Book Of The Dead
Interpret: K2
Label: Progrock Records
Veröffentlichung: 2005
Bewertung: 2.5/5
Eine Reise durch die Zeit, eine Reise ins Land der Pharaonen, wo sich die Tore ins Jenseits befinden, wie auch immer die aussehen mögen, und wo sich die Fragen zu all unseren ewigen Antworten verstecken. Es handelt sich um ein Konzeptalbum.
Der erste Song ist ein langes, sehr langes Ding. K2 haben darin den Geist der Siebziger sehr erfolgreich wiederauferstehen lassen. Nach vier Minuten Intro, in denen uns Weltraum-Synthesizer Jahrtausende zurück ins Land der Kinder der Sonne tragen, springt der legendäre Alan Holdsworth (ex –U.K., Soft Machine) mit seinem unverwechselbaren Stil und Sound auf die Bühne, und die großartige Ivette Devereaux setzt sein Werk meisterhaft auf der E-Geige fort. Damit erwecken sie tatsächlich auch die guten alten U.K. wieder zum Leben, natürlich in milder Form. Ivette ist klasse. Die E-Geige ist der wahre Reiz dieser Platte. Und dann ist da noch so ein kleiner Kerl namens Ryo Okumoto (Spock’s Beard). Ryo sorgt für beeindruckendes Wüten an den Moogs. Der Song ist ein wunderschönes Patchwork aus verschiedenen Stimmungen, ein lebendiges, dynamisches Puzzle, durchzogen von Alans fantastischen Jazzrock-Soli, Ryos Moog-Flitzereien und der Explosivität, die die Kraft der E-Geige hineinbringt. Wegen der vielen Motive wirkt der Track zerbrechlich und scheint buchstäblich auf Wellen zu schweben. Getragen wird er von einem außergewöhnlichen Synthesizer-Klangteppich. Die Motive springen stellenweise unvorhersehbar hin und her, und zwischendurch wagen sie sich auch auf exotisch-orientalische Abenteuer. Gesungen hat auf der ganzen Platte Shaun Guerin, dessen Stimme dreist nach Peter Gabriel klingt. Allerdings erreicht Shaun in der Interpretation bei Weitem nicht die Ausstrahlung, die der einzigartige Gabriel heraufbeschwören kann. Unglaublich, wie die Energien bei der Entstehung der Platte wieder ihr Spiel getrieben haben! Kurz nach den Aufnahmen und der Wiederbelebung der Zauberei, von der die uralte Philosophie und das ewige Wissen der Weisen durchdrungen sind, die vor langer Zeit das „Book Of The Dead“ niederschrieben, ist Shaun Guerin nämlich gestorben. Das Konzept der Platte gewinnt dadurch noch mehr Gewicht!
Der erste Song ist ein leichter Etikettenschwindel, denn die Fortsetzung, die die übrigen vier Teile des Konzepts bilden und die zusammen kaum gute zwanzig Minuten dauern, nähert sich stark dem britischen „Neo Progressive Rock“, und da werden natürlich auch die Fingerzeige auf Genesis sehr passend. Mellotron und der „Beat“ selbst, ein aufgedrehter, fetter Basssound (ähnlich dem guten alten Rickenbacker), wobei ich nicht die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass Jaquess bei Overdubs und Produktion mit seinem Bassklang nicht doch noch ein bisschen herumgespielt hat. Sound und Linien von Jaquess‘ Bassspiel erinnern an Chris Squire (Yes). K2 sind schon gleich in Chapter 2: Mirror of the Spirits so unterwegs, und an dieses Syndrom halten sich auch die übrigen drei Teile der Konzept-Fortsetzung, verblüffend ähnlich z. B. I.Q., vor allem wegen des Gesangs und des Mellotrons im Hintergrund. Zum Glück gibt es die erwähnten Momente, in denen frischer Wind durch die Musik weht! Die erwähnten Soli, meine ich (Gitarre, Moog, E-Geige), retten die Platte davor, im Mittelmaß des Plagiats zu versinken, sodass „Book Of The Dead“ am Ende keineswegs von schlechten Eltern ist!
Von den genialen, renommierten Musikern von K2 würde man allerdings mehr Einsatz erwarten. Andererseits ist es Jaquess‘ Projekt, er schreibt die Arrangements, die Anwesenden haben eben seine Anweisungen ausgeführt. Wie auch immer, das Album ist hervorragend, der erste Song erweckt wirklich die Größe der Epen von Yes, Genesis, ELP zum Leben und erinnert dabei leicht an U.K., aber wie gesagt ist das sehr trügerisch, denn der Rest der Platte ist „Neo Progressive Rock“, der auf britischem Boden heute verdammt lebendig ist. Kurz: Für alle, die keinen Bock mehr haben, alte Sachen zu hören, und sich neue Bands wünschen, die immer noch „alte“ Sachen spielen, ist das die Platte für euch. Wäre sie vor 30 oder 35 Jahren entstanden, wäre „Book Of The Dead“ vielleicht ein monumentales Rock-Kunstwerk, so aber haftet ihr der Hauch eines sehr guten Plagiats an. Dieses trotz meiner Warnungen ansonsten hervorragende Album ist für Fans des klassischen symphonischen „Progressive Rock“ und „Neo Progressive Rock“ auf jeden Fall eine nähere Begegnung wert.
Besetzung
Shaun Guerin – Gesang
Yvette Devereaux – E-Geige
Allan Holdsworth – Gitarre
Ryo Okumoto – Piano, Moog
Ken Jaquess – Bass, Keyboards & zehnsaitige Akustikgitarre
Doug Sanborn – Schlagzeug
John Miner – zusätzliche Gitarren
Produktion
Ken Jaquess
Tracklist
1. Chapter 1 : Infinite Voyage (23:25)
2. Chapter 2 : Mirror to the Spirits (6:54)
3. Chapter 3 : The Edge of Light (7:03)
4. Chapter 4 : Aten (Window of Appearences)(3:22)
5. Chapter 5 : Cloak of Antiquity (5:54)
Spielzeit: 46:38