Duran Duran in Pula, Teil 2

foto: Mateja 2025
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Duran Duran
Samstag, 12. 7. 2025
Forte Arena, Pula, Sardinien, Italien


„Nick Rhodes, king of shoulder pads“

Das Schicksal nimmt manchmal seltsame Wege. Letztes Jahr hab ich mir zum Geburtstag nach dreizehn Jahren endlich wieder ein Konzert von Duran Duran in Pula gegönnt, das am 30. 7. 2024 stattfand (Rockline-Reportage hier). Dieses Jahr bin ich mit meiner Frau ahnungslos in den Urlaub nach Sardinien gefahren, in die Nähe eines Städtchens namens Pula. Und, schau mal einer an, beim Vorbeigehen am Poeta-Strand in Cagliari hat genau diese Frau ein Plakat mit der Ankündigung eines Duran Duran-Konzerts entdeckt. Eine schnelle Suche bei Onkel Google bestätigte, dass das Konzert einen Tag vor unserer Abreise stattfinden würde. Wo? In der Forte Arena, nur einen Steinwurf von unserem Urlaubsquartier bei Pula entfernt. Zufall? Würde ich nicht sagen.

Das Gelände haben wir uns schon zwei Tage vorher angeschaut, damit wir uns nicht verirren oder ohne Parkplatz dastehen. Ein kleines Tal, an dessen Ende eine riesige Bühne stand – und im Parkett graue Plastikstühle, die im Boden verankert waren. Echt jetzt? Alles hat sein erstes Mal, und so auch mein erstes „Sitzkonzert“ in meiner Karriere – akustische Sachen mal ausgenommen, natürlich.

Am Konzerttag erbarmte sich die heiße sardische Sonne und versteckte sich hinter flauschigen Wölkchen, sodass man nicht allzu sehr schwitzen musste. Die Stuhlanzahl war auf 5.000 begrenzt und die Stühle waren schön strategisch über die Wiese verteilt, sodass es keinerlei Gedränge gab. Genauso wenig an der Bar, auf den Toiletten und vor dem Merch-Stand. Schön geordnet, alles der Reihe nach, wie es sich für ein Konzert mit einer Fanbasis im fortgeschrittenen Mittelalter auch gehört.

Die Band startete genauso wie vor einem Jahr im kroatischen Pula, mit dem düsteren Nightboat. Simon wirkte wieder abgekämpft – das war das letzte Konzert einer Mini-Europatournee mit 16 Terminen. Im Laufe des Konzerts stellte sich heraus, dass die Jungs nachmittags vielleicht doch ein bisschen was getrunken hatten, denn jedem schlich sich die ein oder andere untypische kleine Panne ein. Simon schaffte es nicht, die Vocals in die höchsten Lagen zu bringen, und die Nahaufnahmen auf den großen Screens zeigten leicht glasige Augen. Der Sound war für ein Open-Air-Gelände richtig gut, aber jede Brise trug ihn nach links oder rechts, weg von unseren Ohren.

Zu unserer Erleichterung leerten sich die Stühle bereits beim zweiten Song, dem Megahit The Wild Boys, und alle drängten fröhlich Richtung Bühne. Letztendlich waren die Stühle gar keine so schlechte Idee – bei einem weniger interessanten Song konnte man sich einfach auf seinen Platz setzen und in Ruhe ein Bierchen trinken. Die Setliste war der vom letzten Jahr sehr ähnlich, aber mit ein paar Umstellungen haben sie es geschafft, sie ordentlich zu verhunzen – zumindest aus meiner Sicht. Den Viererpack Friends of Mine, The Chauffeur, New Moon on Monday und Super Lonely Freak ersetzten Nite Runner / All She Wants Is und ein völlig überflüssiges Cover von Evil Woman der ELO. Also zwei Songs weniger und zwei „Meh“-Songs statt echter Kultklassiker.

Aber weil die Italiener und vor allem die Italienerinnen die Duranies lieben, war die Energie großartig, und die Band glitt durch die Setliste und nahm uns mit auf eine Balladen-Reise mit Ordinary World, Come Undone und natürlich dem unverzichtbaren Save a Prayer. Die Hüften haben wir mit den druckvollen Hits Hungry Like the Wolf, The Reflex und zum grandiosen Abschluss mit Rio geschwungen.

Die Band war bester Laune, den Jungs wollte das Lächeln einfach nicht von den Lippen weichen. Im hellrosa Outfit glänzte wieder Nick, der sich von Simon den Spitznamen aus dem Untertitel verdient hatte. Die Rhythmussektion Roger / John hielt elegant den Takt. Man merkt, dass sie beim Spielen und Singen sichtlich Spaß haben – die ganze Performance erinnert manchmal an eine Jam-Session von vier Freunden und ihrer Begleitcrew. Auch diesmal muss ich beide Background-Sängerinnen loben, Rachael O’Connor und Anno Ross. Letztere glänzte erneut im Duett mit Simon in Come Undone, und auch Rachael hatte zwei Momente, in denen sie ihre beeindruckenden Vokalqualitäten unter Beweis stellen konnte.

Das war so ein entspanntes Konzertchen, ein lockerer Spaziergang durch die Erinnerungen der Teenagerjahre, sehr willkommen als krönender Abschluss eines schönen Urlaubs auf dem wunderschönen Sardinien. Einer meiner größten unerfüllten musikalischen Wünsche ist es, The Fab Five live zu erleben – ich hoffe, dass die Andeutungen Realität werden und Andy (Taylor, der Original-Gitarrist) für ein letztes gemeinsames Album und die dazugehörige Tour dazustößt. Ich drück die Daumen!

P.S. Simons pinke Lederjacke hat mir gefehlt – das Neongrün von diesem Konzert hat nicht so geknallt.

Text: Igorac
Fotos: Mateja

Setliste:
1. VELVET NEWTON (taped intro)
2. Night Boat
3. The Wild Boys
4. Hungry Like the Wolf
5. The James Bond Theme (Komposition: John Barry)
6. A View to a Kill
7. INVISIBLE
8. Notorious
9. Nite-Runner / All She Wants Is
10. Evil Woman (orig. ELO)
11. Careless Memories
12. Ordinary World
13. Come Undone
14. (Reach Up for the) Sunrise
15. Planet Earth
16. The Reflex
17. White Lines (Don’t Don’t Do It) (orig. Grandmaster Melle Mel)
18. Girls on Film / Psycho Killer (orig. Talking Heads) / Girls on Film
—Zugabe—
19. Save a Prayer
20. Rio


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