Unvergessliche Leprous begeistern im Grazer Explosiv (2020)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2020
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Auftretende: Leprous, Klone, Maraton
Ort: Graz / Explosiv / Österreich
Datum: Mittwoch, 12.02.2020


Die norwegische Band Leprous hat sich im letzten Jahrzehnt durch regelmäßige Albumveröffentlichungen und Konzerte einen Namen gemacht. Zumindest unter Fans von Progressive Rock und Metal sind Leprous ziemlich angesehen. Nach vielen Touren und Festivals nahmen Leprous letztes Jahr das Album Pitfalls auf, mit dem sie sich bereits deutlich von ihrem ursprünglichen Stil entfernt haben und es dennoch geschafft haben, ihre Fanbasis zu halten – was sich in vollen Hallen zeigte, und manche Konzerte waren sogar ausverkauft. Als Leprous 2013 im Orto Bar vor einer Handvoll Leute spielten, schien es, als hätte die Band keine Zukunft. Aber offensichtlich hat sich die harte Arbeit ausgezahlt. Leprous, die eine zeitlang auch die Begleitband des norwegischen Musikers Ihsahn waren, sind heute ein ziemlich klingender Name in der Prog-Szene.

Auf dieser Tour spielten Leprous in ordentlich großen Hallen. Von Kellerlöchern konnte wirklich keine Rede sein. Die Tour machte auch in Österreichs zweitgrößter Stadt Graz halt, im Club Explosiv, in dem zuletzt weitaus mehr alternative Konzerte stattfinden als in der renommierten Halle Orpheum.

Als Erste traten Maraton auf, die sich selbst als Progressive Pop beschreiben. Der erste Eindruck war nicht gerade der vielversprechendste – der Sänger sang zwar gut, sah mit seinem Outfit aber aus wie Werner. Doch das Potenzial der Band zeigte sich schnell. Im Hinblick auf das letzte Leprous-Album waren sie mehr als die richtige Wahl, nur betonen Maraton die Melancholie nicht ganz so stark. Schnell war aber zu spüren, dass sich die Band an 80er-Pop-Melodien orientiert. Die Songs waren eingängig im Stil von A-ha, Duran Duran und Co. Durch Verzerrung und Elektronik war zudem der Einfluss von Muse zu spüren. Die Band, die erst ein Debütalbum hinter sich hat, will auf die gute Musik der Achtziger aufmerksam machen, die im Vergleich zum heutigen Pop echte Kunst war.

Danach kamen die Franzosen Klone, die bereits ein gutes Dutzend Alben hinter sich haben. Der Fokus lag natürlich auf dem letzten Album Le Grand Voyage, aber auch der ein oder andere ältere Track durfte nicht fehlen. Klone boten angenehm melancholische Musik, die Fans der schwedischen Katatonia gefallen dürfte. Die Melancholie stach bei Klone tatsächlich heraus. Mit guter Spielroutine und vor allem einem hervorragenden Gesang zeigten Klone ihre jahrelange Erfahrung und zogen gleichzeitig ein größeres Publikum in ihren Bann. Klone demonstrierten mit ihrem Gespür für Melancholie und Groove eine ganz eigene Handschrift. Eine mehr als passende Wahl vor Leprous, da man Ähnlichkeiten mit Riverside, Soen, Porcupine Tree, Anathema und anderen heraushört. Mit ihrem Set haben Klone klargemacht, dass sie noch viel zu zeigen haben. Trotz des Schwerpunkts auf Melancholie ist die Musik von Klone dynamisch genug – eigentlich verdienen Klone mehr Bekanntheit. Offensichtlich gibt es in Frankreich viele Bands, die die Szene besonders machen.

Bei Leprous stellt sich die Frage, welches Repertoire die Band bieten wird, nachdem das aktuelle Album Pitfalls gemischte Reaktionen erhalten hat. Die Band zeigte auf dem Album nämlich ihre sanfteste Seite. Man könnte sagen, das Album ist deutlich »poppiger« als die Vorgänger. Auch diese Tour haben Leprous nicht auf die leichte Schulter genommen. Sie wollten das Album im besten Licht präsentieren. Die Band trat als Sextett auf, begleitet von Cellist Raphael Weinroth, der zum reicheren Klangbild beitrug. Leprous starteten mit der Promotion des aktuellen Albums, weshalb es anfangs insgesamt ruhiger war. Das Album spiegelt nämlich eine schwierige Phase im Leben von Einar Solberg wider, Sänger und Keyboarder der Band. Die Gitarren sind nicht im Vordergrund, die Rhythmik ist nicht komplex, alles wirkt verträumter. Mit Below und I Lose Hope war die Stimmung ziemlich gedämpft. Das neue Album stand eindeutig im Mittelpunkt, aber zum Glück haben Leprous ihre früheren Werke bzw. Hits nicht vergessen.

Lebhafter wurde es mit Stuck und The Valley. Letztere ist nämlich für Fans der Band ein echter Leckerbissen – sie spiegelt die progressivere Ausrichtung wider, durch die die Band auch ihre Bekanntheit erlangt hat. Sänger Einar Solberg bewies sich dabei als außergewöhnlicher Vokalist, der mit seinem häufigen Einsatz des Vokals »A« beachtliche Höhen erreicht. Aber man darf auch den Rest der Band nicht außer Acht lassen – vor allem wenn es zum mehrstimmigen Gesang kommt, ist das Klangbild perfekt. Das auffälligste Mitglied bleibt natürlich Solberg, der sich mit dem aktuellen Album entschieden hat, mehr mit dem Publikum zu kommunizieren, was dem Repertoire selbst zusätzlich Abwechslung verlieh. Was Leprous noch zusätzlich besonders macht, ist Schlagzeuger Baard Kolstad. Kolstad ist dank seines dynamischen und rhythmisch anspruchsvollen Spiels heute ein wichtiger Name in der Prog-Szene. Obwohl er ein junger Schlagzeuger ist, hat Kolstad enorm viel unter Beweis gestellt. Und natürlich darf man auch die übrigen Mitglieder nicht vergessen – sie spielten das gesamte Konzert souverän und wechselten bei manchen Songs von den Gitarren zu den Keyboards, was einmal mehr den Weitblick und die Professionalität der Bandmitglieder bestätigte.

Das letzte Album stand diesmal wirklich im Mittelpunkt. Vielleicht sogar etwas zu sehr, denn bestimmte ruhige und verträumte Passagen zogen sich ein bisschen zu lang hin. Mit Alleviate wirkte es, als hätten Leprous einen Song für den Eurovision Song Contest geschrieben. Mit The Price gab es dann etwas mehr Verzerrung. Mit Distant Bells verabschiedeten sich Leprous vorübergehend. Es ist ein Stück, das sich langsam aufbaut, bis sich nach und nach die anderen Instrumente dazugesellen. Als Zugabe spielte die Band noch From The Flame vom vorherigen Album und schloss mit The Sky Is Red, das auch der Abschlusssong des letzten Albums ist. Der Abschluss mit diesem morbiden und komplexen Song, der durch den Lichteinsatz noch zusätzlich an Atmosphäre gewann, bestätigte endgültig die Kreativität und Professionalität der Band.

In den letzten zehn Jahren hat sich bei Leprous einiges verändert. Die Musik ist auch für ein breiteres Publikum zugänglicher geworden, was man auch beim Konzert hörte, als das Publikum die ein oder andere Zeile mitsang. Angesichts der vollen Halle wirkt es, als wären Leprous nicht aufzuhalten. In den nächsten Jahren ist also zu erwarten, dass Leprous noch größere Hallen füllen werden.

Leprous haben es trotz des nicht gerade fröhlichsten Repertoires geschafft, im Grazer Club Explosiv echte Stimmung zu zaubern, die die Besucher bis zum Ende des Konzerts auf Trab hielt. Natürlich darf man dabei die hervorragenden Vorbands Klone und Maraton nicht vergessen, die das Konzert wirklich besonders gemacht haben.

Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik

Leprous Setlist:
1. Below
2. I Lose Hope
3. Stuck
4. The Valley
5. Third Law
6. Observe The Train
7. Alleviate
8. The Cloak
9. The Price
10. Distant Bells
—Zugabe—
11. From the Flame
12. The Sky Is Red


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