Obscura präsentierten Diluvium in der Wiener Arena

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Ort: Wien / Arena / Österreich
Datum: Montag, 18.02.2019

Die deutschen Progressive-Death-Metal-Musiker Obscura sind in den letzten Jahren ziemlich fleißig. Die Besetzung hat sich stabilisiert, an Kreativität mangelt es nicht, und auch regelmäßige Tourneen stehen auf dem Programm. Das letzte Album Diluvium wurde gut aufgenommen, und die Band hat sich entschieden, es auf einer ausgedehnten Europa-Tournee auch live vorzustellen – die diesmal zwar an Slowenien vorbeigegangen ist, aber im benachbarten Österreich haltgemacht hat.  

Begleitet wurden Obscura auf der Tournee von den Technical-Death-Metal-Leuten Fallujah, die Europa schon ein paarmal besucht haben, während die amerikanischen Allegaeon zum zweiten Mal auf europäischem Boden standen und die kanadischen First Fragment zum ersten Mal. Das Line-up war ein echter Leckerbissen für jeden Fan von Technical und Progressive Death Metal. Das Konzert in Wien war ursprünglich für die große Arena-Halle mit Platz für rund tausend Besucher angesetzt worden, doch weil es sich um härtere Kost handelt, wurde das Konzert in den kleinen Saal der Arena verlegt. Was keine besonders gute Wahl für solche Bands ist, denn die Akustik des Saals ist alles andere als ideal.

Die kanadische Truppe First Fragment ist ohne Zweifel vielversprechend. Leider konnten sie mit dem Konzert im kleinen Saal der Arena nicht überzeugen. Der Sound war katastrophal. Die Instrumente waren fast durchgehend unverständlich. Bei der Musik, die First Fragment spielen, braucht man eben einen guten Saal mit einem fähigen Tonmann. Die Band spielte Songs vom Album Dasein sowie einen neuen Track, der auf dem nächsten Album landen soll, das sich gerade noch in der Entstehungsphase befindet. First Fragment spielen schnellen, technischen Death Metal mit neoklassischen Soli, bei denen die Basslinien von Dominic Lapoint (ex-Beyond Creation) herausstechen. Das Ganze ist natürlich ziemlich brutal – aber was nützt das, wenn es so undeutlich klingt, dass es wie ein einziges großes Durcheinander wirkt. First Fragment brauchen eine zweite Chance, denn mit ihrem Album haben sie gezeigt, was in ihnen steckt – für eine ordentliche Performance brauchen sie nur die richtigen Bedingungen.

Bei der amerikanischen Band Allegaeon hatte sich das Klangbild dann schon deutlich verbessert, was man dem Auftritt entsprechend besser anmerkte. Die Band hatte knappe halbe Stunde zur Verfügung, doch in dieser Zeit hat sie zweifelsfrei bewiesen, dass sie gerade zu den heißesten Extreme-Metal-Bands gehört. Die Band glänzte mit perfektem Zusammenspiel, Virtuosität und Aggressivität. Allegaeon lieferten einen starken Mix aus Technical und Melodic Death Metal. Neben bekannten Songs wie All Hail Science, Gray Matter Mechanics, 1.618 und Biomech gab es auch den neuen Track Stellar Tidal Disruption zu hören. Die Band hat nämlich bereits ihr fünftes Album angekündigt, was ihren Fleiß und ihre unaufhörliche Kreativität bestätigt. Das Potenzial von Allegaeon ist zweifellos enorm. Klar, es ist eine Extreme-Band – aber ihr Spiel, ihre Präzision und der souveräne Auftritt machen deutlich, dass sie jede Menge Aufmerksamkeit verdienen.

Die kalifornischen Technical-Death-Metal-Musiker Fallujah haben sich den europäischen Clubs schon mehrmals vorgestellt. Die Band kam diesmal in leicht veränderter Besetzung zurück. Die augenfälligste Änderung war der neue Sänger, mit dem die Band auch das neue Album aufgenommen hat. Das Zusammenspiel der Band ist nach wie vor auf hohem Niveau, die Rhythmussektion sitzt sauber, und die Gitarren sind weiterhin ein starker Faktor. Besonders heraus sticht die Atmosphäre, die auch durch die Lichtshow noch verstärkt wird – das gibt dem verträumten und morbiden Charakter der Musik noch mehr Gewicht. Der neue Sänger Antonio Palermo ist eher Gewöhnungssache. Es ist hauptsächlich ein schreienderer Typ von Vokalist, während die grunzigen Vocals noch vorhanden sind, aber nicht mehr diese Tiefen wie beim Vorgänger. Die neuen Songs überzeugen aufgrund des anderen Ansatzes noch nicht so ganz, während die Dauerbrenner Carved From Stone, Sapphire, Scar Queen und The Void Alone mehr als guten Anklang beim Publikum fanden. Fallujah bleiben eine Besonderheit, aber dem neuen Album nach zu urteilen deutet sich etwas anderes an – was nicht jedem passen wird.

Die deutsche Band Obscura hat sich in den letzten Jahren einen fast beneidenswerten Status erarbeitet. Wobei das in Wien im kleinen Saal nicht so richtig zu spüren war. Wenn Obscura vor zehn Jahren noch wie eine Band wirkten, die noch viel lernen muss, zeigte sich diesmal ein ganz anderes Bild. Der Auftritt von Obscura ist kompromisslos. Die neuen Tracks vom Album Diluvium (Rezension HIER) überzeugen. Ein bisschen störend ist, dass die Band vorproduzierte Teile für die cleanen Vocals bzw. diese synthetisierten Vocals verwendet, die zum festen Bestandteil des Sounds der Band gehören. Obscura haben in etwa einer Stunde einen Querschnitt durch ihre Karriere gespielt. Als Überraschung holten sie Septuagint vom Album Omnivium zurück ins Set, ansonsten lag der Schwerpunkt hauptsächlich auf den letzten beiden Alben. Von den Klassikern durfte auch Incarnated vom Album Cosmogenesis nicht fehlen, das genau bei diesem Konzert sein 10-jähriges Jubiläum feierte.

Am Zusammenspiel der Band gibt es nichts auszusetzen. Wenn man beim letzten Album noch das Gefühl hatte, dass die Band mit den neuen Mitgliedern noch das richtige Gleichgewicht sucht, war das diesmal längst gefunden. Jedes Mitglied hat seinen Job hervorragend gemacht. Steffen Kummerer, Gitarrist und Sänger, ist inzwischen auch in Sachen Publikumskontakt überzeugend geworden. Das Publikum hat das alles mit wildem Moshen quittiert. Bassist Linus Klausenitzer ist ein echter Virtuose. Seine Linien sind komplex und herausstechend. Schlagzeuger Sebastian Lanser ist ein Drummer, den sich so manche Band wünschen würde. Lanser vereint nämlich die Aggressivität des Death Metal mit der Dynamik des Jazz Fusion. Rafael Trujillo, der Gitarrist, der noch nicht mal 25 ist, hat den ganzen Abend Soli rausgehauen. Die klassische Schule ist mehr als offensichtlich, an Präzision mangelt es hier ganz und gar nicht. Obscura schlossen das Konzert mit dem immergrünen Anticosmic Overload. Mit dem Gespielten bestätigten sie ihre Topform und wie es aussieht, sind sie gerade nicht aufzuhalten.

Im kleinen Saal der Wiener Arena fand ein Konzert statt, das die Fans von Technical und Progressive Death Metal mit offenen Armen empfangen haben. Obscura haben zusammen mit Fallujah, Allegaeon und First Fragment trotz der schwachen Akustik des Saals einen unvergesslichen Abend auf die Beine gestellt.

Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik

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