Laibach kündigen neues Album mit Single »Allgorhythm« an
Auf dem kommenden Album MUSICK feiern Laibach die gegenwärtige Ära verzerrter Realität und kitschiger KI-Nachahmung und üben gleichzeitig spielerische Kritik daran – mit einer Sammlung unbestreitbar ansteckenden Pops, der sich dem hyperwässrigen Postmodernismus hingibt.
Schon der Albumtitel MUSICK ist der Schlüssel zu dieser Ambivalenz. Er spricht von Übersättigung – von einer »Übelkeit durch Musik« in einer Zeit, in der es davon so viel gibt, dass echter Kontakt kaum noch möglich ist.
Täglich werden mehr als 100.000 neue Songs ins Netz gestellt, und immer mehr davon sind KI-Erzeugnisse, eine Art digitaler Müll. Wie bei vielen Aspekten des modernen Lebens bringt uns heute selbst das Musikhören dazu, über die Realität selbst nachzudenken. MUSICK spricht über diese »Krankheit« durch ständig verzerrte Klänge und Referenzpunkte – und befasst sich zugleich mit einer anderen Art von Krankheit: der pathologischen Hingabe an Musik, einer »Obsession, einer Art Droge«, die Laibach in dieser Zeit der Übersättigung weiter antreibt.
Das Album wird von der Single »Allgorhythm« angekündigt, auf der die ghanaische Sängerin Wiyaala zu Gast ist. Produziert wurde der Song von Pop-Schwergewicht Richard X (bekannt durch Zusammenarbeiten mit Sugababes, Goldfrapp, New Order und Kelis), begleitet von einem fröhlichen Musikvideo mit Laibachs Frontmann und Wiyaala, das darauf ausgelegt ist, deinen Algorithmus auf die bestmögliche Art zu »stören«. Dieser erste Vorgeschmack aufs Album liefert eine kühne Mischung aus elektronischen Pop-Grooves, eingängigen Refrains und unerbittlichen Rhythmen. Inhaltlich wie formal setzt der Song die manipulative Natur von Algorithmen geschickt mit der Natur von Musik selbst gleich – beides funktioniert wie ein Zauber, dem wir uns kaum entziehen können. Das alles erinnert an die Synthpop-Ästhetik der Achtziger, wozu Laibach sagen:
»Die Achtziger sind keine nostalgische Referenz, sondern ein formativer Moment: das Jahrzehnt, in dem digitale Logik, neoliberale Ökonomie und Massenmedien vollständig operativ und global koordiniert wurden. Synthpop war kein bloßer Musikstil; er war der Klang früher Automatisierung, Standardisierung und programmierter Emotionen. Indem wir diese Musiksprache in ‚Allgorhythm‘ verwenden, blicken wir nicht zurück, sondern legen den Ursprungspunkt der heutigen Algorithmuskultur frei. Der Algorithmus tauchte nicht mit der künstlichen Intelligenz auf; er existierte bereits in der Rhythmusmaschine, im Sequenzer, im Netzwerk, in den voreingestellten Parametern. Synthpop hat die Idee normalisiert, dass auch Gefühle engineert, wiederholt und optimiert werden können. In diesem Sinne ist ‚Allgorhythm‘ weniger ein Song als ein Diagramm. Er funktioniert innerhalb einer vertrauten, fast tröstlichen Struktur und zeigt dabei, wie Kontrollsysteme am effektivsten wirken, wenn sie angenehm, vorhersehbar und verinnerlicht sind. Das Album als Ganzes setzt diese Logik fort: Es kritisiert Algorithmen nicht von außen, sondern spricht ihre Sprache – denn Macht zeigt sich am deutlichsten, wenn wir sie nachahmen, verstärken und sich selbst entblößen lassen.«
Über die Zusammenarbeit mit der ghanaischen Popsängerin Wiyaala, deren Stimme aus einem anderen musikalischen und kulturellen Kontext kommt, sagen Laibach:
»Die Zusammenarbeit mit Wiyaala entstand natürlich und ohne Kalkül. Ihre Stimme bringt eine menschliche Präsenz ein, die nicht zum geschlossenen Kreis des westlichen Digitalpops gehört. Sie bringt Reibung – einen anderen Rhythmus, eine andere Betonung, eine andere Körperlichkeit – im Gegensatz zur starren, programmierten Struktur des Songs. Im Rahmen von ‚Allgorhythm‘ wirkt ihre Anwesenheit zugleich als Kontrast und als Verstärkung: nicht als ‚exotischer‘ Kontrapunkt, sondern als Erinnerung daran, dass globale Systeme alle Stimmen absorbieren, unabhängig von ihrer Herkunft. Auf der Ebene des Albums MUSICK als Ganzes zieht sich diese Spannung zwischen Organischem und Programmiertem, Lokalem und Universellem durch die gesamte Veröffentlichung. Das System schließt Differenz nicht aus – es integriert sie.«
So setzt »Allgorhythm« Laibachs langjährige Strategie fort: Macht zeigt sich am deutlichsten, wenn wir sie nachahmen, verstärken und sich selbst entblößen lassen. Diese Pop-Ausrichtung hat kürzlich die Aufmerksamkeit des slowenischen öffentlich-rechtlichen Senders RTV auf sich gezogen, der den Song als potenziellen slowenischen Beitrag für den Eurovision Song Contest 2026 diskutierte, bevor sich RTV Slovenija Ende letzten Jahres aus dem Wettbewerb zurückzog.
Das Album MUSICK entstand in einem maximalistischen Geist in Laibachs Studio in Ljubljana. Umgeben von allem erdenklichen Musikequipment – von analogen Synthesizern und Spielzeug bis hin zu Computern voller Sound-Apps – luden Laibach Mitstreiter aus Slowenien und dem Ausland ein, darunter die langjährige Mitarbeiterin Donna Marina Mårtensson und Richard X. Obwohl sie in zeitgenössische Produktionsstile eintauchten, von K-Pop und J-Pop bis hin zu Eurodance der Neunziger, betont die Band:
»Unser primärer Einfluss und Referenzpunkt ist Laibach geblieben – in all seinen Nuancen, Variationen und historischen Transformationen.«
Das Ergebnis ist ein Album, das ausgesprochen Pop ist – und gleichzeitig unverwechselbar Laibach.
Laibach starten ihre Tour am 18. Mai in Graz und setzen anschließend ihre Europatournee fort.
Weitere Infos gibt es HIER.
Trackliste:
Musick
Fluid Emancipation
Singularity
Resistencia
Love Machine
Luigi Mangione
Keep It Real
Yes Maybe No
Allgorhythm
Das göttliche Kind
LAIBACH LIVE
18. 5. – Graz (AT) Orpheum
19. 5. – Schorndorf (DE), Manufaktur
20. 5. – Cologne (DE), Essigfabrik
22. 5. – Aarhus (DK), VoxHall
23. 5. – Gothenburg (SE), Filmstudion
24. 5. – Stockholm (SE), Nya Circus
26. 5. – Helsinki (FI), Savoy Theatre
27. 5. – Tallinn (EE), Kultuurikeskus
28. 5. – Riga (LV), Spelet Concert Hall
29. 5. – Vilnius (LT), Loftas
30. 5. – Warsaw (PL), Progresja
31. 5. – Prag (CZ), Palac Akropolis
2. 6. – Leipzig (DE), Täubchenthal
3. 6. – München (DE), Muffathalle
27. 6. – Maribor (SI), Festival Lent
24. 7. – Castle (SI), Kolpa Music Festival
25. 9. – Ljubljana (SI), Kino Šiška
26. 9. – Ljubljana (SI), Kino Šiška
29. 9. – London (UK), Islington Assembly Hall
30. 9. – Manchester (UK), Ritz
1. 10. – Southampton (UK), 1865
2. 10. – Canterbury (UK), The Gulbenkian
4. 10. – Gent (BE). Democrazy
6. 10. – Bochum (DE), Zeche
7. 10. – Nijmegen (NL), Doornroosje
8. 10. – Hamburg (DE), Große Freiheit 36
9. 10. – Oslo (NO), Rockefeller Music Hall
11. 10. – Kopenhagen (DK), Bremen Teater
13. 10. – Berlin (DE), Huxleys Neue Welt
14. 10. – Dresden (DE), Reithalle
15. 10. – Brno (CZ), Fleda
16. 10. – Zagreb (HR), Boogaloo