Brit Floyd bringen das slowenische Publikum zum fünften Mal makellos der Unsterblichkeit von Pink Floyd näher! (2024)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2024
0 387

Brit Floyd – The Pink Floyd Tribute Show
Dienstag, 5. 11. 2024 von 19.30 bis 22.30 Uhr
Ljubljana / Mala dvorana Hale Tivoli / Slowenien


Brit Floyd sind die beste Tribute-Band für das Werk der mächtigen Pink Floyd auf diesem Planeten! So gut, dass sich sogar der grummelige Gaul, der als einer der zwei Autoren hinter diesem Essay steckt und schon immer ein stiefmütterliches Verhältnis zu Tribute-Bands pflegte, an diesem Tag auf ein Abenteuer zur Hala Tivoli in Ljubljana aufmachte. Gleichzeitig war es schön, all jene Jugendtage voller Unschuld und großer Hoffnungen noch einmal zu erleben! Vor allem, als mich die Erinnerungen in den heißen Sommer des Jahres 1994 trugen. Genauer gesagt nach München, am 4. 8. 1994, als Pink Floyd eines ihrer Konzerte auf der damaligen »The Division Bell«-Tour spielten, die sich als ihre letzte herausstellen sollte. Ein Konzert, das man nie vergisst! Und 30 Jahre danach sind Brit Floyd da, denen der Ruf als bestes Pink Floyd-Surrogat unserer Galaxie nicht zu Unrecht anhaftet. Brit Floyd haben diese Tour also dem Andenken an das Album »The Division Bell« gewidmet, das vor 30 Jahren erschien. Zur Erinnerung: Eine solche Thementour führten sie auch 2013 durch, als sie damit ebenfalls die Hala Tivoli besuchten; insgesamt war es der fünfte Besuch dieser weltweit sehr geschätzten Tribute-Band bei uns. In Ljubljana traten sie außerdem in den Jahren 2012, 2015 und 2018 auf. Immer im November.

Die effektive Spielzeit (die Konzertaufführung) entsprach der der »The Division Bell«-Tour von Pink Floyd. Zwei Stunden und vierzig Minuten. Und mit der dazwischen liegenden 20-minütigen Pause dauerte er genau so lang wie das Pink Floyd-Konzert von 1994. Also drei Stunden. Nur mit einer etwas durchgemischten Setliste und einigen Überraschungen, die sich als erstklassige Auflockerung des Abends erwiesen.

Brit Floyd kündigten das Konzert in der Hala Tivoli schon um halb acht Uhr abends an! Eine unglaublich frühe Uhrzeit. Die Euphorie der Parkplatzsuche vor der Hala Tivoli bleibt auch im Jahr 2024 Teil der klassischen Folklore des ‚Jankostana‘. Auch wenn ich mich an meinen letzten Besuch in der Hala Tivoli nicht mehr so gut erinnere…. Na ja, vielleicht war das sogar Morrisey am 10. 10. 2014? Zehn Jahre her! Aber die sind im Nu vergangen. Wie ein Schnipsen mit den Fingern. Alles steht noch genau dort, wo es hingehört. Eine Basketballhalle! Die Bühne längs aufgestellt, mit Blick auf die Westtribüne. Dieser ‚halbierte‘ Raum hat sich also schön gefüllt. Also knapp 3.000 Leute? Höchstens. Und die hatten einiges zu sehen und zu hören. Zweifellos.

Brit Floyd wird seit vielen Jahren von ihrem Antriebsmotor angeführt, dem brillanten Gitarristen und Sänger sowie künstlerischen Leiter der Band Damian Darlington, dem ein weiterer Sänger und Gitarrist Edo Scordo sowie ein dritter Sänger und Bassist Ian Cattell zur Seite stehen! Weiterhin sind da Keyboarder, Hammondist, Backgroundsänger Matt Riddle, Saxophonist, Perkussionist, Backgroundsänger und gelegentlicher Bassist sowie Gitarrist Ryan Saranich, Schlagzeuger Randy Cooke und drei Backgroundsängerinnen Jessie Lee Houiler, Genevieve Little und Chess Galea.

Brit Floyd haben seit ihrer Gründung 2011 mit unglaublicher Ausdauer und Beharrlichkeit Geld gespart und ihre Bühnenausrüstung kontinuierlich aufgerüstet. Damit wuchs auch der Umfang und die künstlerische Reichweite ihrer Shows, die natürlich das Original anpeilen! Heute ist ihnen wirklich nichts vorzuwerfen, und Pink Floyd können nur stolz sein, eine solche Tribute-Band zu haben, wie sie es für ihren gewaltigen Beitrag zur Rockmusik wirklich verdienen. Alles ist bis ins letzte Detail einstudiert. Da ist dieser berühmte Kreis aus Scheinwerfern, der im Zentrum steht, und Projektionen, die beim visuellen Intensivieren der Botschaft der Gruppenpoesie bzw. des Aussagewertes der Texte begeistern! Die Beleuchtung ist obligatorisch mit Lasersalven kombiniert, die während der Konzertshow hin und her schießen.

Auch in Bezug auf die Performance gibt es keinen Ausrutscher. Alle drei Hauptsänger haben aufgeteilte Rollen, die unglaublich kompatibel mit der Natur der Kompositionen in ihren Originalen sind, oder der Teile von Kompositionen, in denen sie die zentrale Rolle übernehmen müssen. Alle drei können mal in die Rolle von Waters, mal von Gilmour schlüpfen, wobei der Gesang des Bassisten Ian Cattell dem Gilmour-Original besonders beeindruckend nahekommt. Die Band ist in ihrer Perfektion so weit gegangen, dass sie auf der Bühne zusätzliche Gitarrenlinien interpretiert, die in den Studiooriginalen eingespielt wurden, und zusätzliche Stimmen, die in einer Quartettformation wie Pink Floyd – außer mit Hilfe aufgenommener Linien – unmöglich wären. Wenn die führenden Männerstimmen von den Backgroundstimmen aller drei Backgroundsängerinnen und der übrigen Instrumentalisten ergänzt werden, die mit vokaler Begleitung einsteigen, ist der Effekt bzw. die Interpretation so gelungen bezwingend, dass man sie mit den Originalen sogar verwechseln könnte.

Vor dem Beginn hallten in der Halle Klänge wider, die denen glichen, die Pink Floyd auf der »The Division Bell«-Tour verwendeten. Klänge aus dem Urwald. Das Quaken von Fröschlein, das Rauschen schwerer Regentropfen und Ähnliches. Die Band eröffnete mit Astronomy Domine. Mit dem Intro griffen sie flüchtig in die psychedelische Ära von Pink Floyd, bevor sie dann in die Ära ohne Waters übersprangen, als das aufweckende Learning To Fly folgte. Genau so, wie sich die The Division Bell-Tour vor 30 Jahren abspielte. Na, und da ist schon dieses zutiefst bewegende Pink Floyd-Requiem namens High Hopes. Das faszinierende und unvergängliche Grabdenkmal, das sich Pink Floyd am Ende des Albums »The Division Bell« gesetzt haben, das einen mit sehnsuchtsvoller Melancholie und Magie buchstäblich von den Beinen reißt.  Schon zu Beginn beeindruckten Brit Floyd mit der unglaublichen Flexibilität aller drei Hauptsänger, der außerordentlich clever verteilten Übernahme der Leadsolos und dem gegenseitigen Aufeinandereingehen beider Gitarristen – wobei natürlich das Steel-Pedal-Solo von Damian Darlington im bombastischen Abschluss des epischen High Hopes sein eigenes Kapitel schrieb. Die Abstimmung ist erstklassig, man merkt, dass diese Band enorm viel zusammen gespielt hat. Ihnen entgeht nichts. Auch der Sound in der Halle war an diesem Abend erstklassig! Die Leute in hypnotischer Trance. Erstarrt. Natürlich Beifallsstürme. Brit Floyd weckten mit Leichtigkeit Leidenschaften und Emotionen, getragen von großer Nostalgie, die uns mit den mächtigen Pink Floyd verbindet. Von den »The Division Bell«-Klassikern, die auf der Tour vor 30 Jahren gespielt wurden, ließ die Band nur What Do You Want From Me aus.

Schon mit dem Equipment allein kopieren sie die Originalgitarren von David Gilmour, und die Performance rechtfertigt das alles in jeder Hinsicht. Der erste Teil war tatsächlich der Schaffensperiode von Pink Floyd in der Ära ohne Waters gewidmet. Also den letzten zwei Alben (Sorrow lieferte ebenfalls einen der Teufels-Höhepunkte). Für den zweiten Teil hatte sich die Band von den Songs des Albums »The Division Bell« nur A Great Day For Freedom aufgespart. Die Minuten flogen wie Sekunden dahin, und der Höhepunkt des ersten Teils war definitiv das »Animals«-Epos Dogs (die absolute Überraschung der Setliste), das ‚von Kopf bis Fuß‘ aufgeführt wurde, wobei Brit Floyd das Publikum zu Beginn mit Pigs On The Wing (Pt. 1) anheizten, wie es dieses fantastische und leicht übersehene Pink Floyd-Album gebietet. Gerade Dogs war das eklatante Beispiel der Perfektion, an der Brit Floyd festhalten. Die meisten aufgenommenen Gitarren, die dem Laien in der Originalversion hörbar sind, werden auf der Bühne mit Hilfe beider Gitarren interpretiert, und das gilt auch für die Vocals, die sich im Studiooriginal überlagern bzw. ergänzen. Was Darlington und Cattell nicht schafften, ergänzten die Harmonien der Backgroundsängerinnen. Meisterhaft! Haarspaltend. Natürlich trägt die Reinterpretation des ‚Gilmouresken‘ von den Solos bis hin zum Sound selbst, der das Original auf den Punkt trifft, mehrfach den Hauptteil aller Aufmerksamkeit und Begeisterung davon!

Es folgt eine 20-minütige Pause. Der zweite Teil eröffnete mindestens auf dem Niveau des äußerst vibranten Abschlussteils des ersten. Mit Shine On Your Crazy Diamond, wo das einleitende Gitarrensolo gänzlich Edo Scordo gehörte. Hier ließ auch Perkussionist Ryan Saranich zum ersten Mal beim Konzert so richtig die Lungen durchlüften, als er den Einsatz von Tenor- und Altsaxophon kombinierte (ohne Saxophon sind diese Klassiker nicht vorstellbar). Mit Ausnahme des einzigen Ausflugs in die frühe Ära von Pink Floyd, nämlich mit dem aufgedrehten »The Meddle«-Klassiker One Of These Days, alternierte die Band im zweiten Teil hauptsächlich zwischen den Alben »The Wall« und »Dark Side Of The Moon«, mit der zwischenzeitlichen Integration des obligatorischen Wish You Were Here, in dem Darlington einmal mehr sein ganzes Können unter Beweis stellte. Die zentrale Rolle des weiblichen Gesangs in The Great Gig In The Sky gehörte Jessie Lee Houiler, die diese anspruchsvolle Aufgabe hervorragend meisterte – was einen der Höhepunkte des Abends in seinem zweiten Teil bescherte. Die Sanftheit und die Stimmungswechsel besonders meisterhaft verinnerlicht in Us And Them, mit erstklassig eingestudierten Vokalharmonien im Refrain! Da sind natürlich Another Brick In The Wall pt. 2 und Money sowie für das große Finale der immer sehnlichst erwartete »The Wall«-Klassiker Comfortably Numb. Darin zog Cattell einen Arztkittel an und sorgte für die Steigerung des Bühnendrama-Theaters, wobei er theatralisch versuchte, die auf dem Stuhl sitzende ‚von Ziegeln umgebene menschliche Hülle‘ (die die Hauptfigur des Konzepts verkörpert, nämlich Floyd, den die Drogen in eine andere Welt trugen) aufzuwecken. Saranich übernahm hier das Bassspielen, Darlington hingegen ‚tötete‘ mit einem der mächtigsten Gilmour-Solos der gesamten Rock-’n‘-Roll-Ära, dem er im theatralischen Abschluss einige eigene Würze hinzufügte. Ein außergewöhnlicher Abschluss des regulären Teils.

Und als Zugaben-Finale noch Run Like Hell, das in seiner Explosivität und mit der Unterstützung üppiger Lichteffekte alles vor sich niederriss! Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Nur das, dass wir von nun an regelmäßig zu den Konzerten von Brit Floyd zurückkehren werden! Immer, wenn sie sich in Ljubljana melden. Wer sie einmal gesehen hat, für den werden ihre Konzertbesuche eben zur Pflicht! Erstklassig.

Autoren: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setliste:
Set 1:
1. Astronomy Domine
2. Learning to Fly
3. High Hopes
4. Take It Back
5. Coming Back to Life
6. Sorrow
7. Keep Talking
8. Pigs on the Wing, Part 1
9. Dogs
—20 Min. Pause—
Set 2:
10. Shine On You Crazy Diamond (Parts I-V)
11. A Great Day for Freedom
12. Time
13. Breathe (Reprise)
14. The Great Gig in the Sky
15. Wish You Were Here
16. One of These Days
17. Another Brick in the Wall, Part 2
18. Us and Them
19. Money
20. Comfortably Numb
—Zugabe—
21. Run Like Hell


Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki