Larry ‚L.A.‘ Greene ist verstorben – der Sänger, der vor allem als Mitglied der AOR-Bands Fortune und Harlan Cage bekannt war und sich auch als Autor und Interpret einer Reihe von Filmmusiken einen Namen gemacht hat, darunter „Top Gun“, „Over the Top“ und „Mystic Pizza“. In den letzten Jahren seiner musikalischen Karriere war er am Schreiben und Aufführen von Musik für aktuelle Fernsehserien und Filme beteiligt und arbeitete außerdem mit den neu wiederbelebten Fortune zusammen, mit denen er 2019 und 2021 zwei Studioalben veröffentlichte.
Die Nachricht wurde gestern von Fortune auf ihrem offiziellen Facebook-Profil (siehe unten) veröffentlicht, wobei die Details recht spärlich gehalten wurden.
Larry Greene stieß 1985 zu Fortune. Fortune sind eine Kult-AOR-Band der Achtziger. Kult deshalb, weil Fortune 1985 ein ausgezeichnetes Album veröffentlichten und danach von der Rock-Landkarte verschwanden. Über diese Band ist wenig geschrieben worden, obwohl AOR- und Melodic-Rock-Fans, die beide Genres tiefer erkunden, sie sehr gut kennen – gilt ihr Debüt doch als eine der besten Platten, die in diesem Genre überhaupt in den seligen Achtzigern erschienen sind. Wir reden hier von der AOR-Klasse amerikanischer West-Coast-Bands, die damals mit großem Erfolg Hard Rock mit Pop-Ästhetik vermischten. Ja, auch Fortune haben sich damals ein bisschen von ABBA abgeschaut, ein bisschen von Boston, Styx, Journey und nicht zuletzt von Bonnie Tyler.
Dabei hatte die Band schon 1979 ihre erste Platte veröffentlicht. Auch damals hieß sie Fortune, und auch damals trug jenes Album den Namen »Fortune«. Doch die Band durchlief in den folgenden Jahren eine grundlegende klangliche und stilistische Transformation, weshalb es völlig sinnvoll erschien, noch einmal von vorne anzufangen. Von null. Mit demselben Namen. Noch vor dem Erscheinen des Debüts (genauer gesagt des zweiten Albums), nämlich drei Jahre früher, hatte sich die Band mit dem Song Airwaves einen Namen gemacht, den sie zum Film »Last American Virgin« beigesteuert hatte. Das Album »Fortune« hatte enormes Potenzial – als es erschien, wurde es mit offenen Armen empfangen und erhielt großes Lob von Musikkritikern und der breiteren Öffentlichkeit, doch Camel/MCA Records, dasselbe Label, das auch Night Ranger und Guiffria unter Vertrag hatte, meldete Konkurs an.
Nach der Auflösung von Fortune gründete Larry Greene 1994 die AOR-Formation Harlan Cage, die zwischen 1996 und 2002 vier hervorragende Studioalben veröffentlichte: „Harlan Cage“ (1996), „Double Medication Tuesday“ (1998), „Forbidden Colors“ (1999) und „Temple Of Tears“ (2002).
Fast 35 Jahre nach dem Erscheinen des Debüts „Fortune“ veröffentlichten die reformierten Fortune unter Führung der Gründungsmitglieder und Brüder Richard und Mick Fortune sowie natürlich Larry 2019 das lang ersehnte zweite Studioalbum „II“. Das Album wurde von der Besetzung eingespielt, aufgenommen und produziert, die bereits das Studio-Debüt aufgenommen hatte, und stellt eine hervorragende Fortsetzung des großen Bruders dar. 2022 veröffentlichten Fortune dann noch ein sehr mutiges Studioalbum „Level Ground“ (Rockline Rezension), auf dem sie den musikalischen Elementen treu blieben, die überwiegend für das AOR-Genre der Achtziger stehen. Noch zuvor, nämlich im August 2020, veröffentlichten Fortune das Konzertdokument „The Gun’s Still Smokin‘ Live“ von ihrem Auftritt im Rahmen des Frontiers Rock Festivals 2019 in der italienischen Ortschaft Trezzo Sull’Adda bei Mailand (RockLine Rezension).
Larry Greene schrieb im Laufe seiner Karriere aktiv Musik für Filme. Am bekanntesten ist seine Komposition Through The Fire, die 1986 im Film „Top Gun“ verwendet wurde. Fortune nutzten in jenem Jahr Ausschnitte aus dem Film Top Gun für das Musikvideo zu Level Ground, das aus dem gleichnamigen Album der Band von 2022 stammt. Darüber hinaus zeichnete er als Mitautor und Interpret der Songs Take it Higher und Mind Over Matter für den Film „Over The Top“ (1987) sowie als Mitautor und Interpret von Long Journey für den Film „Mystic Pizza“ (1988). Erwähnenswert ist auch sein Beitrag zu den Filmen „The Neverending Story (Chapter II)“, „Glass Cage“, „Ring Of The Muskateer“ und „All The Right Moves“.