Geoff Tate, Masterplan und Inner Vitriol sorgten für einen Abend für ältere Semester im Orto Bar
Geoff Tate’s Operation Mindcrime: The Final Chapter, Masterplan, Inner Vitriol
Dienstag, 14. 4. 2026
Orto Bar, Ljubljana, Slowenien
Wegen der angespannten Lage in der Straße von Hormus und des Ölmangels verpasste das Küstenteam, dem ich an diesem Abend angehörte, die Vorgruppe – die Italiener Inner Vitriol. Spaß beiseite, der eigentliche Grund für die Verspätung ist ziemlich tragikomisch. Wir machten uns mit dem Tourbus einer lokalen Rockband auf den Weg (die demnächst in Dobravlje bei Ajdovščina eine Release Party für ihr neues Album feiert – googelt das ruhig selbst, ich mach hier keine Gratiswerbung). Als ich einstieg, schloss der Besitzer vorsichtig – nach eigenen Angaben – die Schiebetür, die ihm buchstäblich in den Händen hängen blieb. Die Reparatur dauerte haargenau so lang wie der Auftritt von Inner Vitriol.
Masterplan, das Projekt von Mastermind Roland Grapow, waren 2003 das nächste große Ding im Power-Metal-Genre. Nach der EP Enlighten Me veröffentlichten sie das gleichnamige Album, das die verstaubte Szene gehörig auffrischte. Mit einer Prise Melancholie, AOR-Sounds und dem überragenden Gesang von Jorn Lande erschufen die Helloween-Aussteiger Gitarrist Roland Grapow und Schlagzeuger Uli Kusch – mit Unterstützung des Klavierwunderkinds Jannej Wirman (damals Children of Bodom) – ein zeitloses Album, das das Fundament für eine potenziell mit Sternen übersäte Karriere legte. Aber wie das so ist, lief es dann doch nicht ganz so, und so konnte man Masterplan im Jahr 2026 im Orto Bar als Vorband von Geoff Tate erleben.
Der Branchenprofi und einzige originale Bandmitglied Roland weiß genau, wo es lang geht. So spielten sie ganze sieben Songs vom Debütalbum, das neue Chase the Light sowie ein paar Singles von Zwischenalben. Der Ortič war ganz ordentlich gefüllt, als die Jungs mit reichlich technischen Problemen (tote Monitore) quasi im Soundcheck-Modus das besagte Chase the Light runterspielten. Danach legten sie mit Enlighten Me richtig los und zogen das Ganze bis zum Schluss energiegeladen durch – mit Heroes und Crawling From Hell. Die komplette Setlist findest du hier.
Was ich bisher vom Studiogesang des Sängers Rick Altzi gehört hatte, hat mich nicht sonderlich mitgerissen. Umso angenehmer überrascht war ich, wie er sich auf der Bühne des Orto Bar mit dem anspruchsvollen Vokalerbe auseinandergesetzt hat. Hervorragend. In den höheren Lagen half Roland verlässlich aus, ansonsten legte er eine beeindruckend kernige Version des gloriosen Lande-Gesangs hin. Die Band ist natürlich eine Ansammlung erstklassiger Musiker (beim Anblick von Bassist Jari musste ich wehmütig an seine Zeit bei Stratovarius denken), und das Ganze klang entsprechend großartig. Mit zwei Einschränkungen meinerseits. Der Sound hatte Zimmerlautstärke – an der Position hinter dem Mischpult hätte man sich locker mit seinem Nachbarn unterhalten können. Und dann die Gesangsdarbietung bei Heroes, der im Original von Jorn Lande und Michael Kiske gesungen wird – diesmal mimte Roland den Kiske. Das Ganze klang wie zwei betrunkene Kumpels, die sich auf einem Kassettenrekorder aufnehmen. Wirklich, die Komposition hätte man besser gegen den aktuellen Single Through the Storm ausgetauscht. Unterm Strich aber ein guter Konzertabend – Daumen hoch und Hut ab!
Der Hauptakt des Abends war der ehemalige Queensryche-Sänger Geoff Tate. In den vergangenen Jahren habe ich online regelmäßig Horrorgeschichten über die Ereignisse gegen Ende seiner Zeit bei der Stammband und die anschließenden Rechtsstreitigkeiten nach seiner Entlassung gelesen. Ganz zu schweigen von Berichten, die den angeblich desolaten Zustand seiner unverwechselbaren Stimme in den schaurigsten Farben schilderten.
Auf dieser Tournee spielt Geoff mit seiner internationalen Besetzung (drei Gitarristen, Rhythmussektion plus Keyboarderin/Backgroundsängerin) das von der Metal-Gemeinde angehimmelte Konzeptalbum Operation:Mindcrime (1988) in seiner Gesamtheit. Diese Begeisterung teile ich persönlich zwar nicht, aber einen legendären Vokalisten muss man natürlich live checken, wenn er sich bis nach Ljubljana und auf die kleinste Bühne seiner Karriere bemüht – wie er selbst erwähnte.
Die Geschichte des Drogensüchtigen und Attentäters Nikki entfaltete sich schön und ohne böse Überraschungen vor unseren Augen und in unseren Gehörgängen. Zum zweiten Mal an diesem Abend überraschte (mich) der Hauptsänger positiv. Geoff steckt zwar voller altgedienter Vokaltricks, aber mit Unterstützung von Backgroundsängerin Claudia McCarthy und einem begeisterten Publikum klang das Ganze richtig anständig. Die Zimmerlautstärke hatte sich zwar nicht geändert, aber der Sound war sauber, und man konnte alle Nuancen der Gitarrenpassagen heraushören. Geoff und Claudia gaben sich auch bei einigen theatralischen Einlagen Mühe, am auffälligsten während Suite Sister Mary.
Stürmischen Applaus erntete der zweite Teil des Konzerts, für den Geoff die größten Hits und einige Leckerbissen aufgespart hatte – darunter den Süßesten: Queen of the Reich, bei dem er die wahnsinnig anspruchsvollen Gesangslinien recht erfolgreich meisterte. Und Silent Lucidity braucht keinen weiteren Kommentar – Gänsehaut. Die komplette Setlist hier.
Die siebenköpfige Besetzung sorgte für alle klanglichen Details. Ich kann mir vorstellen, dass der finanzielle Kuchen für die Begleitband nicht sonderlich groß ist, aber für die Zusammenarbeit mit einer Legende des amerikanischen Prog-Metal schluckt man abgestandene Sandwiches und lauwarmes Bier wohl leichter runter.
Um es zu wiederholen: Beide Auftritte haben meine Erwartungen mehr als übertroffen – nur der zu leise Sound hat mich etwas genervt, was dem Fehlen des richtigen Metal-Wumms geschuldet war. Schon beim Masterplan-Auftritt kam mir der Begriff „dad rock“ in den Sinn, nur dass wir an diesem Abend Prog-Power-Sound für Väterchen erlebten.
Danach folgte ein geselliges Beisammensein mit Freunden, Bekannten und Mitgliedern von Masterplan. Schade, dass Jari Kainulainen sich nicht gezeigt hat – ich hätte gerne so einiges mit ihm besprochen, denn er ist einer meiner Lieblingsbasssisten. Nächstes Mal.
Der Tourbus hat alle Strapazen auf dem Heimweg überstanden – hoffentlich schafft er’s auch noch bis nach Dobravlje.
Text: Igorac
Fotos: Aleš Podbrežnik




















































