Marillion Weekends Convention XXII – Padua 2025 (erster Tag)

foto: EDITA KLEMEN 2025
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Marillion
‚Marillion Weekends Convention XXII.‘ (erster Tag)
9. 5. 2025, von 21.15 Uhr bis 23.15 Uhr
Padua / Gran Teatro Geox / Italien


Kaum zu glauben: Schon zwei Jahre sind vergangen seit dem ersten Aufeinandertreffen mit Marillion auf der Marillion Weekend Convention im italienischen Padua – und schon kehrt die kultische Progressive-Rock-Band aus Großbritannien an den alten Tatort zurück. Umso größer die Überraschung: Niemand hatte erwartet, dass Marillion ihre diesjährige Convention wieder am selben Ort abhalten würden – und dass es wieder so nah an Slowenien sein würde. Normalerweise musstest du ins Flugzeug steigen, um eine ihrer Conventions zu erleben – die seit 2023 ohnehin nur noch alle zwei Jahre stattfinden statt jährlich, wie es bis dahin die Praxis war.

Offenbar waren Marillion von der Gastfreundschaft unserer westlichen Nachbarn und dem Gran Teatro Geox selbst – das für seine hervorragende Akustik bekannt ist – mehr als angetan. In unserem kleinen Land wimmelt es nicht gerade von Progressive-Rock-Enthusiasten. Die meisten Rocker geben sich schon mit einem Selfie mit Peter Lovšin zufrieden. Progressive-Rock-Fans lassen sich in Slowenien kaum an einer Hand abzählen. Aber ein paar gibt es uns schon. Ein paar, die sich dieses exklusive zweitägige Event – das ganz dem direkten Austausch zwischen Band und ihren glühenden Fans gewidmet ist, ohne jegliche Presseakkreditierungen, wo die Band an zwei aufeinanderfolgenden Abenden zwei völlig verschiedene zweistündige Setlists spielt – einfach nicht entgehen lassen wollten. Für jeden Fan dieser wirklich eklektischen und in jeder Hinsicht besonderen Band wäre es schlicht eine Sünde gewesen, so ein Event zu ignorieren!

Die diesjährige Marillion Convention in Padua – bereits die 22. in Folge – lief beim Vorverkauf sogar noch besser als die erste vor zwei Jahren. Mitte November gab es kaum noch Tickets zu bekommen, und wenn, dann nur noch die am weitesten von den Tribünen entfernten Plätze. Und der Preis? 60,00 € für vier Stunden mit der Band – also zweimal zwei Stunden pro Tag. Auch die Preise des offiziellen Merchandise blieben angenehm geldbeuteltauglich, allerdings war das Angebot diesmal merklich kleiner als vor zwei Jahren. Damals gab es unter anderem auch Vinyl-Alben zu kaufen.

Dieses Event versprach von Anfang an Außergewöhnliches – für Kenner und Fans der Band ganz besonders. Denn am ersten Abend entschied sich die Band, nahezu das komplette Album aus dem Jahr 2004, „Marbles“, zu spielen. Die Doppel-CD-Version natürlich! Allen voran das fantastische, über 15 Minuten lange Epos Ocean Cloud! Nur zwei Tracks aus diesem Album fehlten in der Setlist: Angelina und Drilling Holes.

Ein Marillion-Konzert ist purer Genuss. Bei gut 3.000 restlos ausverkauften Sitzen bis in den letzten Winkel blieb einem nichts anderes übrig, als sich rund 400 Meter von der Bühne entfernt tief in den Sessel zu lümmeln und Sound und Performance zu genießen.

Das Quintett ist bekannt für seinen Perfektionismus – daran gibt es nichts zu rütteln, und Marillion holen das Beste aus einem immer wieder heraus. Die Standards, die die Band vor Jahren gesetzt und ihre Fans damit verwöhnt hat, sind wirklich hoch – eigentlich schon nahe an der Perfektion, was die Live-Performance angeht. Auch diesmal war das nicht anders.

Die Salven donnernder Begeisterungsovationen, mit denen das Publikum die bühnentechnische Exzellenz und die schlicht makellose Ausführung – befeuert von der hervorragenden Akustik des Saals – belohnte, rissen einfach nicht ab! Und im Repertoire eine ganze Handvoll Songs, die die Band seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt hat – wenn überhaupt. Don’t Hurt Yourself etwa wurde zuletzt auf der Tour 2005 gespielt, als die Band das Album „Marbles“ bewarb. Ein Song, der eigentlich ein Radio-Hit sein sollte, im Diskografie-Opus der Band aber völlig übergangen wurde – der erlebte endlich seine Bühnen-Wiedergeburt. Die Band spielte die Tracks von „Marbles“ allerdings nicht in der Albumreihenfolge. Egal. Anfang und Ende gehörten diesem absoluten Meisterwerk, das bis heute von vielen Fans als der Zenit des künstlerischen Schaffens dieser außerordentlich geschätzten Band gilt.

Gegen Ende ließ auch Pete Trewavas ordentlich seinen Bass krachen, als die Band überraschend die „Afraid Of Sunlight“-Klassikerin Cannibal Surf Babe anging – ein Song, der ebenfalls nicht zum regulären Live-Repertoire der Band gehört. Den Abschluss des regulären Teils bildete genau dieses Album – mit dem emotionalen King, das alle im Saal auf die Zehenspitzen trieb.

Die Emotionen und die Stimmung bei solchen Events lassen sich kaum in Worte fassen. Das muss man einfach selbst erleben. Fans waren aus der ganzen Welt nach Padua gepilgert – aus Kanada und sogar aus Australien. Auch bei der obligatorischen Zugabe ließ die Band sich nicht lumpen. Eröffnet wurde sie mit dem selten gespielten Song vom Album „Holidays in Eden“, dem fantastischen Waiting To Happen – Gänsehaut pur, automatisch. Der vierte Teil von Marbles deutete an, dass sich der Abend dem Ende näherte. Mit dem bravourösen „Marbles“-Epos Neverland, auf das wir alle so ungeduldig gewartet hatten! Eine wahnsinnige Nacht, eine einzigartige Nacht mit Marillion. Der echte feuchte Traum für jeden glühenden Fan dieser wirklich großartigen Band, die bei Live-Spektakeln schlicht nicht weiß, wie Versagen geht. Dazu trug die opulente Bühnenkulisse mit atemberaubendem Licht-Design bei, das die volle Wucht der mitreißenden Atmosphäre verstärkte und uns in die einzigartige Welt der ästhetischen Kunstfertigkeit von Marillion sog. Aber Achtung: Uns bleibt noch ein weiterer Tag. Und der wird eine völlig andere Erfahrung bringen.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik

Setlist:
1. The Invisible Man
2. Marbles I
3. Genie
4. Fantastic Place
5. The Only Unforgivable Thing
6. Marbles II
7. Ocean Cloud
8. Marbles III
9. The Damage
10. Don’t Hurt Yourself
11. Cannibal Surf Babe
12. You’re Gone
13. King
—Zugabe—
14. Waiting to Happen
15. Marbles IV
16. Neverland


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