Chateau und der neue Glanz der slowenischen Hard-Rock-Legende im Orto bar (2023)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2023
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Auftretende: Chateau
Datum: 17. 11. 2023
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien


Es ist nicht jeden Tag, dass Chateau ein neues Studioalbum rausbringen. Und mehr noch. Nach 2011, als die Band das Album „Do konca“ veröffentlichte und kurz darauf mit der überraschenden Entscheidung schockte, in eine Ruhephase zu gehen, hatten viele von uns die Hoffnung verloren, Chateau jemals wieder auf der Bühne zu sehen.

Doch die Dinge drehten sich grundlegend. Mitte Dezember 2020 schlossen sich Chateau wieder zusammen. Im Frühjahr 2021 brachten sie zunächst zwei überzeugende Singles raus – Pesmi nove, pesmi stare und Zvezde vedo –, und das Jahr rundete die Vinyl-Ausgabe der Greatest-Hits-Kompilation „The Best Of“ ab. Als 2022 dann auch die Single S solzami v raj erschien, ließen Chateau nicht mehr länger ‚verbergen‘, dass sie auch an einem neuen Studioalbum arbeiteten. Bis zur offiziellen Veröffentlichung am 17. 11. 2023 musste aber noch ein weiteres Jahr vergehen. Chateau beschlossen daher, dieses Ereignis mit einem besonderen Konzert im Ljubljaner Orto bar zu feiern. Das neue Album „Chateau 2023“ nahm die Band in der Besetzung eines erneuerten Quintetts auf, in dem natürlich der immergrüne Sänger Matjaž Ograjenšek und der nicht minder immergrüne Gitarrist Zvone Hranjec vertreten sind. Das Lineup verstärkten in den neuen Zeiten auch der ehemalige Res Nulius-Bassist (und Rückkehrer) Boštjan Časl, der Keyboarder aus Jesenice Robert Humar – bekannt u.a. durch seine Zusammenarbeit mit Rok’n’band –, sowie der junge und aufstrebende Schlagzeuger Grega Plamberger. Den Eröffnungsteil prägte auch die Ankunft des Urgesteins des Rock ’n‘ Roll der slowenischen ‚Siebten Macht‘, also des Mannes, dessen Name untrennbar mit der Karriere der Gruppe seit den frühen Neunzigern verbunden ist – des geschätzten Dragan Bulič, der für eine prachtvolle Ankündigung des Bühnenauftritts der Gruppe sorgte.

Das Event war ein klarer Beweis dafür, dass das slowenische Hard-Rock-Publikum Chateau noch lange nicht vergessen hat. Die Band hatte ein Marathonset aus zwei Teilen mit Pause in der Mitte vorbereitet. Gut 300 Besucher kamen voll auf ihre Kosten. Zunächst schon allein durch die Tatsache, dass das neue Material brillant an den früheren Opus der Band anknüpft, der heute auf slowenischem Boden als Kultstatus gilt – aber vor allem durch die hervorragend erhaltene Stimme von Matjaž Ograjenšek, der beim Auftritt in vollem performativen Glanz brillierte und durchweg eine ausgezeichnete Stimmung ausstrahlte. Der charismatische und sympathische Sänger hatte das Publikum sofort in der Hand, besonders die vorderen Reihen reagierten besonders heftig auf seine Ansprachen und Anfeuerungen. Die neuen Tracks zünden richtig, was ein direkter Beweis dafür ist, wie wichtig das kreative Gespann Hranjec – Ograjenšek ist. Die Musikalität mit dem hervorragenden Gespür für die Steigerung von Pomp, der in ansteckenden Refrainmelodien kulminiert, spiegelt sich in diesem kreativen Gespann schon immer wider. Und diese Chemie bleibt erhalten. Als wären es die Jahre, als Glam Metal auf dem Höhepunkt war (natürlich, wenn man die Augen zumachte und dabei einen Klassiker der Band aus den Neunzigern heraufbeschwor). Der Kern und die kreative Essenz, die Chateau definiert, sind also bewahrt und in die Gegenwart überführt worden. In eine Neugeburt der Band. Im ersten Teil präsentierte die Gruppe auch eine ‚aufgefrischte‘ Version ihres größten Hits Mlinar na Muri, die sich auch auf der neuen Platte befindet und jetzt in rockig deutlich wilderen Gewässern verpackt ist – sprich: schnelleres Tempo und hervorgehobenes Gitarren-Phrasing. Das Album „Chateau 2023“ wurde tatsächlich in seiner Gesamtheit gespielt. Mit Ausnahme eines einzigen Songs.

Der zweite Teil war reich bestückt mit den bekanntesten Songs aus den klassischen Tagen der Band. Und hier entflammte sich das Publikum noch einmal besonders. Das war zu erwarten. Gremo v nebo, Nocoj najlepša si, das obligatorische Lola (mit einem witzigen Stand-up-Comedy-Einschub von Matjaž rund um Salome), dann Tanja, Odpelji me v raj, Avantura. Kurz gesagt: Klassiker an Klassiker, die (neben den Aktivitäten von Šank rock) den slowenischen Hard Rock durch die Neunziger hochgehalten haben. Die Performance dieser Songs hielt eine außergewöhnliche Nostalgieladung aufrecht und rief dieses Gefühl hervor, bei dem man sich sagt: „Soll diese Nacht von hier bis in die Ewigkeit dauern.“ Dann natürlich Objemi me. Ein Song, der als Klassiker des slowenischen Rocks gilt, ein Song, von dem du weißt, dass er da ist. Immer ist er da. ‚Irgendwo‘. Aber gleichzeitig ist es ein Song, den du seit Jahren nicht mehr gehört hast (aus allerlei zeitlichen Gründen) und das Aufschieben so lange betrieben hast, dass es am Ende dazu kommt: Chateau spielen ihn dir nach vielen, vielen Jahren endlich auf der Bühne. Wahnsinn. Was für ein starker Song. Da wird dir das erst richtig bewusst. Wenn er live noch so viel intensiver packt. Diese Aufführung der großartigen Ballade war auch deshalb besonders, weil sie als Duett mit Spezialgast Omar Naber dargeboten wurde. Natürlich fehlte auch Mlinar na Muri in der klassischen Ausführung nicht (entnommen aus dem gleichnamigen Album – 1994), hauptsächlich aber Songs (wie erwartet) aus den Alben „Objemi me“ (1992) und „Avantura“ (1993). Im abschließenden Teil fügte die Band noch zwei „Do konca“-Klassiker (wie wir heute sagen können) hinzu – Vse kar ljubim sowie den Titelsong –, und damit schloss sich auch die Feier zur Veröffentlichung des neuen Chateau-Albums.

Die Band kam für eine Zugabe zurück. Eingefleischte Fans hätten sich einen Song vom Debüt-Studioalbum „Tvoje oči“ (1990) erhofft, außerdem ließ die Band das Album „Brez tebe“ (1996) außen vor. Stattdessen spielten Chateau noch einmal den ’neuen Mlinar na Muri‘, das großartige neue Pesmi nove, pesmi stare sowie eine der stärksten Balladen der klassischen Ära des slowenischen Rocks – nämlich Objemi me. Damit wollten sie dem Publikum maximales Abschalten liefern. Und das gelang der Band auch.

Noch eine wichtige Beobachtung. Im Publikum befand sich ein beachtlicher Anteil an Mädchen, und auch die Damen hatten die Band nicht vergessen, die ihr schon in den Neunzigern treu waren – damals noch als Teenagerinnen. Daraus lässt sich leicht schließen – und das hat das Konzert im Orto bar auch bewiesen –, dass Chateau all diese Jahre sehr vermisst wurden, dabei aber kein bisschen eingerostet sind. Und wenn dich nach all diesen Jahren noch Mädchen und Damen besuchen, bewahrst du die Jugend. Es waren zwar ein paar Patzer im Orto bar zu hören, aber das ist normal, wenn man ins neue Leben wiedergeboren wird und wieder frischen Wind in die Segel bekommt! Die Band wird das schnell bereinigen und auf einer Reihe bevorstehender Auftritte noch weiter ausbauen – aber eines ist klar. Nicht nur aufgrund der starken Songs, Hits und Evergreens aus der goldenen Ära der Neunziger, die die Band oben halten, sondern auch wegen der starken Tracks des frisch veröffentlichten Albums „Chateau 2023“ bleibt klar: Chateau strahlen neuen Schwung und neuen Willen aus, sich zu beweisen und neue Musik zu kreieren. Als hätten diese 43 Jahre zwischen dem Studiodebüt und heute nie existiert.

Autor: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlist:
1. Pesmi nove, pesmi stare
2. Daleč od srca
3. Zvezde vedo
4. S solzami v raj
5. Varala si me
6. Mlinar na Muri 2023
7. Mogoče nekoč
8. Ljubi in sovraži
9. Ko se šampanjec hladi
—zweiter Teil—
10. Gremo v nebo
11. Nocoj najlepša si
12. Lola
13. Tanja
14. Odpelji me v raj
15. Avantura
16. Zaradi tebe
17. Objemi me (ft. Omar Naber)
19. Mlinar na Muri (klassische Version 1994)
20. Zapleši z mano
21. Vse kar ljubim
22. Do konca
—Zugabe—
23. Mlinar na Muri 2023
24. Pesmi nove, pesmi stare
25. Objemi me


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