MetallicA 40!

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Ort: San Francisco / Chase Center / Vereinigte Staaten von Amerika
Datum: Freitag, 17. 12. 2021 und Sonntag, 19. 12. 2021


  Es war das Jahr 1981. Hard-Rock-Fans wurden mit Alben wie AC/DC – For Those About to Rock, Black Sabbath – Mob Rules, Iron Maiden – Killers, Saxon – Denim & Leather und anderen verwöhnt… Und genau in jenem Schicksalsjahr schaltete ein dänischer Tennisspieler und Hobbyschlagzeuger in Los Angeles eine Anzeige, in der er Musiker für eine Heavy-Metal-Band suchte – woraufhin sich James Hetfield meldete. Die Band formierte sich offiziell am 28. Oktober 1981.

  Anfang 1982 nahm die Band für die Kompilation Metal Massacre 1 ihren ersten Song ‚Hit the Lights‘ auf. Ende des Jahres besuchten Ulrich und Hetfield ein Konzert der Band Trauma, wo Cliff Burton sie mit seinem Bassspiel schlicht aus den Socken haute. Die beiden wollten den Bassvirtualosen natürlich in ihrer Band haben, doch der akzeptierte die Mitgliedschaft bei Metallica nur unter der Bedingung, dass die Band nach San Francisco übersiedelt – wo sie im März 1983 im Club The Stone ihr erstes Konzert mit Burton spielte. Kurz nach diesem Konzert beschloss die Band, Dave Mustaine wegen seiner Unzuverlässigkeit infolge von Drogen- und Alkoholmissbrauch rauszuwerfen; seinen Platz als Leadgitarrist übernahm Kirk Hammett von Exodus. Die klassische Besetzung war geboren.

  Schneller Sprung ins Jahr 2021. Ein warmer Juniabend in Maribor, ich mit Kumpels aus dem Club beim Abendessen, als mein Telefon zu klingeln anfängt. Ein Anruf von meinem Kumpel aus Norwegen über WhatsApp. Hat er sich verwählt? Verwundert nehme ich ab, und er sagt: „Hey Alter, willst du mit mir im Dezember nach San Francisco zu Metallica – 40-Jahr-Jubiläum, zwei einmalige Konzerte? Ich brauche sofort eine Antwort!“

  Ich erinnere mich nur, dass ich gestottert habe und mir 24 Stunden Bedenkzeit rausgehandelt habe. Musste ja erst mal checken, was die Familie zuhause dazu sagt, Urlaub organisieren, herausfinden wie das mit Reisen in die USA in Corona-Zeiten aussieht, Verfügbarkeit und Preise der Flugtickets abklären usw. Klar, am nächsten Tag war die Antwort JA. So ein Angebot bekommt man nicht alle Tage. Und die Chancen, Karten für so ein Event zu bekommen – die nur für Mitglieder von Metallicas Fan Club und per Losverfahren verfügbar waren – standen schlecht. Doch kaum hatten wir alles abgemacht, stellten wir fest, dass die USA (Sommer 2021) zu dem Zeitpunkt die Grenzen für Touristen geschlossen hatten. Und als ich die Konzerte gedanklich schon komplett abgehakt hatte, kam Mitte Oktober die Nachricht, dass die USA ab dem 8. November wieder für Touristen öffnen. Schnell Flugtickets und Unterkunft gebucht – und alles, was danach noch blieb, war das Warten auf Mitte Dezember und die Hoffnung, dass sich die Corona-Lage nicht zu schnell verschlechtert und neue Einschränkungen bringt. Und der 16. Dezember kam schließlich, schnell rüber von Brnik nach Frankfurt und dann mit dem legendären Jumbo-Jet über den Polarkreis nach San Francisco.

  Als ich im Zentrum von San Francisco ankam und Richtung Apartment losmarschierte, war mir auf Anhieb klar, wo ich war. Die Stadt war nämlich überschwemmt mit T-Shirts, Pullovern, Jacken, Mützen,…. von Metallica. Die Band hatte nämlich das sogenannte „MetallicA takes over San Francisco“ organisiert, im Rahmen dessen überall in der Stadt was los war – von Konzerten von Coverbands über Fotoausstellungen und Filmvorführungen bis hin zu Blackened-Whiskey-Verkostungen… Rund 18.000 der glühendsten Fans hatten diese charismatische kalifornische Stadt so richtig in Beschlag genommen.

  Und dann war er endlich da, der Freitagabend und das erste der beiden Konzerte. Es fand in der Sporthalle des heimischen NBA-Teams Golden State Warriors statt, dem Chase Center. Tausende von Besuchern strömten auf den Platz vor der Halle, doch die Überprüfung der Impfzertifikate, die Sicherheitskontrolle mit Röntgengeräten und die Ticketkontrolle selbst liefen reibungslos und ohne Probleme. Den ersten Schock erlebte ich, als ich mir ein Souvenir-Shirt kaufen wollte – zwei Merchandisestände an jedem Ende, ca. 50 m voneinander entfernt, und zwei parallele Schlangen, die sich praktisch über die gesamte Länge von einem Stand zum anderen erstreckten. Aber auch hier kein Drängeln oder Ähnliches, alles gesittet und deshalb relativ flott. Den größeren Schock gab es, als mein Kumpel zwei Bier mitbrachte und jammerte, wie teuer sie waren. Wenn ein Norweger über teure Biere jammert, dann weißt du, dass es bitterer Ernst ist – 18$ für 0,4l Lager bzw. 20$ für ein IPA.

  Mit Merch und unBEZAHLbar teurem Bier ausgestattet, machten wir uns kurz nach acht auf den Weg zu unseren Tribünenplätzen. Zwischen acht und neun unterhielten Stand-up-Komiker Dean Delray und DJ Lord die versammelten Fans in der Halle, wobei Letzterer sich auf DJ-Art an Rock-Hits vergangener Jahrzehnte heranwagte. Kurz vor neun gingen die Lichter aus, die Techniker begannen fleißig wie die Ameisen, das DJ-Podest abzubauen und enthüllten Lars‘ Schlagzeug, während die Gitarrentechniker die Gitarren ein letztes Mal checkten. Kurz nach neun erschienen auf den riesigen Videoleinwänden über der Bühne Bilder von AC/DC, während aus den Boxen ‚It’s a long way to the top if you wanna rock’n’roll‘ dröhnte. AC/DC wurde auf der Leinwand bald von Bildern aus vier Jahrzehnten Metallica abgelöst, während das Publikum zu den Rhythmen der australischen Legenden ausflippte. Klar, jedes echte Metallica-Konzert muss mit Morricones ‚Ecstasy of Gold‘ beginnen – und das tat es auch. Für zusätzliche Gänsehaut sorgte die Ansprache von Filmschauspieler Jason Momoa, der die Erwartungen auf 200% anhob.

  Und dann – bum! Los geht’s! Direkt von Anfang an mit dem allerersten Metallica-Song überhaupt – ‚Hit the Lights‘. Auch wenn Sitzen auf der Tribüne eigentlich vorgesehen war, kann ich mit Sicherheit sagen, dass an dem Abend kein einziger Platz warm gesessen wurde. Die Band arbeitete sich chronologisch durch ihren Katalog; es folgte das Album ‚Ride the Lightning‘ mit dem super populären ‚Creeping Death‘ und dem eher selten gespielten ‚Trapped Under Ice‘. Und das war so der rote Faden des Abends – sowohl bekannte als auch weniger bekannte oder selten gespielte Stücke aus dem reichen Repertoire; ein echter Leckerbissen für Musikkenner. So erklangen aus ‚Master of Puppets‘ sowohl ‚Sanitarium‘ als auch das eher überraschende Instrumental ‚Orion‘, während ‚And Justice For All‘ durch ‚Shortest Straw‘ und ‚One‘ vertreten war.

  Nach jeweils ein paar Songs folgte eine kurze Videopause, in der verschiedene Ereignisse und Fan-Aufnahmen aus aller Welt gezeigt wurden. Aber die Pausen waren wirklich kurz, und es folgte das gleichnamige Album, das besser bekannt ist als „the black album“. Hier griffen sie nicht auf seltenere Stücke zurück, sondern attackierten direkt mit den Hits ‚Sad But True‘ und ‚Nothing Else Matters‘. Hatte sich die Band für die Stücke aus ihrer klassischen Ära etwas mehr Zeit genommen, zogen sie mit dem Rest der Setlist deutlich schneller durch. ‚Load‘ war durch ‚King Nothing‘ vertreten, Reload durch das noch nie live gespielte ‚Fixxxer‘. Interessanterweise streifte die Band auch das Coveralbum ‚Garage Inc.‘, von dem sie ‚Breadfan‘ spielten, sowie das sinfonische S&M, das durch ‚No Leaf Clover‘ vertreten war. Zum Glück entschied sich die Band, das experimentelle Album ‚Lulu‘ auszulassen, doch kamen wir trotzdem in den Genuss von ‚Frantic‘ aus dem nicht gerade strahlenden ‚St. Anger‘.

  Den Abend beschloss die Band mit einer großartigen Darbietung von ‚The Day That Never Comes‘ vom Album ‚Death Magnetic‘ sowie ‚Spit Out The Bone‘ vom nach wie vor aktuellen Album ‚Hardwired … for Self-destruct‘. Danach verabschiedete sich die Band mehrere Minuten lang von ihren Fans und überschüttete die Glücklichen auf dem Parkett mit Hunderten von Plektren.

  Nach dem Erlebten am Freitagabend waren die Erwartungen an das Sonntagskonzert zu Recht sehr hoch angesetzt. Dieses lief auf ähnliche Weise mit der gleichen Vorprogramm-Besetzung ab, der Unterschied lag nur in der Ansprache, die diesmal statt Momoa Tom Morello hielt. Metallica bewegte sich diesmal chronologisch rückwärts in Richtung Anfänge.

  Die letzten beiden Alben waren durch ‚Hardwired‘ und ‚The End of the Line‘ vertreten, ‚St.Anger‘ durch ‚Dirty Window‘. Es folgten zwei Überraschungen – die Single ‚I Disappear‘, die sie für den Film ‚Mission Impossible 2‘ aufgenommen hatten, sowie das klassisch und großartig dargebotene Cover ‚Am I Evil?‘ aus ‚Garage Inc.‘, das zuletzt genau beim Konzert zum 30. Jubiläum der Band gespielt worden war.

  Hatten sie beim ersten Konzert der klassischen Ära etwas mehr Zeit gewidmet, war es diesmal genau umgekehrt. ‚Reload‘ war durch das großartige ‚The Memory Remains‘, das die ganze Halle zum Mitsingen brachte, und den Sofort-Hit ‚Fuel‘ vertreten. ‚Load‘ war ebenfalls mit zwei Stücken dabei – dem epischen ‚Bleeding Me‘ und dem schnellen ‚Wasting my Hate‘. Das schwarze Album brachte wieder keine Überraschungen, donnerte aber mit ‚Unforgiven‘ und dem wohl größten Hit der Band, ‚Enter Sandman‘.

  Die Zeit lief langsam ab, aber es gab noch vier Alben abzuarbeiten. ‚Justice‘ donnerte diesmal in den Takten von ‚Harvester of Sorrow‘, während ‚Master‘ durch den gleichnamigen, wohl besten Song in der Geschichte der Band vertreten war. ‚Lightning‘ schloss diesmal das epische ‚Fade to Black‘. Es folgte noch ‚Whiplash‘ und der donnernde Abschluss mit dem legendären ‚Seek & Destroy‘ – Standing Ovations ohne Ende, wieder Hunderte von Plektren und Dankesworte der einzelnen Bandmitglieder. Und trotz vierzig Jahren auf der Bühne wirkt die Band noch immer unglaublich eingespielt, vielleicht sogar besser als je zuvor. Um Lars Ulrichs Worte zusammenzufassen: „Ein langer Weg liegt hinter uns, aber wir fangen gerade erst an!“

  Metallica ist nicht einfach nur eine Band; man kann ohne Weiteres sagen, dass sie eine Institution ist. Ihr Einfluss auf die Entwicklung der Heavy-Metal-Musik ist enorm. Und ja, der Besuch eines solchen Events war nicht billig, aber es dreht sich nicht alles ums Geld. Und nach einer langen Konzertdürre war das ein echter Balsam für meine Seele. Bis zum nächsten Mal in San Francisco – beim Abraham!



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