Bryan Adams nimmt Slowenien mit jugendlichem Feuer und einem Rondo voller Hits erneut im Sturm! (2022)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2022
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Ort: Ljubljana / Arena Stožice / Slowenien
Datum: Sonntag, 4. 12. 2022


Bryan Adams, der legendäre kanadische Rock-Singer-Songwriter, hat es endlich geschafft, Slowenien erneut zu besuchen. Nach den Verschiebungen der Konzerttournee, auf der er das aktuelle Album »So Happy It Hurts« promotete – in diesem Zusammenhang liegt die Antwort auf das Warum durch die Verschiebungen auf der Hand –, ist der ikonische romantische Rock-Krieger also an einem nassen Dezembertag wieder in der slowenischen Hauptstadt angekommen. Dass alle fieberhaft auf Bryan warteten, zeigte schon die vorkonzertliche Euphorie bei der Parkplatzsuche, wobei selbst die eigens organisierte LPP-Linie, die zwischen den rund um die Arena verstreuten Parkplätzen pendelte, die Situation nicht vollständig lösen und beruhigen konnte. Die Leute strömten bei durchweichtem Wetter in Scharen aus allen Richtungen zum Veranstaltungsort. Von Parkplätzen, die auch über 30 Gehminuten (oder gar Laufminuten) entfernt waren.

Die Arena war nahezu ausverkauft. Auf den Rängen klafften noch ein paar leere Plätze, der Pit dagegen war besonders in den vorderen zwei Dritteln buchstäblich unpassierbar. Die Leute waren darin zusammengepfercht wie Streichhölzer in einer Schachtel. Kurz nach acht Uhr abends begann die Bühne aufzuwachen. Langsam. Aber mit laut projizierten Slogans über das Erschaffen von Rockmusik, die eine kurze Eingangs-Hypnose erzeugten. Bryan und die Crew schlichen sich wie die Mäuse auf die nahezu vollständig abgedunkelte Bühne und nahmen ihre Positionen ein. Eröffnet wurde das Konzert mit dem neuen Track Kick Ass, der die Aufgabe hatte, auf die richtige Temperatur aufzuheizen. Zu kalibrieren. Und Bryan riss die Menge sofort mit sich. Im Eröffnungsteil knallte er – von der neueren Shine a Light abgesehen – sofort einige der herausragendsten Hits raus, gekrönt von der epischen Ballade Heaven. Bei so einem Repertoire kann einfach nichts schiefgehen. Auf der Bühne bist du buchstäblich unschlagbar. Und Bryan, dem aus der alten Garde der Begleitmusiker der legendäre und unzertrennliche Gitarrist Seite steht, ohne den der berühmte romantische Rocker nirgendwo hingeht – nämlich Keith Scott (schon der Anblick des abgewetzten Korpus seiner legendären Fender-Begleiterin sagt alles) –, bleibt genau das. Stimmlich bleibt er kraftvoll. Ob er seine berühmte und einzigartige kehlige Rauheit einsetzt oder den sauberen Ansatz. Für einen 63-Jährigen bewahrt er eine ausgeprägte stimmliche Kraft, und in besonders romantisch aufgeladenen Momenten erwacht seine ewige Suche nach der liebenden Komplementarität zweier Herzen schlagartig zum Leben, vor allem dank einer unglaublichen Sinnlichkeit und Leidenschaft. Er bewahrt eine charismatische Durchdringungskraft, die das allgemein schlichtere Grundkonzept seiner Kompositionen auch kompromisslos einfordert (ähnlich wie beim Boss – der ist freilich eine ganz eigene Geschichte).

Kurz und gut! Sound: sehr gut. Ja, und ihr werdet’s nicht glauben. Noch immer, selbst in der Arena. Das Publikum? Fantastisch. Bryan riss es mühelos mit sich. Eigentlich erhob es sich von ganz allein. Bei jeder Einstimmung auf die bekannten Hits. Bryan heizte das Ganze routiniert an, mit Aufrufen zu guter Laune und aufbauendem Optimismus – was die Menschen gerade in diesen letzten Jahren, in denen alles kräftig nach unten und in die falsche Richtung gegangen ist, umso dringender brauchen. Bryan hat in dieser Hinsicht mit seiner Ankunft in Ljubljana ein strahlendes Licht angezündet. Auch auf der Bühne strahlte er eine außergewöhnliche Energie aus, als er die äußersten rechten und linken Bühnenpositionen einnahm und dabei durchgehend festen Augenkontakt mit dem hingebungsvollen und hypnotisierten Publikum hielt. Bei jeder Ansprache tobte es los. In diesen Jubelstürmen war deutlich zu spüren, dass besonders die Damen aller Altersgruppen die Arena diesmal zahlenmäßig klar in der Überzahl besetzt hatten.

Erwartungsgemäß ragte das Album »Reckless« heraus. Wie auch nicht? So muss es sein. In  diesem Zusammenhang brachte der Wunsch eines Besuchers eine besondere Überraschung, den Bryan erfüllte und den gleichnamigen Song spielte. Der AOR-gefärbte Track, der einen sofort in seinen Bann zieht (im Refrain), galt laut Einschätzung des Labels, das Bryan beim Entstehen des Albums »Reckless« Steine in den Weg legte, als zu schwach, um vom Musiker aufs Album gehoben zu werden. So fehlt er auf dem Album, obwohl er der Titeltrack hätte sein können. Die eingefleischten Bryan-Fans müssen jedenfalls im siebten Himmel gewesen sein, als sie diesen Song so live genießen konnten. Bryan sammelte noch ein paar weitere Wünsche aus dem Publikum ein (das macht er bei allen Konzerten). Im Stil des Boss, nur dass ihm die Leute keine Pappschilder hinhielten. Auch »Cuts Like A Knife«, vertreten durch die Titelballade am Ende des regulären Teils, bekam seine konzertliche ‚Verlängerung‘ dank eines Wunsches (Single I’m Ready). Besonders hervorzuheben ist das hervorragende Live-Funktionieren des von Kastagnetten und Flamenco begleiteten Have You Ever Really Loved A Woman, das das Publikum für diesen Abend ebenfalls ‚abgestimmt‘ hatte.

Die obligatorische Zugabe brachte auf jeden Fall eine besonders reiche konzertliche Farbgebung. Neben den erwarteten Mega-Hits Straight From The Heart und natürlich Run To You brachte die Band das Publikum mit dem Frankie-Vallie-Cover  Can’t Take My Eyes Off You in eine ganz besondere Art kollektiven Feierns und Abschaltens. Dann verabschiedete sich die Begleitband und Bryan blieb allein auf der Bühne. Natürlich, wie immer, mit Gitarre. Nach dem akustischen Servieren des Hits Straight From The Heart überraschte die Einbindung von Christmas Time (Album »Reckless«) angenehm und nachhaltig. Diesen Song begann Bryan erst bei den Konzerten in Österreich ins Repertoire aufzunehmen. Datumsmäßig beide im Dezember, was seinen Sinn ergibt, da er eine engere Weihnachtsverbindung trägt. Und natürlich das abschließende All For Love, auf das ebenfalls alle gewartet hatten.

Wenn dir eine zwölftausend Köpfe starke Menge so aus der Hand frisst, wenn du allein mit ihr bist und die Halle voller Handylichter steckt, durchdrungen von Gefühlen der Freude, Romantik und Positivismus – dann weißt du, dass du im Leben etwas Handfestes geleistet hast. Nicht nur für dich selbst, sondern auch für die Menschen. Für die Welt. Bryan Adams bleibt der Seelenhirte unserer Zeit. Definitiv das unverzichtbare Salz in jeder Suppe. Im Tagesrhythmus. Auch im Jahr 2022. Und so wird es bleiben. Seine Person und sein Werk haben auf den Schwingen der Evergreens gewissermaßen schon längst einen zeitlosen Status erhalten, und der jugendliche Bryan bewahrt in seinen 63 Jahren die Form eines leidenschaftlichen Rockers, der auf irgendeine Weise – auch wenn Professionalismus und Routine in diesem Business absolut klar sind – noch immer diese jugendlich-romantische Naivität ausstrahlt, dabei aber eine Aufrichtigkeit, die dich verletzt, aber nie ernüchtert. Und genau daher rührt die Kraft seines Liebestroubadourtums, das auch in reiferen Jahren nicht versiegt. In strikter Rockmanier! In einer Konzertlänge von satten zwei Stunden und zehn Minuten und einem Rondo aus 29 Songs.

Autoren: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlist:
1. Kick Ass
2. Can’t Stop This Thing We Started
3. Somebody
4. One Night Love Affair
5. Shine a Light
6. Heaven
7. Go Down Rockin‘
8. It’s Only Love
9. You Belong to Me
10. I’ve Been Looking for You
11. The Only Thing That Looks Good on Me Is You
12. Here I Am (akustische Version mit Klavierbegleitung)
13. When You’re Gone (akustische Solo-Version)
14. (Everything I Do) I Do It for You
15. Back to You
16. These Are the Moments That Make Up My Life
17. 18 til I Die
18. Summer of ’69
19. I’m Ready (‚unplugged‘ Variante)
20. Have You Ever Really Loved a Woman?
21. Reckless
22. Please Forgive Me
23. Cuts Like a Knife
—Zugabe—
24. So Happy It Hurts
25. Run to You
26. Can’t Take My Eyes Off You (orig. Frankie Valli)
27. Straight From the Heart (akustische Solo-Version)
28. Christmas Time (akustische Solo-Version)
29. All for Love (orig. Bryan Adams, Rod Stewart & Sting) (akustisches „Shine a Light“ Intro)


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