Janez Bončina Benč – Mann, Mythos, Legende und 60 Jahre Musik im sommerlichen Puls der Postojnaer Kneipen!

foto: Aleš Podbrežnik 2025
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Janez Bončina Benč
Dienstag, 22. 7. 2025
Postojna / Titov trg / Slowenien


Benčs musikalisches Erbe ist ein Pflichtrequisit – sagen wir’s lieber direkt: das Pflichtinventar jedes slowenischen Haushalts. Natürlich reden wir von Musik, nicht von der Waschmaschine oder dem Auto. Die Zeit bleibt unbarmherzig – die Jahre vergehen still, und der Mann hat genau in diesem Jahr sein 60. Jahr des musikalischen Schaffens gefeiert. So hat er sich wieder auf die Bühnen begeben. Mit einer Spitzenbesetzung, die seine Begleitband bildet. Sozusagen die Sahneschnitt der slowenischen Jazz-Rock-Fusion im Hier und Jetzt! Fängst du nur bei den beiden Gitarren-Meistern Jani Modru und Primož Grašič an, bekommst du schon allein in dieser Kombination so etwas wie ein Yin-Yang. So grundverschieden sind sie als Gitarristen im Charakter. Und doch ergänzen sie sich in Benčs Gespann auf hervorragende Weise. Dann ist da der einzigartige Jani Hace, der vielseitige Bassist, der seit Jahren sein Brot bei Siddhartha verdient und den jede Band haben möchte – dazu der unglaubliche Schlagzeuger und Kumpel beider Janis bei Ecliptic, Žiga Kožar (u.a. Don Mentony Band, Moonlight Sky…), und der exzellente Jazz-Keyboarder Nejc Škofic. Kurz gesagt: Wenn du dieses Sextett live erlebst, ist da kein Platz für Witze.

Benč hat bereits im Juni die Poletna noč in Ljubljana mit einem grandiosen Konzert eröffnet, mit dem er seine 60 Jahre musikalisches Wirken feierte. Nun, sein Besuch in Postojna war bei weitem nicht von solchem Glanz und Pomp begleitet – das muss primär der slowenischen Hauptstadt vorbehalten bleiben – dafür sprach sein Auftritt mit der Begleitband das Publikum noch direkter an, noch zugänglicher, und das Konzert wirkte unterm Strich noch herzlicher.

Der Titov trg war brechend voll. Alle Plätze bis auf den letzten besetzt, dahinter dichte Trauben stehender Besucher. Mindestens 1500 Menschen. Da der Eintritt frei war, kam halb Ljubljana mit Umgebung nach Postojna angereist, und noch jemand aus der Ajdovščina-Ecke dazu. Benč bleibt ein großer Jungspund. Seine Stimme hat sich keinen Deut verändert. Statur, Charme, Charisma, Interpretation, ansteckender Magnetismus und über allem Klarheit und sprühende Lebendigkeit, die ihn in ewiger Blüte halten! All das vermittelt das Gefühl, dass vor uns ein ewiger Teenager steht, der unter allen Generationsgenossen heute einer der wenigen slowenischen Musiker mit einem solch ehrenwerten Dienstalter ist, der all seine Bühnenagilität und Ausdruckskraft bewahrt hat. Klipp und klar: die volle Glaubwürdigkeit seiner Bühnenauftritte! Angetrieben wird er weiterhin von jener ungezähmten Flamme großer Herzlichkeit, die ihn seit den Pioniertagen Mitte der Sechziger begleitet, als der slowenische Pop auf der Weltkarte etabliert wurde. Die Feuer werden also noch nicht ausgehen!

Durch den gesamten Auftritt zeigte Benč nicht nur bestes Wohlbefinden, sondern – angesichts seines Dienstalters – auch brillante Form. Wirklich, nichts kriegt ihn klein. Nun, ein paarmal lag er eine Spur zu tief in der Intonation, aber das ist kaum der Rede wert. Die Stimme gilt als Unikat. Man kann sagen, dass diese markante Stimme eine der grundlegenden Definitionen der slowenischen Pop-Szene ist. Aber auch des weiteren Raums des ehemaligen gemeinsamen Staates. Und dem Kerl dient sie auch im reifen Alter hervorragend. Sie bewahrt die volle Ladung an Leidenschaft, Emotionen und – wie gesagt – Magnetismus, der dich einfach mitreißt! Die Band hat eine eigenartige Chemie entwickelt, die der Figur und der Stimme dieses slowenischen Musikgiganten wie auf den Leib und die Seele geschrieben ist, und das konnte dem Sextett in Postojna an diesem Abend niemand nehmen. Klassiker nach Klassiker, Evergreen nach Evergreen. Dieses musikalische Rondo charakterisierte nicht nur eine Reise auf den Spuren von Benčs musikalischem Erbe, sondern legte in gutem Maße das Lexikon der Entwicklung der slowenischen Popmusik frei. Und die Band war unglaublich. Genau das, wofür du hingehst. Die ganze Zeit auf der Lauer. Präzise, intensiv, messerscharf. Mitsamt dem Kommandanten – dem Frontmann.

Es fällt schwer, die Highlights herauszuschälen. Für mich persönlich wäre das Highlight der Mittelteil des Konzerts, der mit einem Gedenken an Srce begann – nämlich der phänomenalen Zlata obala und danach dem grandiosen Meisterwerk Gvendolina, kdo je bil? Daran knüpfte im weiteren Verlauf mit energetischer Brillanz eines heraufbeschworenen Aufführungsambientes das Florida der unvergesslichen September an, danach die sinnvoll vibratorisch platzierte Time-Klassik Majko zemljo, worauf der erneute Sprung in die Zeiten von September mit Domovino moja! folgte. Dieser Teil von Benčs Auftritt ist jener, der selbst die verwöhntesten Musikgenießer mühelos in seinen Bann zieht!

Benč hat die Pausen zwischen den Songs reichlich mit Erzählungen gefüllt. Das war in großem Maße ein Abend der Nostalgie. Mit einer Menge unzertrennlicher Freunde im Publikum, die Benč grüßte. Da wir an diesem Abend mit Benč ausgerechnet in Postojna waren, wo er einen Teil seiner Kindheitsjahre verbracht hat, stach unter den genannten Namen ein besonderer Name hervor: Čarli Novak. Dem alten Fuchs gehen die geschmeidigen Zungenwitze nicht aus, und er weiß sich mit einem funkelnden Auswahl süßer und saftiger Worte im Nu geschickt in einen echten Gentleman zu verwandeln und den Damen des schönen Geschlechts schmeichelnd zu nähern. Benč vermittelt auf der Bühne nach wie vor jenes besondere Gefühl, dass er die Musiker in seinem Team tief respektiert und schätzt. Er verfolgt ihre Arbeit die ganze Zeit, besonders wenn Einzelne durch Soli ins Zentrum des Geschehens treten, und genießt dabei diese Bühnenchemie und amüsiert sich zusätzlich. Und damit vermittelt er auch das Gefühl außerordentlicher Zugänglichkeit zu jedem einzelnen Besucher seines Konzerts und erweckt nicht den Hauch von Überheblichkeit oder Arroganz, was sich eine Musikikone seines Kalibers, Hand aufs Herz, locker leisten könnte.

Die Arbeit der Begleitband war durchgehend von jenen Sahnemomenten geprägt, wegen derer du hingehst. Momente, in denen Raum für Improvisation freigesetzt wird, für die Benčs musikalische Kumpels sorgten. Jeder bekam den Raum, sich in den Soli anschaulich zu entfalten. Hace, Škofic und Grašič haben Benč gelegentlich auch mit zusätzlichen Vocals unterstützt.

Als sich die Band auf die lang ersehnte Folge unsterblicher Hits konzentrierte – angefangen mit Maja z biseri, dem im zentralen Jam ausgedehnten Kadar ognji dogorijo und natürlich Ob šanku –, endete das Beisammensein mit der Legende viel zu schnell. Noch zwei Salven hatte das Team im Ärmel. Die aufgedrehte Latino-Jazz-Pop-Klassik Ta noč je moja, bei der ganz Postojna auflebte – und im zweiten Encore folgte ein Donnerschlag aus heiterem Himmel! Grašič wechselt nämlich die Gitarre! Das wird knallen! Wie bei Navali narod na gostilne (zu Beginn des Konzerts). Denn hier kommen Junaki nočne kronike und das aufgedrehte Rocker-Chaos Na noge. Dieser Moment konnte sich leider nicht mit einem guten Klangbild rühmen. Haceta hatte im Mix niemand heruntergedreht, und der Bass brach beim letzten Song stark durch. Aber das hat sich niemand mehr groß zu Herzen genommen. Das Publikum drängelte sich dicht an die Bühne und hatte sichtlich Spaß. Und man hätte noch gerne den einen oder anderen Evergreen aus dem musikalischen Arsenal dieser wunderbaren Musikikone gehört, aber die Zeit war leider abgelaufen.

Angesichts der Form der Legende, angesichts der phänomenalen Musikmannschaft, die ihn umgibt, und angesichts der Tatsache, dass der Mann neuen Bühnenschwung gefunden hat, lege ich jedem, der bis zum Ende dieses Artikels durchgehalten hat, ans Herz: Spring so bald wie möglich zu Benčs nächstem Konzert mit seinem Team. Wohin? Die Kompassnadel zeigt nach Kamnik, 11. 8. 2025! Es wird sich reichlich lohnen. Eine Legende bleibt eine Legende. Und angesichts der gezeigten Spritzigkeit und all der positiven Schwingungen, die an diesem Abend auf dem Titov trg in Postojna knisterten, plant Benč in keinster Weise den Rückzug. Letzten Endes. Warum auch?

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Janez Bončina Benč – Setlist:
1. Mr. Soul
2. Poet
3. Navali narod na gostilne
4. Abraham
5. Zlata obala
6. Gvendolina, kdo je bil?
7. Florida
8. Majko zemljo
9. Domovino moja
10. Edina luč
11. Maja z biseri
12. Kadar ognji dogorijo
13. Ob šanku
—Zugabe I.—
14. Ta noč je moja
—Zugabe II.—
15. Na noge!


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