repertoire von einer Stunde und fünfzehn Minuten. Die diesmalige Vorstellung wurde nicht von einer obligatorischen Zugabe gekrönt, doch war das Konzert genauso lang wie jenes vom 24. 10. 2023 in der Cvetličarna!

Die Höhepunkte brauchen kaum hervorgehoben zu werden. Die sind bekannt. Das Publikum rastete besonders aus bei End Of The Line, Same Old Song, Party In My Head und natürlich bei dem Song, auf den während des ganzen Konzerts alle fieberhaft gewartet hatten und den PAIN clever bis zum allerletzten Moment für das Finale aufgespart hatten. Shut Your Mouth! Eine Darbietung voller Routine und Erfahrung, gleichzeitig aber auch mit der erwünschten Dosis an Albernheit, die durchgehend Lächeln auf die Gesichter des Publikums zauberte!

Tägtgren ist ein unglaublich charismatischer Typ! Die Reihe an ausdrucksstarken Grimassen, die er während des Auftritts aufreiht, ist eine hochgradig ansteckende Angelegenheit, die der Frontman mit außerordentlicher Geschicktheit einsetzt. Mit diesem Charisma hält er das Volk fest bei sich. Und dieser Auftritt verging wieder einmal unglaublich schnell. Nicht wegen der 75 Minuten, sondern genau wegen des Magnetismus, den die Figur und Persönlichkeit von Peter Tägtgren live entfalten. Klangtechnisch war dieses Konzert allerdings deutlich besser umgesetzt als das vorherige an diesem Veranstaltungsort. All diese Samples koexistierten wesentlich harmonischer mit den beiden Gitarren, der Rhythmussektion und Tägtgrens Gesang als beim letzten Besuch in Ljubljana!

Es war jener Mittwoch, Mitte Februar. Ein kurzer Tag, den die lange Nacht blitzschnell verschluckt, und wieder dieses neblige und regnerische Wetter, bei dem es von überall nur ‚tropft‘! Nun, PAIN haben es mit ihrer Verspieltheit, ihrer musikalischen Ansteckungskraft, einem Hauch Bombastik (verinnerlichter Pop-Rhetorik), aber gleichzeitig streng professioneller Darbietung tatsächlich geschafft, dieses düstere Bild weit wegzujagen, als sie eine Vorstellung einer erfolgreichen Mission boten, die die Anwesenden auf Hochtouren bester Laune brachte. All diese Heiterkeit und gute Stimmung verebbten auch noch lange nach dem Abgang der Band von der Bühne am Veranstaltungsort nicht!

Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen

PAIN – Setlist:
1. I Just Dropped By (To Say Goodbye)
2. End of the Line
3. Call Me
4. Zombie Slam
5. Suicide Machine
7. Push the Pusher
8. Go With the Flow
9. Same Old Song
10. Don’t Wake the Dead
11. Revolution
12. The Great Pretender
13. Party in My Head
14. Have a Drink on Me
15. It’s Only Them
16. Let Me Out
17. Shut Your Mouth


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