Children Of Bodom kehren an den Tatort zurück – „Children Of Bodom – A Celebration Of Music“
Die überlebenden Mitglieder von Children of Bodom haben Ende Februar im Helsinkier Klub Tavastia eine zweiabendige Hommage an das Erbe der Band mit dem Titel „Children Of Bodom – A Celebration Of Music“ eröffnet. Beide Abende standen im Zeichen von Riffs, die noch immer schneiden wie eine Rasierklinge auf »Bed Of Razors«, und einer Nostalgie, die schwerer in der Luft hing als ein finnischer Winter.
Auf der Bühne versammelten sich Bassist Henkka Seppälä, Keyboarder Janne Wirman, Schlagzeuger Jaska Raatikainen und Ex-Gitarrist Alexander Kuoppala, unterstützt von Langjährigem Freund Samy Elbanna aus Lost Society. Gemeinsam zollten sie Gitarrist, Sänger und Hauptautor Alexi Laiho Tribut, der im Dezember 2020 in Helsinki verstorben ist. Sein Abgang schloss eines der bedeutendsten Kapitel des finnischen melodischen Death Metal – aber wie es scheint, ist das Buch noch lange nicht zu Ende.
Die Setlist des ersten Abends war alles andere als bescheiden. Vom Eröffnungsschlag »Living Dead Beat« bis zum abschließenden »In Your Face« reihte die Band zwanzig Songs aneinander, die drei Jahrzehnte Karriere geprägt haben. »Silent Night, Bodom Night«, »Needled 24/7«, »Hate Me!«, »Follow The Reaper« und »Downfall« klangen wie eine Erinnerung daran, dass Bodom nie auf halber Kraft gespielt haben – immer bis zum Ende, immer auf Messers Schneide. Wenn das ein Abend der Totenerweckung war, dann haben sie die Toten mit Doppelbassdrum und Tremolo-Picking zurückgeholt.
Das Event war mehr als nur ein Konzert – es war die Erfüllung eines langgehegten Wunsches der Fans und eine symbolische Rückkehr nach Hause. Die Tavastia hat für die Band eine besondere Bedeutung, deshalb ist es kein Wunder, dass sie für die Feier genau dort aufgetaucht sind, wo sie einst ihren Sound geschmiedet haben. Bodom kehrten so an den Tatort zurück – und das mit dem ganzen Gewicht ihres eigenen Erbes.
Im August 2025 erschien beim Londoner Label Rocket 88 auch das offizielle Buch der Band, das in Form einer Oral History den über 30-jährigen Weg der Gruppe nachzeichnet. Die Mitglieder enthüllen erstmals in eigenen Worten die Höhen, Tiefen, internen Spannungen und das unvermeidliche Ende. Ohne Schönfärberei, ohne Filter – »warts and all«, wie die Engländer sagen würden.
Zur Erinnerung: Bodom spielten ihr letztes Konzert im Dezember 2019 in der Helsinki Ice Hall, und die Aufnahme erschien als „A Chapter Called… Children Of Bodom (Final Show In Helsinki Ice Hall 2019)“ beim Label Spinefarm Records. Ironischerweise bedeutete gerade die rechtzeitige Entscheidung zum Abschied, dass die Band noch einen letzten Tribut vor der pandemischen Stille erhaschen konnte. Manchmal muss man »Stop« drücken, damit man später wieder »Play« drücken kann.
Die Band veröffentlichte in ihrer Karriere zehn Studioalben, zwei Livealben, zwei EPs, zwei Kompilationen und eine DVD. Von der Gründung 1993 (damals noch als Inearthed) bis zum Abschied 2019 wurden sie zu einer der erfolgreichsten finnischen Metal-Exportgeschichten. Alexi Laiho gründete nach der Auflösung noch das Projekt Bodom After Midnight, das drei Songs posthum veröffentlichte – als stiller, aber beredter Epilog.
Die Hommage in der Tavastia war kein Versuch, die Band im klassischen Sinne wieder zum Leben zu erwecken, sondern eine Feier der Musik, die ihren Schöpfer überlebt hat. Und obwohl die Geschichte von Children of Bodom von Dämonen, internen Reibereien und einem tragischen Ende geprägt ist, bleibt eine Tatsache: Ihre Songs leben noch immer. Vielleicht sind die Kinder des Bodom erwachsen geworden – aber sie wissen immer noch, wie man vor der Bühne ein echtes Massaker anrichtet.
Die Aufnahme des gesamten Konzerts ist am Ende des Beitrags verfügbar.
Setlist:
Living Dead Beat
Sixpounder
Bodom Beach Terror
Silent Night, Bodom Night
Deadnight Warrior
Towards Dead End
Everytime I Die
Bodom After Midnight
Lake Bodom
Bed Of Razors
Needled 24/7
Angels Don’t Kill
Blooddrunk
Warheart
Follow The Reaper
Downfall
Encore 1:
Are You Dead Yet?
Hate Me!
Hate Crew Deathroll
Encore 2:
In Your Face