Coheed And Cambria im Wiener Flex
Ort: Wien / Club Flex / Österreich
Datum: Samstag, 10. August 2019
Die amerikanischen Prog-Rocker Coheed And Cambria promoten ihr aktuelles Album Vaxis I (Rezension HIER) mit voller Kraft. Der Schwerpunkt liegt zwar eher auf der amerikanischen Tournee, doch ihr Weg führt auch auf europäischen Boden. Da sie in ihrem gut zwanzigjährigen Bestehen aber nicht allzu oft in Europa aufgetreten sind, stehen für sie eher kleinere Clubs auf dem Programm. Dieses Mal hatte die Band nur wenige bestätigte Auftritte im zentraleuropäischen Raum. Einer davon führte sie auch nach Wien, in den Club Flex. Der Club ist ungefähr doppelt so groß wie die Gala hala in Ljubljana, was für einen eher intimen Auftritt sorgte.
Als Vorband traten die jungen Polyphia auf, die stilistisch vielleicht nicht ganz zu Coheed And Cambria passen – was aber noch lange nicht heißt, dass Polyphia nicht sehenswert wären. Für Fans von modernem Instrumental-Metal sind Polyphia ein echter Leckerbissen. Das Quartett begeisterte vor allem mit seinen Gitarren. Die Rhythmussektion ließ zwar auch nicht nach, doch die stärksten Mitglieder der Band sind eindeutig die Gitarristen, die mit ihrem präzisen Spiel zu begeistern wissen. An Soli mangelt es so gut wie nie. Ebenso wenig haben sie Schwierigkeiten damit, in komplexeren Rhythmen zu spielen. Der Bassist versuchte die ganze Zeit, das Publikum zu animieren, das vor allem in den vorderen Reihen reagierte, während der Rest auf die Hauptband wartete. Die Band, die bislang drei Alben veröffentlicht hat, zeigt zweifellos Potenzial für Größeres, doch angesichts des komplexen Spiels werden sie wohl keine großen Massen erreichen.
Dann wären da noch Coheed And Cambria, die nach vielen Jahren Abwesenheit nach Wien zurückkehrten. Die gut gefüllte Halle belohnte die Band mit starken Reaktionen – Refrains wurden mitgesungen, es wurde gesprungen, und auch ein Stage-Diver ließ sich blicken. Die Form der Band ist nach wie vor sehr gut. Die Vocals von Claudio Sanchez sind stark, ohne jedes Zeichen von Nachlassen. Gelegentlich fehlte zwar kurz der Atem, aber bei all den Gitarrenlinien und Vocals, die er runterbringen muss, ist klar, dass nicht immer alles wie am Schnürchen läuft. Die Eingespieltheit der Band ist schlicht außergewöhnlich. Gitarrist Travis Stever und Bassist Zach Cooper stehen Sanchez immer wieder vokal zur Seite und sorgten dafür, dass das Klangbild durch mehrstimmigen Gesang noch voller wurde. An Erfahrung mangelt es ihnen zweifellos nicht. In dieser Zeit haben sie ein Niveau an Professionalität erreicht, bei dem man von ihrem Auftritt schlicht das Beste erwarten kann.
Bei der Setlist müssen Coheed And Cambria schon sorgfältig wählen. Alben gibt es bereits ein Dutzend, und bekannte Songs ohnehin ohne Ende. Im Vordergrund stand aber nach wie vor die Promotion von Vaxis I: Unheavenly Creatures, was bedeutete, dass Songs von manchen Alben eben wegfallen mussten. Folgerichtig eröffnete die Band mit The Dark Sentencer, dem Opener des aktuellen Albums. Das ist ein exzellenter Opener, von denen die Band nur wenige geschrieben hat. Es folgte eine stimmige Fortsetzung mit dem Titeltrack, dem ersten Hit des aktuellen Albums. Dann ein Sprung in die Vergangenheit mit In Keeping Secrets of Silent Earth: 3 – zur Freude der älteren Fans, als die Band Post-Hardcore-Elemente in den Vordergrund rückte. Das schlichte, aber ansteckende A Favor House Atlantic animierte zum Mitsingen, doch mit dem neueren The Gutter zeigte die Band ihre härtere Seite. Mit True Ugly pa wurde das Tempo noch einmal angezogen. Die Dynamik der Setlist war jedenfalls abwechslungsreich.
Am Album No World For Tomorrow kommt die Band nicht vorbei. Entsprechend folgten der Titeltrack, das knackige Gravemakers & Gunslingers und die anerkannte Ballade Mother Superior. Die Band kehrte mit Old Flames zum aktuellen Album zurück, einem spritzigen Song, zu dem sie auch ein Musikvideo gedreht hat. Nach einer Pause kam die Band mit dem melodischen The Pavillion zurück und schloss mit Welcome Home, dem größten Hit der Band überhaupt. Während des Songs tauchte auch ein Stage-Diver auf, der mit seinem ständigen Gespringe störte und am Ende sogar eine Schlägerei im Publikum auslöste. Sanchez war sichtlich wütend über die Schlägerei, weshalb die Band nach dem letzten Ton die Bühne innerhalb von Sekunden verließ.
Das Konzert endete also mit einem bitteren Nachgeschmack, verursacht von einem betrunkenen Fan, der eine Grenze überschritten hatte. Das Konzert von Coheed And Cambria selbst war aber mehr als ordentlich – trotz der Tatsache, dass die Band einige Songs ausgelassen hatte.