Mr. Big erweckten im Kino Šiška einige der eindrucksvollsten Momente ihrer Karriere zum Leben (2018)

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Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Konzertdatum: 01.08.2018
Besucherzahl: 600
Kartenpreis: 29,00€ (Vorverkauf)

Kino Šiška beherbergte diesmal die berühmten amerikanischen Hardrocker Mr. Big, die ihre größten kommerziellen Erfolge Anfang der Neunziger mit einigen Hits feierten, von denen »To Be With You« und »Just Take My Heart« die Radiostationen der damaligen Zeit am häufigsten dominierten. Ein heißer Abend war versprochen für alle Liebhaber erstklassiger Vokalharmonien, feuriger Hardrock-Riffs, eingängiger Melodien und Verehrer von Gitarren- bzw. Bassgitarren-Virtuosität. Für jeden war etwas dabei, weshalb sich auch ein ziemlich buntes Publikum zusammenfand, das aus zahlreichen Hörerinnen und Hörern verschiedener Musikrichtungen und Altersgruppen bestand – was bei Auftritten von Acts, die fast drei Jahrzehnte auf dem Buckel haben, nicht gerade häufig vorkommt.

Vor dem Auftritt von Mr. Big unterhielt uns zunächst das kroatische Hardrock-Trio unter der Leitung des energiegeladenen Gitarristen und Sängers Alen Brentini mit einem ordentlichen Set und jeder Menge Herzblut. Ihr zwar recht geradlinig angelegter Hard Rock erwies sich als gute Wahl zum frühen Aufwärmen, und gleichzeitig nutzten sie die Gelegenheit ganz gut, um ihr Publikum in Slowenien mit ihrer Musik bekanntzumachen – auch wenn unter den Besucherinnen und Besuchern viele Musikliebhaber aus Italien, Österreich und Kroatien waren, die die üblichen Probleme mit der Auslastung der Šiška-Halle lösten, wenn große ausländische Rocknamen zu uns kommen. Der Besuch war während Brentinis Auftritt nämlich recht kläglich, doch das änderte sich schon bald.

Weit größeres Interesse des Publikums weckte das nächste Vorband, die amerikanischen Heavy-Metaller Fozzy unter der Führung des bekannten kanadischen Sängers und Profiwrestlers Christopher Irvine, besser bekannt als Chris Jericho. Letzterer, der sich so einiges von weit bekannteren und einflussreicheren Metal-Frontmännern abgeschaut hat, begeisterte das Publikum vor allem durch jede Menge Charisma, Energie und die Gabe, schnell Slowenisch zu lernen. Weit weniger begeisterte hingegen die Tatsache, dass Fozzy, die ihr aktuelles Album »Judas« (2017) präsentierten, während des Auftritts reichlich auf Playbacks und voraufgenommene Hintergrundgesänge zurückgriffen – was ihnen definitiv keine Ehre macht. Schade, denn ihr klassischer Metal mit gelegentlichen Power-Metal- und Hard-Rock-Einsprengseln, der – Hand aufs Herz – nichts Neues bietet, kam bei so manchem im Publikum gut an und wurde mehrfach mit lautem Jubel belohnt. Am meisten im Gedächtnis blieben ein recht gelungenes Cover des ABBA-Evergreens »SOS« sowie der Antikriegssong »Do You Want to Start a War«, bei dem Jericho mit einem Gassprüher bewaffnet auftrat. Fozzy bewiesen, dass sie das Problem mit einem Metal-Maskottchen gelöst haben, denn das Maskottchen ist Jericho selbst, der seine Wrestling-Persönlichkeit kurzzeitig auch mit glamourösen, mit Lämpchen besetzten Umhängen aufleben lässt, mit deren Hilfe er wie ein Weihnachtsbaum erstrahlt. Leider reichte das nicht aus, denn nach dem Ende der ziemlich elektrisierenden und lauten Show blieb auch wegen des zu lauten Soundsystems ein bitterer Nachgeschmack.

Überraschend, aber wahr: An diesem Abend kamen auch viele Vertreterinnen des zarten Geschlechts, um Mr. Big zu sehen, darunter nicht wenige, die noch gar nicht auf der Welt waren, als die Band 1989 ihr erstes Album veröffentlichte. Offenbar wirken das Showmanship und der Charme des mehrfach körperlich »nachgebesserten« Mr. Big-Sängers Eric Martin, der eine gut erhaltene Stimme vorweisen kann, noch immer – denn es ist schwer zu erklären, dass es sich um eine der wenigen Bands des Genres handelt, die nach wie vor beträchtliche Popularität genießen, obwohl sie stilistisch und lyrisch tief im Spät-Achtziger- und Früh-Neunziger-Sound verwurzelt geblieben sind. Ein beträchtlicher Teil des männlichen Publikums war hingegen vor allem deswegen zum Mr. Big-Auftritt gekommen, um den Meisterleistungen des virtuosen Duos in Gestalt des genialen Bassisten Billy Sheehan und des Gitarrenzauberers Paul Gilbert beizuwohnen. Die beiden bleiben bei Mr. Big anstatt bei experimentelleren Musikprojekten, wo ihre Fähigkeiten weit stärker zum Ausdruck kommen könnten, natürlich vor allem wegen des Raschelns der Geldscheine. An diesem Abend haben sie ihren Ruf vollauf gerechtfertigt – und das bereits beim ersten Stück des Abends, »Daddy, Brother, Lover, Little Boy (The Electric Drill Song)«, bei dem sie die Saiten ihrer Instrumente kurzzeitig auch mit Elektrobohrern bearbeiteten; das war allerdings erst die Aufwärmübung für die pompöseren Virtuosenkapriolen.

Leider ist der verstorbene Original-Schlagzeuger Pat Torpey nicht mehr in der Band, doch Matt Star hat ihn mehr als würdig ersetzt – er ist jedoch fürs Erste noch ein »zu kleiner Fisch«, um sich neben Gilbert und Sheehan einen Soloauftritt zu erkämpfen. Die Auswahl der gespielten Stücke war schön ausgewogen zwischen neueren Werken von den letzten drei Studioalben mit dem aktuellen »Defying Gravity« (2017) an der Spitze und langjährigen Standards wie »Alive and Kickin’«, »Green-Tinted Sixties Mind« und »Rock & Roll Over«, allesamt gespielt und gesungen, wie es sich gehört. Als Erster kam der stets gut gelaunte Hüne Gilbert mit seiner Solonummer dran, der mit seinen technisch anspruchsvollen Manövern und fingerfertige Griffen eindrücklich demonstrierte, warum viele ihn zur absoluten Spitze der größten Gitarrenvirtuosen zählen – und das war gleichzeitig der erste Höhepunkt des Abends.

Wegen der unerträglichen Hitze, bei der es in der Halle war wie mitten im Amazonas-Regenwald, hatte auch die Band zu kämpfen: Alle vier Mitglieder schwitzten wie verrückt und nutzten jede Pause zur Abkühlung, und Martin machte keinen Hehl daraus, dass ihm etwas Klimaanlage sehr gelegen käme. Der mit allerlei Pomade und Bühnenposen aufgemotzte Sänger weiß noch immer, wie er dem weiblichen Teil des Publikums schmeichelt, und stimmlich hat er sich durch den Großteil des Auftritts ganz ordentlich gehalten. Nach der Darbietung des neuen Songs »Open Your Eyes« vom Album »Defying Gravity« überraschte so manchen die Interpretation ihres kleineren Hits, eines Covers von »Wild World«, das eigentlich Cat Stevens gehört und bei seiner Erstveröffentlichung schon reichlich widersprüchliche Reaktionen ausgelöst hatte. Sheehans Solonummer, die man mit eigenen Augen und Ohren erleben muss, um zu glauben, dass so etwas auf dem Bass überhaupt möglich ist, stellte den zweiten Höhepunkt des Mr. Big-Auftritts dar.

Für diejenigen, die vor allem wegen des guten Spaßes und der Hardrock-Party zum Konzert gekommen waren, stellte die Darbietung des größten Mr. Big-Hits »To Be With You« zweifellos den Höhepunkt des Abends dar. Letzterer wärmte mit seinem Liebestext vor allem den weiblichen Teil des Publikums auf, während die Band zum Abschluss noch »Colorado Bulldog« spielte und damit noch einmal in eine etwas schlagkräftigere Darbietung schaltete. Trotz stürmischer Rufe kehrten sie nicht mehr auf die Bühne zurück, um in einer möglichen Zugabe zumindest noch den einen oder anderen Song zu spielen – etwa »Just Take My Heart«, den sie überraschenderweise weggelassen hatten. Das hat einige im Publikum – auch aufgrund der unerträglichen Hitze in der Halle – zusätzlich verärgert, und bevor sie durch die Ausgangstüren gingen, waren laute Pfeifkonzerte der Missbilligung zu hören.

Mr. Big sorgten im Kino Šiška für einen sehr ordentlichen und professionellen Auftritt, mit den Höhepunkten in den Soloparts der beiden Virtuosen, während so mancher der glühendsten Fans mindestens noch die eine oder andere weitere Nummer erwartet hatte. Zu ihren Gunsten spricht, dass sie sich – trotz Martins gelegentlich etwas kitschiger Bühnenmimik – nicht übertrieben starallürig verhielten und eine echte Verbindung zwischen Bühne und Publikum aufbauten. Obwohl das Soundsystem diesmal recht ordentlich war für die üblichen Verhältnisse im Kino Šiška und die berühmte Band ihren Ruf bestätigt hat, verließen viele von uns das Konzert mit gemischten Gefühlen. Es bleibt die Tatsache, dass Mr. Big Gefangene einer bestimmten Ära geblieben sind und als Songwriter schon lange ziemlich eingerostet sind – auch was neue Kreationen betrifft, von den Texten ganz zu schweigen –, weshalb sie Liebhaber eklektischerer Klangeskapaden mit dem, was ihre Konzertauftritte derzeit bieten, nur schwer begeistern können.

Setlist

MR. BIG
1. Daddy, Brother, Lover, Little Boy (The Electric Drill Song)
2. Undertow
3. Alive And Kickin‘
4. Take Cover
5. Green Tinted Sixties Mind
6. Everybody Needs A Little Trouble
7. Price You Gotta Pay
8. Paul Gilbert solo
9. Open Your Eyes
10. Wild World (orig. Cat Stevens)
11. Rock And Roll Over
12. Around the World
13. Billy Sheehan solo
14. Addicted To That Rush
15. To Be With You
—Zugabe—
16. Colorado Bulldog

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