Monstrosity, Bio-Cancer, Reject The Sickness und Deadwood in der Zagreber Nacht des brutalen Donners! (2026)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2026
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Bands: Deadwood, Reject The Sickness, Bio-Cancer, Monstrosity
Datum: Dienstag, 21. 4. 2026
Ort: Zagreb / Vintage Industrial Bar / Kroatien


Monstrosity sind eine jener kultischen, legendären Bands, die vor vielen Jahren den Sound der Florida-Schule des Death Metal in die Höhe katapultiert haben. Eine der grundlegenden Bands. Die Band hat nie aufgehört zu existieren, fiel aber immer wieder in Phasen, in denen man auf ein neues Album ziemlich lange warten musste. Lange Karriere, wenige Alben – aber deswegen kann man keinem davon etwas vorwerfen. Die Band stand von jeher fest hinter ihrer Version der totalen Ausschöpfung extremer Metal-Sphären, die auch durch das Plasma klar wahrnehmbarer technischer Komplexität einen besonders geschätzten Platz einnehmen – womit Monstrosity in ihrer ersten Schaffensphase überhaupt neue Maßstäbe im Extreme Metal gesetzt haben.

Die Band hat in diesem Jahr also ihr siebtes Studioalbum „Screams from Beneath the Surface“ veröffentlicht, mit dem sie nach Europa zurückgekehrt ist. Im Paket mit drei weiteren Bands voller Metal-Aggression: den modernen Deathcore-Jungs Deadwood aus dem kanadischen Montreal, den belgischen Technical-Death-Metalern Reject The Sickness sowie den höllischen Thrash-Metal-Raserburschen der neuen Ära aus Griechenland namens Bio-Cancer.

Vintage Industrial Bar. Ein großartiger Club für solche Events! Und noch früh am Abend! 19.00 Uhr! Noch herrliche Ruhe. Die Sonne geht langsam unter. Die Clubtüren öffnen sich, während ich in der Kneipe nebenan einsam die Minuten mit einem Bier in der Hand ‚totschlage‘. Und 15 Minuten später stehen Deadwood auf der Bühne. Bestialischer Deathcore aus dem französischsprachigen Teil Kanadas also. Montreal. Von dort kommen immer musikalisch sehr interessante Sachen, egal welches Genre. Das Quartett trat ohne Bassisten vor einem praktisch leeren Club auf. Die Band begleiteten bis zum Ende der guten halbstündigen Show etwa 10 Leute. Was wirklich schade ist. Die Band präsentierte sich als ausgesprochen düster, aber ordentlich zornig! Aggressiv stürmten die Jungs auf die Bühne und überschütteten sie mit massiven Breakdowns, wobei das gelegentliche Chaos des Ineinandergreifens beider Gitarren nicht ausblieb, die gierig Arpeggios durchknirschten. Das Quartett in der Besetzung Fred Element (Gitarre), Charles Etienne Lafrance (Schlagzeug), Stephane Filion (Gitarre) und Derek Heynekamp (Gesang) hat Anfang des Jahres die EP „Rituals of a Dying Light“ veröffentlicht, die sie in ihrer Gesamtheit präsentierten. Es handelt sich um Veteranen der Québecer Metal-Szene, die ihre Kilometer in früheren Bands wie Plasma Riffle, Ion Dissonance, Discovery Through Torment, Dismayed und Nova Spei gesammelt haben. Kompakt und fokussiert! Leidenschaftlich und bis über alle Grenzen elektrisierend! Mit giftig brutalem Gesang. Die Band kündigt für dieses Jahr ihr Debütalbum an! Obwohl das Publikum fehlte, haben Deadwood die Dinge im Club von Anfang an an den richtigen Platz gestellt.

Reject The Sickness, belgische Extreme-Metaler aus Gent, betraten als Nächste die Bühne. Mit einem Namen, der identisch ist mit dem Debüt der New Yorker God Forbid. Sie hätten als Quintett spielen sollen, traten aber im Quartett-Format auf, mit einem Gitarristen weniger. Es handelt sich um melodische Death-Metaler, die sich einerseits auf Thrash-Elemente stützen, andererseits aber auch mit Metalcore liebäugeln. Ordentlichen Groove entwickelten sie. Den Fokus übernahm Sänger Guy Vercruysse, der die ganze Bühne für sich beanspruchte und sich gleichzeitig krampfhaft bemühte, aus dem noch immer recht überschaubaren Publikum etwas mehr Reaktion herauszuholen. Die Band meisterte das Konzert erfolgreich auch mit nur einer Gitarre. Sie zeichneten sich durch ausgezeichnetes Zusammenspiel aus, den gut abgemischten Sound nutzten sie hervorragend, und je näher das Konzert dem Ende kam, desto mehr brodelte es im Club. Die Band hat im vergangenen Jahr ihr fünftes Studioalbum „Signs Of The End“ veröffentlicht und es beim Konzert auch ausgiebig vorgestellt. Es war mit gleich sechs Songs vertreten.

Nach gut zehn Minuten Pause stürmten dann für die nächsten knappen drei Viertelstunden die griechischen Thrash-Metal-Bohrmaschinen Bio-Cancer auf die Bühne! Das Quintett machte mit makelloser Spielpräzision und wahnsinniger Geschwindigkeit kurzen Prozess, die es in jedem einzelnen Moment der wirklich explosiven Show demonstrierte. Auch klangtechnisch funktionierte alles wie es sein muss. Die einzige Abweichung ist tatsächlich der Gesang von Giannis Lagoutaris, der auf seine ganz eigene Art funktioniert. Er bleibt vor allem in einem Register. Interessant ist die Band auch insofern, als sie gerne in ihren Thrash-Metal-Charakter, der vor allem von der deutschen (teutonischen) Thrash-Metal-Schule inspiriert ist, Elemente anderer Genres einbaut – wie zum Beispiel Citizen… Down! vom letzten Album „Revengeance“ (2023) mit Black-Metal-Unterton. Bio-Cancer sind Revivalisten. Musikalisch können sie der Szene keine Neuheiten bringen, aber sie bringen eine energetische Attacke und eine ausgesprochen messerscharfe Replik der vernichtenden Thrash-Metal-Natur. Das Publikum hatte sich inzwischen in ansehnlicher Zahl versammelt und auch die Interaktionen brachten mehr von jener wirklich echten Club-Atmosphäre, nach der wir immer wieder gerne suchen, wenn wir über Bands extremer Metal-Natur reden!

Und dann Monstrosity. Legenden der Florida-Szene. Auf der letzten Tournee besuchten sie Laibach. Diesmal nicht. Ich versuche seit einigen Jahren erfolglos, die Band live zu erwischen, also habe ich diesmal einfach entschieden, sie an erste Stelle zu setzen. Am selben Tag traten in Laibach die Progger Myrath auf, und unser Igor stand so (mal wieder) ohne Fotografen da (Wie lange wird er meine Launen noch ertragen?).

Wie auch immer, zurück in die Vintage Industrial Bar.

Monstrosity traten im Juni 2019 in Laibach auf – RockLine Konzertbericht. Auch das neueste Album „Screaming from Beneath the Surface“ (2026) erfüllt die geforderten Qualitätspostulate, hinter denen der makellose Florida-Sound des Pioniergeistes der Band steht. Die Band hat darauf einige Neuerungen ausprobiert, aber ihren neandertaler-artigen, höhlenmäßigen Zorn des Death-Metal-Pioniergeistes beibehalten. Sie können immer noch extrem brutal, unvermeidlich bedrohlich und technisch vielseitig sein. Monstrosity machen keinen Halt! Den Zusammenhalt der Band sichert Schlagzeuger Lee Harrison, was er auch bei dieser Zagreber Konzertvorstellung wieder bestätigte. Aus der frühesten, quasi formativen Ära der Band hält ihm heute nur noch Bassist Mark van Erp die Treue, der in den letzten Jahren mit kürzerem Haarschnitt auf der Bühne steht. Rhythmusgitarrist Matt Barnes hält seit bereits 16 Jahren durch, Sänger Edwin Webb, der zuvor für Massacre growlte und 2021 bei Monstrosity seinen Vorgänger Mike Hrubovcak ersetzte, war natürlich vor dem Konzert ein konkretes Fragezeichen, während auf der Leadgitarre anstelle von Justin Walker für diese Tournee Sam Molina einsprang, der bereits zwischen 2001 und 2006 mit der Band zusammengearbeitet hatte.

Die Band lieferte in einer Stunde ab. Einer Stunde? Hjammm, nur einer Stunde. Aber der Reihe nach. Ed donnerte mit seinem Growl vernichtend durch die Anlage und hauchte souverän nicht nur den Tracks des neuen Albums, sondern auch den älteren Klassikern das Tüpfelchen auf dem ‚i‘ ein, sodass diese tatsächlich auflebten! Der Auftritt war kompakt und präzise gespielt. Patzer gab es keine, und auch der Sound war sehr gut. Angefangen mit dem Opener Definitive Inquisition vom Debüt „Imperial Doom“ (1990) und so weiter. Ins Auge und Ohr stach aber das Gefühl einer gewissen Zurückhaltung der Band, die sogar ihr Repertoire kürzte (u. a. war auf der Setlist der Bathory-Song Total Destructrion vermerkt, der nicht gespielt wurde). Ed, ein Kerl, dessen Ausmaße kaum ein Forstmaßband erfassen kann, ist also schon allein von der Statur her furchteinflößend – nicht nur von der Stimme her. Das Publikum sprach er selten an. Erst kurz vor Ende formte er in einer der Pausen ein paar Sätze und bedankte sich beim Publikum für die ganze Unterstützung und Hingabe. Den meisten Enthusiasmus zeigte also ausgerechnet ‚Retter‘ Molina, der in letzter Minute auf die Tournee eingesprungen war – und natürlich der irre Schlagzeuger Lee Harrison, der lieferte. „Screaming from Beneath the Surface“ war mit den Songs Spiral, The Colossal Age und Banished To The Skies vertreten, die hervorragend mit den älteren Songs kommunizierten, darunter u. a. „In Dark Purity“-Klassiker wie Destroying Divnity, Suffering To The Conquered und das abschließende Angels Venom, mit dem sie ihren Auftritt ‚ohrenbetäubend‘ beendeten.

Mit Ausnahme des Gefühls, dass das Publikum um etwa weitere 15 oder 20 Minuten betrogen wurde, haben Monstrosity die Erwartungen erfüllt. Das Volk, das an diesem Dienstag ehrlich gesagt noch den einen oder anderen Besucher mehr hätte vertragen können, blutete dankbar und freudig aus den Ohren – was bedeutet, dass die Mission der Florida-Legenden des Death Metal geglückt ist. Und Monstrosity haben bewiesen, dass sie auch nach 35 Jahren ein unzerstörbarer Titel des makellosen Death-Metal-Massakers bleiben, die einzigartige Rhetorik der Florida-Rhetorik der extremen Sphären des Heavy Metal, die keine Überlebenden hinterlässt! Schade war nur, dass sie jenes unangenehme Gefühl hinterließen, sich durch die Zagreber Vorstellung ‚leicht durchgemogelt‘ zu haben.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Deadwood – Setlist:
1. Tales of Massacre
2. Heretic
3. Straightblade
4. Blasphemy
5. Thirst for Blood
6. Djinns Pits
7. Colossus
8. God/Eater

Reject The Sickness – Setlist:
1. Intro
2. The Messenger
3. Acta Non Verba
4. When I Become You
5. Burning Soil
6. We Enslave Angels
7. Chaos Vs. Chaos
8. Signs of the End

Bio-Cancer – Setlist:
1. Ear Piercing Thrash
2. Backstabbed Again
3. Obligated To Incest
4. Citizen… Down!
5. Revengeance
6. Chemical Castration
7. Bulletproof
8. 44 Days in Hell


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