Ein unvergesslicher Abend mit Elder, Pallbearer und Irist im Orto Bar
Location: Ljubljana / Orto Bar / Slowenien
Datum: Mittwoch, 28. 9. 2022
Die diesjährige Herbst-Konzertsaison ist zweifellos abwechslungsreich. Neben zahlreichen lokalen Konzerten touren viele amerikanische Bands durch Europa. Das Konzert von Elder und Pallbearer war in einer Zeit vieler Absagen im Jahr 2021 angekündigt worden, weshalb die Erwartungen nicht gerade optimistisch waren. Doch im Frühjahr dieses Jahres drehte sich das Blatt, und viele Bands konnten ihre mehrfach verschobenen Touren endlich antreten. Nach rund einem Jahr des Wartens machte nun auch in Slowenien eine Tour Station, auf die vor allem Fans von Stoner- und Doom-Metal gewartet hatten. Vor dem Eingang mangelte es nicht an Besuchern — ein zusätzlicher Beweis, dass Doom/Stoner/Sludge-Metal-Konzerte längst nicht mehr nur einer kleinen Handvoll Eingeweihten vorbehalten sind.
Bei der ersten Band Irist schien sich die Geschichte vergangener Jahre zu wiederholen, als eine Gruppe zu Konzertbeginn nur vor wenigen Zuschauern spielte. Doch mit jedem weiteren Song zogen Irist mehr Publikum an. Irist setzen stärker auf Sludge Metal. Die Musik war morbide, der Gesang roh und ohne jede Beschönigung. Die Band, die ein Album und eine EP vorzuweisen hat, begeisterte mit einer interessanten Mischung verschiedener Subgenres. Man spürte, dass die Gruppe ihre Inspiration bei Post-Metal-Bands à la Isis und Cult of Luna zieht — nur dass Irist brutaler klingen. Irist sind definitiv eine Band mit viel Potenzial, doch es braucht noch das ein oder andere weitere Werk, um ihren Stil weiterzuentwickeln und zu verfeinern.
Pallbearer, die amerikanische Doom-Metal-Sensation, hatten sich bereits vor einigen Jahren im Rahmen des Metaldays-Festivals einen Namen gemacht — damals allerdings mit einem kürzeren Set, weshalb der Auftritt im Orto Bar umso mehr erwartet wurde. Pallbearer zogen ein zahlreiches Publikum an; der Orto Bar war für ein Doom-Metal-Konzert bemerkenswert gut gefüllt. Pallbearer haben ihr Repertoire sinnvoll zusammengestellt, mit Schwerpunkt auf dem letzten Album Forgotten Days, das wegen der Corona-Pandemie nie die verdiente Promotion erfahren hatte. Die Band überzeugte mit ihrem für Doom Metal recht einzigartigen Ansatz: lange und abwechslungsreiche Songs, vielfältige Vokalharmonien und ein hohes Maß an Melodie. Am meisten beeindruckten jedoch die schweren, wuchtigen Riffs — besonders beim Abschlusssong Given to the Grave, bei dem die Band alles herunterbrach, was stellenweise an Funeral Doom grenzte, ohne dabei dröge zu klingen, was im Doom Metal keine Selbstverständlichkeit ist. Was fehlte, war der ein oder andere Song aus den ersten beiden Alben, mit denen Pallbearer bekannt wurden und zu einer der heißesten Bands im zeitgenössischen Doom Metal avancierten. Insgesamt überzeugten Pallbearer aber mit ihrer Eingespielheit, und ein Comeback ist hier jederzeit willkommen. Angesichts des Publikumszuspruchs sieht es auch für den Doom Metal im Jahr 2022 gut aus.
Die amerikanische Band Elder machte 2015 mit ihrem dritten Studioalbum Lore erstmals nachdrücklich auf sich aufmerksam. Die Gruppe hatte damals ihren Stil ein wenig verändert und weiterentwickelt. Die Ausrichtung blieb zwar im Doom- und Stoner-Bereich, doch gleichzeitig floss die Inspiration des Progressiv-Rocks der Siebziger ein. Elder wurden zum Unikat — und nicht zu einer weiteren Band, die sich Mastodon oder ähnlichen zum Vorbild nimmt. Mit den nachfolgenden Werken Reflections of a Floating World und Omens stellten sie ihre Innovationskraft unter Beweis. Elder präsentierten in über einer Stunde einen Querschnitt durch ihre Diskografie. Im vorderen Teil des Saals war das Ganze zwar etwas zu laut und dadurch nicht immer ganz klar, doch dem allgemeinen Eindruck tat das keinen Abbruch. Elder überraschten durchgehend mit ihrer Energie und Spielsicherheit. Besonders lobenswert ist die stimmige Verzahnung von Doom Metal, psychedelischem und progressivem Rock sowie Jam Rock. Der interessantere Teil von Elder ist zweifellos der instrumentale, während der Gesang zeitweise eher wie ein Nebenfaktor wirkte. Mit langen Songs bewiesen Elder ein ausgeprägtes Gespür — man merkte, dass die Band gerne beim Jammen Ideen entwickelt, was nicht störte, weil man ihnen auch ansah, dass sie ihren Job genießen. Vor allem ist ihr Sinn für starke atmosphärische Elemente hervorzuheben, die dem Ganzen viel hinzufügten und nie langweilten. Darüber hinaus bewiesen Elder, dass eine Band heute noch unkonventionell klingen kann, wenn sie die richtigen Kombinationen wählt. In über einer Stunde begeisterten Elder den vollen Orto Bar — und man hofft hier, dass man auf eine Rückkehr keine 15 Jahre warten muss.
Elder, Pallbearer und Irist begeisterten an einem verregneten Mittwochabend mit ihrem jeweiligen Stil und schufen so einen unvergesslichen Abend — der zugleich als eines der besten Konzerte des Jahres 2022 in die Erinnerung eingeht.
Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik































