Ortodoksni Harpier und Pelhan (September 2024)

foto: IGORAC 2024
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Veranstaltung: Solokonzert Pelhan, Vorband Harpier
Datum: 19.9.2024
Ort: Orto Bar, Ljubljana, Slowenien


Am Donnerstag haben im intimen Ambiente des Orto Bar zwei Bands gespielt: Harpier als Vorband und die Hard-Rocker aus dem Küstenland Pelhan als Hauptact.
Da Ljubljana nun mal ein etwas größeres Dorf ist, in dem Tanten und Onkelchen gerne früh die Augen zudrücken, war der Zeitplan des Zwei-Bands-Konzerts zwischen acht und zehn Uhr abends eingequetscht.
Harpier haben ein bisschen gemogelt und etwa fünf Minuten früher angefangen — vor einem leider gähnend leeren Club. Die Jungs präsentierten uns eine Auswahl an Songs von ihrer Debüt-Kurz-EP „Ali je kdo“. Eine typische Indie-Rock-Band, die den Sound des Rocks für Introvertierte fährt. Ins Auge sticht sofort das Image: alle vier waren in dunkle Overalls gekleidet. Ich kann nicht behaupten, dass sie den Raum farblich erhellt hätten, aber es ist definitiv eine interessante Wahl an Bühnenkleidung. Introspektiver Rock kroch von der Bühne, vermischt mit kurzen Energieausbrüchen, die mich stark an die Australier The Screaming Jets erinnerten. Das sind ausgezeichnete Musiker, besonders herausgestochen sind Sänger Mitja mit seiner leidenden Stimmfarbe und Schlagzeuger Nik, der die an sich einfache rhythmische Grundlage mit leicht überdimensionierten Übergängen und kleinen Soloeinlagen aufgepeppt hat. Harpier ist eine qualitativ hochwertige Besetzung mit ausgefeilten Songs, die wirklich in ein intimes Ambiente passt, wie es an diesem Herbstabend im Orto Bar der Fall war. Ich kann mir die vier gut vorstellen, wie sie ihre Melancholie in einem verrauchten Wohnzimmer unter einer Gruppe verträumter Mädchen verbreiten. Düster.
Nach einer kurzen Pause übernahmen Pelhan die Bühne. Der Club füllte sich ein wenig, und die Jungs brachten das Publikum mit einem energischen Konzertstart in Bewegung — echte Konzertenergie war spürbar. Sie servierten uns eine Auswahl der Highlights von beiden Alben (mit Schwerpunkt auf dem aktuellen „Zgrabi me“, Rockline Rezension), und passend zum Anlass spielten sie größtenteils hochenergetische Sachen — mit Ausnahme des Terrassen-Schmeichlers „Priznam“, zu dem sich vor der Bühne sogar ein Tanzpaar im Kreis drehte. Reines Metal, sag ich euch.
Spaß beiseite: Hammer wie „Nov človek“, „Narava kaže zobe“ und „Na dnu flaše“ schneiden richtig rein und schütteln einem die Knochen durch, während der verspielte Mini-Sommerhit „Mrzlo pivo na soncu“ auf ungeteilte Zustimmung beim männlichen Teil des Publikums stieß.
Pelhan sind eine gut geölte Konzertmaschine, was kaum verwundert, denn alle Mitglieder sind Veteranen unzähliger Konzertschlachten und obendrein Meister verschiedener Musikgenres (Punk, HC, symphonischer Power/Prog, Speed Metal, Hard Rock — alles dabei). Der Sound war echter Clubsound, aufgedreht und dreckig, die Jungs haben alles ohne Probleme runtergerockt und -gesungen. Ich habe die Band zum zweiten Mal so aus der Nähe gesehen und gehört, „in your face“, und der fehlende zweite Gitarrist fällt auf. Aleš (Sänger und Gitarrist) wird das zwar nie zugeben, aber es ist eine Tatsache. Auf einer größeren Bühne mit satterem Sound hört man es nicht so deutlich, aber ein erfahrenes Ohr hört, was es hört.

Der Besuch im Club hat gezeigt, dass Ljubljana eben kein Rock-’n‘-Roll-Dorf ist. Solche qualitativen und hochenergetischen Konzerte sollten eigentlich deutlich mehr Gitarren-Sound-Fans anziehen, aber das werden wir in Ljubljana und auch in Slowenien insgesamt wohl so bald nicht erleben. Es war schmackhaft, knackig und wuchtig. Mehr davon!

Text und Fotos: Igorac


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