Gojira begeistern wieder in Zagreb!

FOTO: Nina Grad 2022
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Ort: Zagreb / Dom Sportova / Kroatien

Datum: Samstag, 30. 7. 2022

»Endlich!«, dachte sich so mancher, als er die französische Sensation Gojira endlich in der Nähe Sloweniens erleben durfte. Zwar hat es die Band bis heute nicht nach Slowenien geschafft, doch Zagreb liegt so nah, dass viele trotzdem auf ihre Kosten kamen. Die Erwartungen an das Konzert waren berechtigt – und umso größer, weil es wegen der COVID-Maßnahmen verschoben worden war. Vor der Halle Dom Sportova hatten sich Tausende von Besuchern versammelt, darunter viele aus Slowenien. Schließlich waren Gojira jahrelang die meistgewünschte Band beim Metaldays-Festival – ein Wunsch, der jedoch nie in Erfüllung ging. Die kroatische Hauptstadt besuchten Gojira diesmal zum zweiten Mal, aber erstmals als Headliner.

Gojira wurden auf der Tour von den neuseeländischen Alien Weaponry und den englischen Employed to Serve begleitet. Natürlich handelt es sich um junge, vielversprechende Bands – wobei Alien Weaponry keiner großen Vorstellung bedarf, da sie bereits in Slowenien gespielt und beim Metaldays 2019 zuletzt eine riesige Fangemeinde hatten.

Die Türen öffneten bereits um sieben, das Bier floss in Strömen, und die ersten Besucher bezogen die »Kampflinien« ganz vorne und gaben so der Vorband Employed to Serve eine Chance. Das englische Quintett hat bereits einige Alben und jede Menge Bühnenkilometer auf dem Buckel. Die Musik wirkte ziemlich chaotisch, vor allem wegen des kreischenden Frauengesangs. Musikalisch streiften sie viele Genres – es klang wie ein Mix aus chaotischem Hardcore, Groove-/Thrash-Metal und auch Death Metal. Mit einigen Brachialpassagen wirkten Employed to Serve überzeugend und souverän, gelegentlich aber auch verworren, als wüsste die Band selbst nicht genau, was sie eigentlich spielen will – weshalb am Ende eher gemischte Gefühle blieben. Naja, und auch der Sound war nicht gerade berauschend.

Alien Weaponry haben beim letzten Europabesuch nochmals an Popularität gewonnen. Die Band hat zwischenzeitlich ihr zweites Album Tangaroa aufgenommen, von dem auch einige Songs gespielt wurden. Außerdem wurde dem Publikum der neue Bassist vorgestellt. Alien Weaponry sind vor allem dafür bekannt, maorische Texte und Gesänge in ihre Musik einzuflechten. Das Rad erfinden sie musikalisch allerdings nicht neu. Die Band bewegt sich in Thrash-/Metalcore-Bahnen mit gelegentlichen Breakdowns – von Innovativität weit entfernt. Allerdings muss man ihr zugute halten, dass sie auf der Bühne extrem energetisch ist. Man sieht der Band an, dass sie wirklich Spaß an ihrem Handwerk hat – und wenn die Jungs so weitermachen, werden sie weiter die Popularitätsleiter hochklettern. Auch das Publikum nahm sie sehr gut auf – schon früh wurde gesprungen, und gelegentlich öffnete sich auch mal ein Moshpit. Das Warm-up für den Hauptact war also durchaus intensiv.

Bevor die französischen Schwergewichte die Bühne betraten, fiel ein Vorhang, auf dem Symbole aus dem letzten Album Fortitude projiziert wurden (Rezension HIER), das im vergangenen Jahr erschienen ist. Nach etwa drei Minuten Countdown auf der Projektion fiel der Vorhang, und Gojira legten mit dem explosiven Born for One Thing vom aktuellen Album los – allein wegen seiner Wucht mehr als passend als Opener für ein Konzert, das sich als ziemlich intensiv ankündigte. In kürzester Zeit bewiesen Gojira, warum sie heute zu den heißesten Bands der Metal-Szene gehören. Backbone vom Album From Mars To Sirius trieb die ganze Halle in den Wahnsinn, und aufblasbare Wale/Delfine flogen durch die Luft.  

Mit jedem weiteren Song bestätigten Gojira, warum ihr Ruf so unerschütterlich ist. Die Band ist eingespielt, rhythmisch präzise, und die Songs haben trotz ihrer Wucht und Technik starke Refrains, die das Publikum mitsang. Vor allem die neueren Alben sind kommerzieller ausgerichtet, die Songs entsprechend geradliniger. Älteres Material fehlte zwar nicht, war aber deutlich weniger vertreten als bei früheren Konzerten. Trotzdem verdient es Lob, dass die Band Love mit dem Breakdown-Zusatz von Remembrance im Repertoire ließ. Unter anderem wurde auch Flying Whales von The Mars to Sirius gespielt, während The Way of All Flesh bis auf Toxic Garbage Island weitgehend außen vor blieb. Im Vordergrund stand aber logischerweise die Promotion des Albums Fortitude. Gojira konnten das Material dieses Albums erst in diesem Jahr richtig vorstellen, und man muss sagen: Es hat sich hervorragend eingespielt. Hold On, Grind und Another World kamen gut an. Das Publikum rastete die ganze Zeit aus. Im mittleren Bereich des Parketts war es so voll, dass viele lieber auf die Tribünen auswichen, um Luft zu schnappen. Dom Sportova war offensichtlich keine optimale Wahl – das Parkett war zu klein, und eine Sporthalle ist bekanntlich kein idealer Ort für guten Sound. Loben muss man aber das Stroboskop, das sehr abwechslungsreich und vielseitig eingesetzt wurde – das hat dem Konzert wirklich viel gegeben und die gespielten Songs regelrecht aufgewertet.

Gojira können sich mit einem hervorragenden Zusammenspiel rühmen – besonders glänzte Schlagzeuger Mario Duplantier, der unter anderem mit den Aufschriften »Jebeno vas ne čujem« und »Savršeno« mit dem Publikum kommunizierte. Besonders gesprächig sind Gojira aber nicht. Joe Duplantier, Sänger und Gitarrist der Band, wechselte ein paar Worte, aber längere Ansprachen gab es keine. Als Stimmungsmacher macht er jedoch seinen Job – bei The Chant sang das Publikum die Melodie mit wie bei einem Fußballspiel. Als an dieser Stelle Konfetti regnete, wirkte das weniger nach Extreme-Metal-Band und mehr nach MTV-Rock-Sensation, die Musik für die Massen macht. Aber Geschmäcker sind verschieden – für viele war The Chant auch der Höhepunkt des Abends. Etwas mehr im Gojira-Stil endete der reguläre Teil mit The Gift of Guilt vom Album L’Enfant Sauvage, wo sich Melancholie und Technik mit reichlich Tapping auf der Gitarre vereinten. Auf jeden Fall mehr als ein solider Abschluss.

Für den Zugabenteil kamen Gojira mit Neuheiten zurück, was für langjährige Fans durchaus einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen konnte. New Found und Amazonia wurden ordentlich gespielt, aber das war irgendwie nicht ganz das Sahnehäubchen, das man von einer Band mit einer so abwechslungsreichen Diskografie erwarten könnte. Kritik lässt sich nicht vermeiden – offenbar haben auch Gojira begonnen, sich in einer Komfortzone einzurichten, ähnlich wie beim aktuellen Album.

Gojira haben in Zagreb ihren Ruf mit einem energetischen Auftritt, Wucht und Grandiosität bestätigt. Die Band ist noch immer auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte – und da wünscht man sich eine möglichst baldige Rückkehr mit dem einen oder anderen zusätzlichen Leckerbissen im Repertoire.

Fotos: Nina Grad

1 Comment
  1. Klemen says

    Super članek! Res je blo noro! Morda malo manj „divje“ kot 2012 ko so bili predskupina Slayerjem, ampak je tudi tokrat neverjetno pokalo. Nov album mi je osebno zelo všeč, resda je malo manj „težak“ kot prejšnji….ko se je začela pesem „Toxic garbage island“ se mi je pa stemnilo pred očmi. Desetletje in pol poslušanja te pesmi – in potem jo presenetljivo pričnejo igrati – noro! Čimprej spet 🙂

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