Chick Corea (12. 6. 1941 – 9. 2. 2021)
Chick Corea, mit bürgerlichem Namen Amando Anthony Corea, der gefeierte Jazz-Keyboarder, Komponist, Bandleader und gelegentliche Schlagzeuger, ist im Alter von achtzig Jahren verstorben. Seine Kompositionen „Spain“, „500 Miles High“, „La Fiesta“, „Armando’s Rhumba“ und „Windows“ gelten beim breiten Publikum als Jazzstandards.
Zu Beginn der Sechziger machte sich Corea als gefragtester Studiogitarrist einen Namen. Ende der Sechziger schloss er sich Miles Davis an und wurde damit Teil der Geburtsstunde der Jazzfusion. Noch in der ersten Hälfte der Siebziger gründete er die Jazzrock-Formation Return to Forever.
Chick Corea genießt den Status einer Jazzlegende und gilt neben Namen wie Herbie Hancock, McCoy Tyner, Keith Jarrett und Bill Evans als einer der größten Jazzpianisten, die in der Post-John-Coltrane-Ära auf der Jazzszene erschienen sind.
In seiner langen und fruchtbaren Musikkarriere gewann er 23 Grammy Awards und erhielt insgesamt 60 Nominierungen.
Chick Corea wuchs in der Nähe von Boston auf. Sein Vater, ein Trompeter, der Jazz mit Dixieland-Einflüssen spielte, brachte Chick das Klavier näher. In früher Jugend lernte Corea auch Schlagzeug. Die Schule hielt ihn nicht lange, er verließ sie bald und widmete sich dem Jazzspiel, wobei er mit etablierten Namen wie Getz, Mann und Blue Mitchell zusammenarbeitete. Bereits in der zweiten Hälfte der Sechziger profilierte sich Corea als starker Komponist mit dem Album „Now He Sings, Now He Sobs“ von 1968 — einem Album, auf dem neben Corea der Schlagzeuger Roy Haynes und der Bassist Miroslav Vitous mitwirkten und das dem „modernen Jazz-Klaviertrio“ seine Bestätigung verschaffte.
Corea schloss sich Miles Davis an und trug dazu bei, dass dieser seine jazzmusikalische Vision erweiterte und eine Brücke schlug zwischen der Kühnheit des Post-Bop, den er mit der vorherigen Band gespielt hatte, und dem Reichtum der abstrakten und frei fließenden Improvisationen, die Corea auf dem E-Piano einführte. Corea stand dem E-Piano anfangs skeptisch gegenüber. In Miles Davis‘ elektrischer Phase spielte er auf wesentlichen Alben wie „Files De Kilimanjaro“, „In A Silent Way“, „Bitches Brew“, „A Tribute To Jack Johnson“ und „On the Corner“.
1972 gründete Corea Return to Forever. Die Mk-II-Besetzung der Band — neben Corea der Bassist Stanley Clarke, Schlagzeuger Lenny White und Gitarrist Bill Connors, der später durch Al Di Meola ersetzt wurde — avancierte zur Leitband der Jazzrock-Fusion-Bewegung, die neben Return to Forever auch Weather Report und McLaughlins Mahavishnu Orchestra ins Rampenlicht der Massen rückte.
„Mir lief eine Gänsehaut den Rücken runter, als ich den Return to Forever-Klassiker Hymn of the Seventh Galaxy komponierte“, sagte Chick Corea einmal. „Da war so viel Enthusiasmus unter uns allen, so viel Begeisterung, alles funktionierte so fantastisch miteinander. Dieser Song wurde zum Fundament einer neuen musikalischen Richtung. Von da an entwickelte sich alles mit exponentieller Geschwindigkeit. Die Spielorte wurden immer größer, das Publikum folgte jedem gespielten Ton. In der Luft herrschte eine außergewöhnliche Synergie zwischen dem, was wir erschufen, und dem, was die Masse in sich aufsog.“
„Das Geschenk der Musik an die Menschen liegt darin, dass sie alles stimuliert, was in uns auf natürliche Weise fließt. Das ist die echte Reaktion jedes einzelnen Menschen. Um das aus den Leuten herauszuholen — und das gilt auch für jeden Musiker — muss man kein Profi sein, kein technisch und akademisch Ausgebildeter. Alles, was du brauchst, ist, du selbst zu sein und offen für alle Herausforderungen zu sein, die dir die Welt der Fantasie zeichnet“, sagte Chick Corea einmal.