David Garfield – Američan v Sputniku (2008)
Ort: Sputnik – svetovna kavarna / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 04.05.2008
Besucherzahl: 150
Ticketpreis: 0,00€
Wenn immer noch jemand behauptet, in Slowenien passiere musikalisch nichts Spannendes, sollte er sich mal die Liste der Legenden anschauen, die zuletzt hier aufgetreten sind. Adam Bomb, Josipa Lisac, Fred Frith, Gogol Bordello und ich könnte noch weiter aufzählen. Klar, das sind keine klingenden Namen aus dem MTV-Programm, aber Musik-Feinschmecker kennen sie garantiert (zumindest den einen oder anderen). Diesmal hat es David Garfield mit seiner Band The Cats nach Ljubljana ins Sputnik verschlagen.
Vielleicht fragt sich der eine oder andere, wer zum Teufel David Garfield überhaupt ist. Er ist ein Keyboarder von Weltrang, der schon mit Namen wie Steve Lukather (Toto), Cher, Eros Ramazzotti, George Benson und vielen anderen gespielt hat. Kurz gesagt: Der Typ hat sein Brot bei den ganz großen Stars verdient, nebenbei aber auch fürs eigene Seelenheil Musik gemacht. Bei The Cats sind außerdem Bassist John Pena (Christopher Cross, Tânia Maria, Larry Carlton, Steve Lukather,…), Gitarrist James Harrah (Madonna, Bruce Willis, Jewel, Elton John, Laura Branigan, Peter Cetera, Kenny Loggins,…), Sänger Alex Ligertwood (sechzehn Jahre lang bei Carlos Santana am Mikro) sowie Neuzugang Forrest Robinson am Schlagzeug mit dabei, der den ehemaligen Zappa-Mann Chad Wackerman ersetzt hat.
Schon der Anfang machte klar: Hier erwartet uns ein wilder Abend. Zum Einstieg gab’s ein jazzrockiges Instrumental, an dessen Ende noch ein paar Akkorde aus Sunshine of Your Love vom Trio Cream eingestreut wurden. Weiter ging’s mit einer Mischung aus eigenem Material und Coverversionen, aus denen Strawberry Fields Forever von The Beatles, Georgy Porgy von Toto und Layla von Eric Clapton herausstachen. Die Jungs wechselten ständig die Stile. Funk, Smooth Jazz, Blues, Fusion, Soul, AOR, Pop, Rock – nichts ist ihnen fremd. Alle Genres spielten sie souverän, was garantiert daher kommt, dass sie über die Jahre mit so unterschiedlichen Musikern gespielt haben.
Gegen Ende des Konzerts gesellte sich noch die hübsche Neisha zu ihnen auf die Bühne, die eher als Backgroundsängerin und als Augenschmaus fungierte (oder eye candy, wie die englischsprachigen Eingeborenen sagen würden). Ehrlich gesagt fand ich ihren Auftritt überflüssig, denn die Herren hatten die Bühne sowieso voll im Griff. Meiner Meinung nach sind das Tricks, die eher Musiker nötig haben, die selbst nicht so gut sind, dass sie auf diesem Top-Niveau spielen könnten. Bei den Katzen war das aber alles andere als der Fall. Das Publikum war ausgelassen, die Musiker angeheizt, sodass mir Neisha nur wie eine Ablenkung vorkam, so wie Tinkara Kovač, die wir bei fast jedem größeren Konzert auf der Bühne sehen konnten, bevor sie in Mutterschutz ging. Versteht mich nicht falsch, Neisha ist ein sehr sympathisches Mädel mit einer tollen Stimme, aber ich sah keinen Bedarf, dass Musiker dieses Kalibers sie einsetzen. Vielleicht war es nur ein Kniff, um das Publikum noch mehr auf ihre Seite zu ziehen.
David Garfield hat sich als erstklassiger Keyboarder bewiesen. Ohne Mühe wechselte er zwischen Blues, Funk, Smooth Jazz, Fusion, Rock, Soul und AOR. Ein paarmal spazierte er mit einem tragbaren Synthesizer durchs Publikum und versuchte, noch mehr Stimmung zu machen, was ihm auch gelang.
Sänger Ligertwood unterhielt das Publikum nicht nur mit seiner außergewöhnlich gut erhaltenen Stimme, sondern auch mit seinen schrägen Tanzeinlagen, bei denen er wie ein Zwanzigjähriger wirkte. Man sieht ihm überhaupt nicht an, dass er schon einundsechzig ist. Er hat sich als echter Frontmann erwiesen, und ich wundere mich kein bisschen, dass Carlos Santana ihn so lange bei sich hatte. Neben der herausragenden Soulstimme, mit der er nach wie vor mühelos die tiefsten und höchsten Lagen erreicht, hat er auch die nötige Ausstrahlung.
Für mich war Gitarrist James Harrah der Sieger des Abends. Neben David Garfield fiel er am meisten auf, und gemeinsam mit dem Keyboarder spielte er auch den Löwenanteil der Soli. Beeindruckend war vor allem sein sauberer Sound und sein melodischer Spielstil. Man sieht, dass er mit Gefühl spielt, aber die Technik hat er auch im kleinen Finger.
Ein weiteres erfahrenes Mitglied ist Bassist John Pena, der ebenfalls nicht mit seinem Können gegeizt hat. Ein paar Soli und ein komplett fehlerfreies Spiel beweisen, dass er ein Top-Bassist ist, der ohne Zweifel neben den Größten bestehen kann.
Der Schlagzeuger erwies sich als hervorragender Ersatz für den deutlich erfahreneren Chad Wackerman. Er brachte jede Menge jugendliche Energie mit, die die älteren Mitglieder von The Cats auf den ersten Blick zwar nicht brauchen, die aber garantiert gut ankommt. Stellenweise glänzte er mit rhythmisch komplexen Solo-Einlagen, bei denen man nur staunen kann.
Die Jungs sind nicht nur als Einzelne herausragend, auch als Band haben sie überzeugt. Man sieht, dass sie echte Profis sind und eine Menge Erfahrung im Gepäck haben. Technische oder spielerische Probleme gab es keine. Wie zu erwarten, haben sie sich kein einziges Mal verspielt, alles wurde auf beneidenswertem Niveau gespielt. Auch Neuzugang Forrest Robinson fügte sich gut ins Team ein. Vielleicht wäre das Spielen etwas schwieriger gewesen, wenn die ganze Musik durchkomponiert wäre, aber der Großteil der Musik basiert auf langen Improvisationen und Soli, bei denen David Garfield & The Cats und ihr Publikum am meisten aufleben.
Das Konzert einer Band, die ich vorher nicht besonders gut kannte, war wirklich erstklassig. Ich finde gar nicht genug lobende Worte, um es zu beschreiben. Ich hoffe auf möglichst viele solche Events in Slowenien oder zumindest in unserer Nähe, bei denen sich die Künstler nicht allzu sehr mit Genredefinitionen belasten und einfach spielen, wonach ihnen das Herz verlangt.
Text: Rok Podgrajšek
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist
1. Desert Hideaway
2. Strawberry Fields
3. Josie
4. Georgy Porgy
5. I Put A Spell on You
6. Tune for Tony
7. For The Love of You
8. Babylon Sisters
9. Low Down
10. Medley: Low Down/Stay Together/Layla/Faith…
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