Ekstase der Vollkommenheit oder Gregory Porter (2017)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Cankarjev dom – Gallusova dvorana
Konzertdatum: 23.05.2017
Besucherzahl: 1500
Kartenpreis: 26,00€ / 33,00€ / 37,00€ / 44,00€
Drei Jahre sind vergangen seit dem Abend, an dem Gregory Porter das Publikum in den Ljubljaner Križanke im Rahmen des 55. Jazz Festivals auf die Beine gebracht hat. Es war selbstverständlich, auch beim erneuten Besuch Begeisterung zu erwarten. Diesmal hätte Porter für seinen Auftritt kaum eine geeignetere Halle wählen können. Die Gallusova dvorana des Cankarjev dom erwies sich als die richtige Wahl.
Der amerikanische Jazz-Bariton darf zuhause auf dem Regal bereits zwei Grammy Awards bewundern. Der erste wurde ihm in der Kategorie “Best jazz vocal album” für das 2014 erschienene Album “Liquid Spirit” verliehen, den nächsten erhielt er in derselben Kategorie für das 2016 erschienene und auch aktuelle Album “Take Me To The Alley”.
Porter kam nach Ljubljana nach einem Konzert in Belgrad, das die serbischen Musikmedien als überragend bezeichnet hatten – ein gutes Vorzeichen für das Konzert in Ljubljana, das in der Gallusova dvorana kurz nach 20:00 Uhr begann. Auf der Bühne eröffnete die fünfköpfige Begleitband den Abend (Klavier, Saxofon, Schlagzeug, Bass und Hammond-Orgel), dann betrat Gregory Porter unter stürmischem Applaus die Bühne. Bereits nach dem ersten Stück war kristallklar, warum er in der Jazz-Welt so hoch geschätzt wird und weshalb die Grammy-Auszeichnungen. Das Konzert verlief nämlich in reiner Ekstase der Vollkommenheit, die jeder Jazzliebhaber mindestens einmal im Leben erleben sollte. Seine makellose Stimme geht zwar nicht in extreme Weiten, bleibt aber im Rahmen ihrer kraftvollen Oktaven, die Porter mit ständiger Improvisation würzt. Ergänzt wird er von einer hervorragenden Begleitband, der Porter während des Konzerts ständig erlaubt, sich mit Soli zu beweisen – und für ihre Mitglieder kann ich schlicht keine Kritik finden. Ich schaue mir gerne ein Konzert an, bei dem sich die Musiker nicht taktgenau an ihre Stücke halten, so wie sie auf den Alben aufgenommen wurden. Mit ständiger Improvisation, wofür Porter und die Band bekannt sind, hielten sie uns den ganzen Abend auf dem Gipfel der Erwartung und nährten unsere Ohren buchstäblich mit dem Balsam der Spannung und Vorfreude. Mit vollendeter Eingespielheit sorgten sie für einen perfekten Abend. Es kommt nämlich selten vor, dass irgendeine Halle in Slowenien in vollkommener Stille verharrt und gespannt darauf wartet, womit der Musiker sie überraschen wird.
Das zweistündige Konzert in der ausverkauften Gallusova dvorana servierte ohne unnötige Ansprachen zwischen den Stücken Hits von allen vier Porter-Alben. Wie zu erwarten, hörten wir die meisten Stücke von den preisgekrönten Alben “Liquid Spirit” und dem aktuellen “Take Me To The Alley”. Die Mischung aus klassischem Jazz, Soul und – in den Solopassagen der Begleitband – auch Fusion-Jazz bestätigte tatsächlich das Erwartete. Porter tritt zwar schon kräftig aus den Grenzen des Jazz in die Gewässer des Mainstreams heraus, aber bei dieser Qualität lässt sich das nicht kommentieren, geschweige denn kritisieren. Mit seiner berühmten Kopfbedeckung hat er sich in der Jazz-Welt praktisch schon eine Marke aufgebaut. Mit der Mischung aus massivem, autoritativem Gesang und dem bekenntnishaften Charakter seiner Stücke schafft er eine wundervolle Konzert-Atmosphäre. Der Höhepunkt des Abends war erwartungsgemäß sein bekanntestes Stück “Hey Laura”, was am tosenden Applaus des Publikums deutlich spürbar war.
Das Konzert endete nach zwei Stunden, und schlechte Kritiken waren keine zu hören. Porter ist zweifellos einer der größten aufgehenden Sterne der Jazz-Welt. Angesichts immer besserer Alben und Konzerte steht außer Frage, dass er sich mit seinem kompromisslos hochwertigem Stimmklang und der warmen Aufrichtigkeit seiner Texte über die Jahre einen Platz neben den Größten verdienen wird. Nach dem Konzert widmete er sich seinen Fans beim Signieren von Alben in der Lobby des Cankarjev dom, wo man seine Alben kaufen konnte. Mit seinem Besuch hat er bei den Konzertbesuchern auf jeden Fall den starken Wunsch geweckt, auf unsere Bühnen zurückzukehren – und ich hoffe, dass das öfter passieren wird.
Text, Fotos und Video: Klemen Udovč
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